AfD Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm: bürgerliche Wahlkampfstrategie und innerparteiliche Kritik

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 18:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm setzt in Mecklenburg-Vorpommern auf ein betont bürgerliches Auftreten, steht aber zugleich unter erheblichem innerparteilichen Druck. Der Wahlkampf macht sichtbar, wie umstritten Strategie und Personal der Partei im Nordosten sind.

Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der AfD, zeigte sich im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern bürgerlich und nahbar. - Bild: Jens Büttner/dpa
Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der AfD, zeigte sich im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern bürgerlich und nahbar. - Bild: Jens Büttner/dpa

Leif-Erik Holm ist im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern als bürgerlich auftretender Spitzenkandidat der AfD aufgetreten, wird aber parteiintern und von außen deutlich kritisiert.

Lockeres Auftreten als Marke im Wahlkampf

Mit hochgekrempeltem Hemd, Daumen hoch und einem Lächeln in die Kamera präsentierte sich Holm im Wahlkampf, häufig mit dem Fahrrad samt Kindersitz zu Terminen in seiner Heimatstadt Schwerin unterwegs. Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno bezeichnete ihn als bürgerliches Aushängeschild der AfD. Holm, 56 Jahre alt, nutzte seine Erfahrung als früherer Radiomoderator, um locker und gut gelaunt mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Der gebürtige Schweriner ist gelernter Elektriker und studierter Volkswirt, vierfacher Vater und war mehr als 20 Jahre beim privaten Radiosender Antenne MV tätig. Seit 2013 gehört er der AfD an und ist mit kurzer Unterbrechung seit den Anfangsjahren Landessprecher in Mecklenburg-Vorpommern. 2016 zog er zunächst in den Schweriner Landtag ein, 2017 wechselte er in den Bundestag.

Positionen und Strategie im Wahlkampf

Inhaltlich fordert Holm wie andere AfD-Vertreter eine deutlich restriktivere Migrationspolitik und wirft dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wiederholt Desinformation vor. Im Ton tritt er jedoch mitunter gemäßigter auf als andere Parteikollegen. Muno beschrieb ihn mit Blick auf diese Diskrepanz als „Wolf im Schafspelz“.

Gemeinsam mit dem Co-Landessprecher Enrico Schult bildete Holm im Wahlkampf eine Doppelspitze. Ursprünglich hatte sich der Landesvorstand mehrheitlich für Schult als Spitzen- und Ministerpräsidentenkandidaten ausgesprochen, später verständigte man sich auf Holm als Anwärter für die Schweriner Staatskanzlei. Holm verzichtete auf einen Listenplatz und setzte darauf, SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig das Direktmandat im Wahlkreis Schwerin abzunehmen. Schwesig warf ihm im Wahlkampf vor, sich damit den Rückweg nach Berlin offenzuhalten.

Von Alleinregierung zu Gesprächsbereitschaft

Längere Zeit hatte Holm eine AfD-Alleinregierung in Schwerin als Ziel ausgegeben. Gegen Ende des Wahlkampfes zeigte er sich jedoch offen für Koalitionsgespräche mit allen Parteien. Über weite Strecken führte die AfD in Umfragen deutlich, bevor die SPD im Verlauf der Kampagne wieder aufholte.

Die Kommunikationsstrategie der AfD zeigte sich auch in der digitalen Präsenz: Während Holm kurz vor der Wahl von einem „Wahlkampf aus einem Guss“ sprach, war er auf der Facebook-Seite des AfD-Generalsekretärs im Land, Dario Seifert, kaum präsent. Auf der Seite von SPD-Generalsekretär Julian Barlen wiederum war Manuela Schwesig deutlich sichtbar.

Scharfe Kritik aus dem AfD-Umfeld

Kritik an Holm kam nicht nur von der politischen Konkurrenz, sondern auch aus dem weiteren AfD-Umfeld. Der Ideengeber Benedikt Kaiser schrieb auf der Plattform X, Holm habe das Momentum nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt gestoppt, sprach von einem völligen inhaltlichen, strategischen und wahlkämpferischen Versagen mit Rückwirkungen auf die gesamte Partei. Muno bezeichnete Holm zudem als „Auslaufmodell“ und sieht andere Akteure wie Dario Seifert im Aufstieg.

