Alexander Zverev gewinnt US Open und greift nach Weltranglisten-Spitze
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAlexander Zverev hat mit seinem Sieg bei den US Open seinen zweiten Grand-Slam-Titel gewonnen und spricht von einem deutlich gelasseneren Triumphgefühl im Vergleich zum Erfolg bei den French Open.
Zverev genießt den Moment im Arthur-Ashe-Stadium
Spät am Abend nach dem Endspiel gönnte sich der Hamburger einen ruhigen Moment im nahezu leeren Arthur Ashe Stadium. Zuvor hatte der neue Champion in der Kabine mit Champagner gefeiert und in seiner Siegerrede seine Mutter zu Tränen gerührt. Gemeinsam mit seinem Bruder Mischa saß Zverev schließlich mitten auf dem Centre Court, vor sich die silberne US-Open-Trophäe – erneut am Ziel seiner Träume.
Der 29-Jährige betonte, er könne diesen Sieg deutlich mehr genießen als den Erfolg in Paris. Dort habe ihn die langjährige Jagd nach dem ersten Grand-Slam-Titel noch stark belastet, nun überwiege reine Freude. Mit dem Titel ist Zverev erst der zweite deutsche Sieger im Männer-Einzel der US Open nach Boris Becker.
Kuriose Schlussphase und gedanklicher Aussetzer
Für einen Moment schien Zverev den verwandelten Matchball gar nicht richtig wahrzunehmen. Beim 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 gegen den Amerikaner Ben Shelton schaute er zunächst irritiert auf die Anzeigetafel und wollte weiterspielen, bevor er jubelnd die Arme hochriss. Er erklärte später, er habe gedacht, es stehe 5:1 statt 6:2 und er habe das Ergebnis schlicht vergessen.
Der Olympiasieger von 2021 verwies in seiner Ansprache auf die lange Durststrecke für deutsches Tennis bei den Grand Slams. Drei Jahrzehnte lang war kein Titel im Männer-Einzel gelungen, nun stehen innerhalb von drei Monaten zwei Erfolge für ihn zu Buche. Zverev sprach von harter Arbeit, viel Leid und großem Schmerz, die in diese Leistungen eingeflossen seien.
Emotionale Worte für die Mutter und frühe Diabetes-Diagnose
Besonders viel Applaus erhielt Zverev, als er seine Mutter Irina als die wichtigste und stärkste Person würdigte, die er kenne. Er erinnerte daran, dass bei ihm im Alter von vier Jahren Diabetes diagnostiziert wurde und seine Mutter damals entschieden habe, dass er dennoch alles erreichen könne, was er wolle.
Diese persönliche Geschichte und die offene Dankbarkeit ließen auch viele der zuvor dem US-Amerikaner Shelton zujubelnden Zuschauer im größten Tennisstadion der Welt warm reagieren. Zverev zeigte sich in den entscheidenden Momenten gereift, blieb nervenstark und trotzte der hitzigen Atmosphäre.
Jagd auf die Nummer eins der Welt
Mit dem Sieg von New York rücken für Zverev weitere Karrierziele in greifbare Nähe. Der Rückstand auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner, der die US Open verletzt verpasste, ist von mehr als 5000 auf unter 2000 Punkte geschrumpft. Zverev kündigte an, für den Rest des Jahres konzentriert zu bleiben und alles auf die Resultate auszurichten, um eine Chance auf die Spitze der Rangliste zu haben.
Die deutsche Tennis-Legende Boris Becker sieht es als Frage der Zeit, bis Zverev die Nummer eins wird. Der ehemalige Spitzenspieler betonte, Zverev sei für mehrere Grand-Slam-Titel gut, wenn er seine Mentalität und Spielweise stabil halte, und lobte seine Art, mit Drucksituationen in dieser Saison umzugehen.
Grand-Slam-Jahr mit historischer Marke
Zverevs Saison bei den vier wichtigsten Turnieren ist herausragend: Halbfinale bei den Australian Open, Finale in Wimbledon gegen Sinner und nun zwei Titel bei den French Open und den US Open. Bei den deutschen Männern hat nur Becker mit sechs Grand-Slam-Erfolgen mehr Siege vorzuweisen.
Auch politisch fand der Erfolg Beachtung: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte über den Kurznachrichtendienst X zu einem aus seiner Sicht verdienten Sieg in New York und sprach von einer starken Leistung. Zverev selbst verwies mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf auf die Rückkehr von Sinner und dem Spanier Carlos Alcaraz, der nach einer Handgelenksverletzung wieder voll angreifen soll.
Selbstbild, Konkurrenz und Blick nach vorn
Ein französisches Medium bezeichnete Zverevs Triumph in New York als Sieg eines selbstbewussten Opportunisten und spielte damit auf das Fehlen seiner stärksten Rivalen an. Der Weltranglistenzweite antwortete auf die Frage, wer derzeit der beste Spieler sei, mit einer differenzierten Einschätzung.
Angesichts der aktuellen Verletzungssituation sieht er sich wohl selbst vorn, erinnerte aber daran, dass er zuletzt mehrfach gegen Sinner verloren habe. Wenn alle gesund seien, sei Jannik Sinner aus seiner Sicht immer noch vorne – so klar formulierte Zverev das Kräfteverhältnis an der Spitze des Herrentennis.
Historischer Erfolg für den deutschen Tennissport
Alexander Zverevs Triumph bei den US Open markiert einen neuen Höhepunkt für den deutschen Tennissport. Er ist erst der zweite deutsche Spieler, der im Männer-Einzel in New York gewinnen konnte, und hat innerhalb von nur drei Monaten zwei Grand-Slam-Titel geholt. Damit schließt er eine Lücke, die über Jahrzehnte klaffte, und stellt die Tradition deutscher Erfolge, die lange vor allem mit Boris Becker verbunden war, auf eine neue Basis.
Karriereschub und Kampf um die Weltrangliste
Sportlich verändert der Sieg die Ausgangslage im weltweiten Männer-Tennis spürbar. Zverevs Rückstand auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner ist deutlich geschrumpft, der Deutsche spricht offen davon, nun konsequent auf die Nummer eins der Welt hinzuarbeiten. Zugleich zeigt seine Grand-Slam-Bilanz des Jahres mit Halbfinale bei den Australian Open, Finale in Wimbledon und den Titeln in Paris und New York eine neue Konstanz auf höchstem Niveau. Die Frage nach dem Kräfteverhältnis an der Spitze gewinnt weiter an Brisanz, sobald Sinner und Carlos Alcaraz nach Verletzungspausen wieder voll einsteigen.
Persönliche Geschichte und öffentliche Wahrnehmung
Über den sportlichen Erfolg hinaus wirkt Zverevs Auftritt in New York stark identitätsstiftend. Die emotionale Würdigung seiner Mutter und der Verweis auf seine Diabetes-Erkrankung zeigen, wie sehr persönliche Herausforderungen und sportlicher Ehrgeiz ineinandergreifen. Dass er Niederlagen und verpasste Chancen der Vergangenheit offen anspricht und zugleich selbstbewusst seine aktuelle Stärke reklamiert, verstärkt das Bild eines gereiften Spitzensportlers. Für Tennisfans in Deutschland bedeutet der Erfolg, dass Grand-Slam-Siege im Männerbereich wieder zu einer realistischen Erwartung geworden sind – und dass die kommende Saison mit Blick auf die Weltrangliste und weitere Titel außergewöhnliche Spannung verspricht.
