Gesundheitskompetenz, Bundesärztekammer

Ärztepräsident Reinhardt schlägt Einsätze pensionierter Ärzte an Schulen vor

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Ärztepräsident Klaus Reinhardt schlägt vor, pensionierte Ärzte regelmäßig an Schulen einzusetzen, um Kindern grundlegende Gesundheitskompetenz zu vermitteln. Zugleich fordert er Anreize für eine längere Berufstätigkeit älterer Mediziner und weniger Bürokratie in der Primärversorgung.

Ärztepräsident will pensionierte Ärzte an Schulen schicken
Klaus Reinhardt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat vorgeschlagen, pensionierte Ärztinnen und Ärzte regelmäßig an Schulen zu schicken, um Kindern frühzeitig Gesundheitskompetenz zu vermitteln. So sollen Menschen lernen, sich bei leichten Erkrankungen zunächst selbst zu helfen und die ärztliche Versorgung gezielter in Anspruch zu nehmen.

Vorschlag: Pensionierte Ärzte im Schulalltag

Reinhardt kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, dass ein pensionierter Arzt etwa einmal im Monat eine Grundschule besucht und mit den Kindern über Gesundheitskompetenz spricht. Nach seiner Auffassung ließen sich auf diese Weise grundlegende Kenntnisse zu alltäglichen Beschwerden und deren Behandlung vermitteln, ohne dass dafür jedes Mal eine neue staatlich geprüfte Fachkraft geschaffen werden müsste.

Als Beispiel nannte der Ärztepräsident einen ansonsten gesunden 25-Jährigen mit Brechdurchfall, der nicht unbedingt nachts einen Hausbesuch benötige, sondern wissen sollte, wie er sich zunächst selbst helfen kann. Auch beim richtigen Inhalieren bei Husten fehle es vielen Menschen an grundlegenden Fähigkeiten, die man früher und systematisch vermitteln könnte.

Mehr Pragmatismus statt neuer Bürokratie

Reinhardt betonte, es müsse nicht für jede Aufgabe eine neue spezialisierte Berufsgruppe geschaffen werden. Viele Dinge ließen sich seiner Ansicht nach pragmatisch organisieren, etwa durch den gezielten Einsatz pensionierter Ärztinnen und Ärzte, die ihre Erfahrung in Schulen oder anderen Einrichtungen einbringen.

Mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung soll nach seinen Worten helfen, Arztzeit sinnvoller einzusetzen. Gleichzeitig plädiert der Ärztepräsident dafür, die Primärversorgung besser zu koordinieren und Arbeitszeitvernichtung durch ausufernde Bürokratie konsequent zu bekämpfen.

Ältere Ärzte länger im Beruf halten

Angesichts des hohen Anteils älterer Mediziner fordert Reinhardt zudem Anreize, damit Ärztinnen und Ärzte über das reguläre Rentenalter hinaus berufstätig bleiben. Dabei müsse es nicht zwingend um Vollzeitmodelle gehen, vielmehr seien flexible Arbeitszeiten und reduzierte Stunden denkbar.

In seiner eigenen Praxis arbeiten nach seinen Angaben Kolleginnen über 70 Jahren noch rund 20 Stunden pro Woche und konzentrieren sich auf die Behandlung ihrer Patienten. Das bereite ihnen Freude und zeige aus Sicht des Ärztepräsidenten, dass eine längere Berufstätigkeit im medizinischen Bereich auch für ältere Fachkräfte attraktiv sein kann.

Reinhardts Vorschläge richten sich damit sowohl auf die Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung als auch auf eine bessere Nutzung der vorhandenen ärztlichen Erfahrung. Sie zielen darauf ab, die Versorgung effizienter zu gestalten, Bürokratie abzubauen und gleichzeitig die Ressourcen älterer Ärztinnen und Ärzte in Schule und Praxis einzubinden.

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Der Vorstoß von Klaus Reinhardt zielt auf ein strukturelles Problem im deutschen Gesundheitswesen: Viele Menschen suchen bei vergleichsweise leichten Beschwerden sofort ärztliche Hilfe, statt sich zunächst mit einfachen Mitteln selbst zu helfen. Das erhöht den Druck auf Hausarztpraxen und Notdienste und verschärft bestehende Engpässe, insbesondere in ländlichen Regionen und bei der hausärztlichen Versorgung insgesamt.

Hintergrund: Gesundheitskompetenz und Belastung der Versorgung

Unter Gesundheitskompetenz wird die Fähigkeit verstanden, Informationen zu Gesundheit, Krankheit und Behandlung zu finden, zu verstehen und für eigene Entscheidungen zu nutzen. Studien der vergangenen Jahre zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung Schwierigkeiten hat, Gesundheitsinformationen richtig einzuordnen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Das trägt dazu bei, dass Praxen und Notaufnahmen auch bei Bagatellerkrankungen stark beansprucht werden, während zeitaufwendige Betreuung für chronisch Kranke oder komplexe Fälle knapper wird.

Reinhardts Vorschlag, pensionierte Ärzte regelmäßig in Schulen einzusetzen, knüpft an die Idee an, diese Kompetenz früh im Leben zu vermitteln. Anders als neue Programme mit eigener Bürokratie setzt der Ansatz auf bereits vorhandene medizinische Expertise und soll nach seiner Vorstellung pragmatisch organisiert werden. Für die Schulen würde dies ein zusätzliches Angebot jenseits des regulären Unterrichts bedeuten, das jedoch mit den bestehenden Bildungsplänen und Personalressourcen abgestimmt werden müsste.

Bedeutung für Versorgung und Arbeitsmarkt

Gleichzeitig verweist Reinhardt auf die große Zahl älterer Ärztinnen und Ärzte und fordert Anreize, die Berufstätigkeit über das klassische Rentenalter hinaus fortzusetzen, auch in Teilzeit. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der wachsenden Zahl älterer und chronisch kranker Patienten könnte eine gezielte Einbindung erfahrener Medizinerinnen und Mediziner dabei helfen, Versorgungslücken zu begrenzen. Voraussetzung wären passende Arbeitszeitmodelle, weniger Bürokratie und Tätigkeitsprofile, die sich auf die direkte Patientenarbeit konzentrieren.

Ausblick: Umsetzung und offene Fragen

Für eine praktische Umsetzung des Schulmodells müssten Bildungs- und Gesundheitsressorts eng zusammenarbeiten und klären, wie Einsätze organisiert, finanziert und in den Schulalltag integriert werden können. Offene Punkte sind etwa Haftungsfragen, die Einbindung in bestehende Präventionsprogramme und die Sicherstellung, dass solche Angebote alle Kinder erreichen und nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Sollte der Ansatz weiterverfolgt werden, könnten Pilotprojekte zeigen, ob sich dadurch die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen bei Bagatellerkrankungen langfristig reduziert. Leserinnen und Leser sind davon betroffen, weil eine stärkere Gesundheitskompetenz im Alltag helfen kann, eigene Entscheidungen souveräner zu treffen und Wartezeiten in Praxen zu verringern.

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