Alexander Schweitzer übernimmt Arbeitsministerium unter Zeitdruck
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchweitzers Amtsstart im Bundesarbeitsministerium
- Alexander Schweitzer soll am Mittwoch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Arbeitsminister ernannt werden.
- Nach der Kabinettssitzung will Schweitzer ab 11.00 Uhr im Ministerium arbeiten.
- Boris Pistorius schließt eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz definitiv aus und unterstützt Lars Klingbeil.
Bundeskanzler Friedrich Merz fordert vom designierten Arbeitsminister Alexander Schweitzer vom ersten Amtstag an Tempo bei den geplanten Reformen.
Ernennung und Vereidigung
Schweitzer soll die Lücke schließen, die Bärbel Bas mit ihrem Rücktritt als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin am Montag hinterlassen hat. Seine Ernennung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war für den Mittwochnachmittag vorgesehen; anschließend sollte er im Bundestag vereidigt werden.
Merz kündigte auf dem Deutschen Arbeitgebertag an, Schweitzer werde nach der Kabinettssitzung ab 11.00 Uhr im Ministerium arbeiten. Der Kanzler verbindet mit dem Wechsel eine lange Aufgabenliste im Arbeits- und Sozialressort.
SPD sucht Nachfolge für Bas
Wer Bas an der Spitze der SPD nachfolgt, blieb zunächst offen. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte auf dem Arbeitgebertag, er werde definitiv nicht als Parteivorsitzender antreten.
Pistorius verwies auf seine Verantwortung für die Sicherheit des Landes und sprach sich dafür aus, dass Lars Klingbeil erneut kandidiert. Die SPD-Führung will bei einem Parteitag um den Jahreswechsel die gesamte Parteiführung neu wählen lassen.
Merz setzt Frist für Rentenreform
Merz bekräftigte, der Gesetzentwurf zur Rentenreform solle noch in diesem Jahr vom Kabinett und im ersten Quartal 2027 vom Bundestag beschlossen werden. Von Schweitzer erwarte er, die vereinbarten Gesetzentwürfe so schnell wie möglich in die Regierung zu bringen.
Der Kanzler kritisierte, die Vorschläge der Rentenkommission lägen bereits seit Juni vor. Als besonders umstritten gilt das geplante Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Merz verteidigte diesen Ansatz mit dem Ziel einer gerechteren Finanzierung der Rentenversicherung.
Weitere Vorhaben im Arbeitsrecht
Zu Schweitzers Aufgaben zählen nach Merz' Darstellung auch die Reform des Arbeitsmarkts und weitere Vorhaben des Koalitionspakets. Dazu gehört eine mögliche Bescheinigungspflicht ab dem ersten Krankheitstag.
Merz bekräftigte zudem, Befristungen sollten ausgeweitet und der Kündigungsschutz für Beschäftigte mit besonders hohem Einkommen gelockert werden. Eine geplante Arbeitszeitreform solle mehr Flexibilität ermöglichen; dabei steht auch der starre Acht-Stunden-Tag zur Debatte.
SPD kritisiert Umgang mit Bas
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf erneuerte die Vorwürfe gegen den Koalitionspartner im Zusammenhang mit Bas' Rücktritt. Er verwies auf einen Trauerfall in Bas' Familie und erklärte, dieser sei in der Koalition bekannt gewesen.
Bas habe sich zunächst um die Betreuung und anschließend um die Trauerarbeit gekümmert, sagte Klüssendorf. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warf Merz vor, Bas nicht mit ausreichend Respekt und Wertschätzung begegnet zu sein.
Schweitzer übernimmt ein Ministerium unter Zeitdruck
Mit Alexander Schweitzer wechselt ein erfahrener Landespolitiker in ein Ressort, dessen zentrale Vorhaben eng mit dem Koalitionsvertrag und dem Verhältnis zwischen SPD und Union verknüpft sind. Sein Amtsantritt fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung bei der Renten- und Arbeitsmarktreform sichtbare Fortschritte erwartet.
Besonders konfliktträchtig ist die geplante Reform der gesetzlichen Rente. Die Alterssicherungskommission hatte im Juni 33 Empfehlungen vorgelegt. Dazu zählt der Vorschlag, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren auslaufen zu lassen. Für viele Beschäftigte hängt daran die Frage, ob ein früherer Ruhestand künftig ohne dauerhafte Abschläge möglich bleibt.
Rentenplan wird zum Belastungstest
Schweitzer hatte sich vor seinem Wechsel nach Berlin kritisch zu Teilen der Reformüberlegungen geäußert. Als Minister muss er nun einen Gesetzentwurf verantworten, der zugleich den Zeitplan des Kanzlers erfüllen und innerhalb der SPD sowie mit den Ländern und Fraktionen abgestimmt werden soll.
Für Bürgerinnen und Bürger sind neben dem Renteneintritt auch Änderungen im Arbeitsrecht relevant. Genannt werden eine mögliche Bescheinigungspflicht ab dem ersten Krankheitstag, neue Regeln für Befristungen, eine Lockerung des Kündigungsschutzes bei besonders hohen Einkommen und flexiblere Arbeitszeiten. Ob daraus schnell umsetzbare Gesetze werden, hängt von den Beratungen in der Koalition und im Parlament ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Berliner Zeitung: „Rente für alle, Kosten für wen? Streit um die Reform spitzt sich nach Bas-Rücktritt zu“ (13.10.2026)
Der Bericht ordne Schweitzers Amtsantritt als zusätzliche Belastungsprobe für die schwarz-rote Koalition ein. Er hebe hervor, dass die Rentenreform trotz des vereinbarten Zeitplans politisch umstritten bleibe und insbesondere die Verteilung der künftigen Kosten offen sei.
Merkur: „Bas-Nachfolger forderte Umdenken: Kommt die Rentenreform jetzt ‚noch einmal auf den Tisch‘?“ (13.10.2026)
Der Artikel stelle stärker Schweitzers frühere Kritik an der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren heraus. Anders als die Berliner Zeitung richte er den Schwerpunkt auf die mögliche inhaltliche Neuprüfung des Rentenpakets durch den neuen Minister.
Beide Beiträge bestätigten damit den Wechsel im Arbeitsministerium und die zentrale Bedeutung der Rentenreform; unterschiedlich bewerteten sie vor allem, ob der Personalwechsel den Zeitplan oder den Inhalt des Vorhabens stärker beeinflussen könne.