Der Kreisverband, aus dem Seifert stammt, ist der mitgliederstärkste in Mecklenburg-Vorpommern. Der 32 Jahre alte Bundestagsabgeordnete übernahm in diesem Jahr den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs im Land. Trotz des laufenden Wahlkampfs mussten Interessierte auf seiner Facebook-Seite kurz vor der Landtagswahl nach Holm suchen.

Enrico Schult und die Personaldebatte

Eine zentrale Figur im Landesverband ist zudem Enrico Schult. Er gilt als Bildungsexperte der AfD-Landtagsfraktion und war als Vorsitzender der Landesprogrammkommission maßgeblich am Wahlprogramm beteiligt. Im innerparteilichen Ringen um Listenplatz 1 setzte er sich Anfang des Jahres gegen Nikolaus Kramer durch und löste ihn Mitte Juni auch als Fraktionsvorsitzenden ab.

Über mögliche personelle Konsequenzen des Wahlausgangs wollte Schult kurz vor der Wahl nicht spekulieren. Er bezeichnete entsprechende Debatten als „völlig aberwitzig“ und verwies auf den absehbaren Zugewinn im Vergleich zur Landtagswahl 2021, als die AfD 16,7 Prozent erzielt hatte. Entscheidend sei aus seiner Sicht, von welchem Ausgangsniveau die Partei komme.

AfD-Erfolg und Grenzen in Mecklenburg-Vorpommern

Die Rolle von Leif-Erik Holm im jüngsten Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern steht exemplarisch für die strategische Suche der AfD nach bürgerlich wirkenden Spitzenfiguren. Holm setzt bewusst auf ein moderates Auftreten, ohne inhaltlich von den Kernpositionen der Partei zu abrücken. Für Wählerinnen und Wähler in Mecklenburg-Vorpommern ist damit die Frage verbunden, ob sich die AfD langfristig als regierungsfähige Kraft präsentieren oder vor allem Protestpotential bündeln will.

Im Nordosten zählt die AfD seit Jahren zu den stärkeren Kräften, hat aber bislang keine Gestaltungsmacht in Regierungsämtern erlangt. Dass Holm offen über Koalitionsoptionen spricht, markiert einen Unterschied zu früheren Wahlkämpfen, in denen die Partei häufig eine Alleinregierung als Ziel ausgegeben hat. Zugleich zeigt die Kritik aus dem eigenen Lager, wie umkämpft die strategische Linie ist: Zwischen radikaler Abgrenzung und dem Versuch, Anschluss an breitere bürgerliche Milieus zu gewinnen, verlaufen klare Bruchlinien.

Innerparteiliche Machtverschiebungen und mögliche Folgen

Die hervorgehobene Stellung von Dario Seifert und die Doppelspitze mit Enrico Schult deuten auf eine Phase innerparteilicher Neuordnung hin. Für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern könnte sich daraus eine stärkere Orientierung an jüngeren Funktionären ergeben, die programmatisch und kommunikativ andere Akzente setzen. Zugleich bleibt Leif-Erik Holm durch seine Bekanntheit als früherer Radiomoderator und langjähriger Landespolitiker ein wichtiger Faktor, gerade im direkten Kontakt mit Wählerinnen und Wählern.

Für die übrigen Parteien im Land eröffnet die Konstellation Chancen und Risiken. Einerseits lassen innerparteiliche Konflikte der AfD Spielräume im Wettbewerb um unentschlossene Stimmen. Andererseits zwingt ein starkes AfD-Ergebnis die demokratischen Parteien, ihre eigenen Strategien für Ostdeutschland und strukturschwache Regionen weiterzuentwickeln, um dauerhaft Vertrauen zu binden und politische Mehrheiten zu sichern.

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