Acht-Stunden-Tag: Thorsten Frei pocht auf Abschaffung
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:23 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKoalitionsstreit über Arbeitszeit und Steuern
- Thorsten Frei beruft sich auf eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit.
- Jusos und weitere SPD-Gruppierungen verlangen Tarifverträge und elektronische Arbeitszeiterfassung als Bedingungen.
- Frei kritisiert außerdem die geplante Plastiksteuer und den Umfang der Einkommensteuerreform.
Thorsten Frei drängt auf flexiblere Arbeitszeit
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, pocht auf die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. Er beruft sich dabei auf den Koalitionsvertrag, der im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit ermöglichen soll.
SPD-Gruppierungen nennen Bedingungen
„Im Koalitionsvertrag haben wir glasklar vereinbart, im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen - auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagte Frei dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Mehrere Gruppierungen der SPD, darunter die Jusos, hatten zuletzt Bedingungen für eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tages gestellt. Die Einführung solle nur in Betrieben mit Tarifverträgen möglich sein und außerdem an eine vollständige elektronische Erfassung der Arbeitszeiten gekoppelt werden, heißt es in einem gemeinsamen Strategiepapier.
Frei kritisiert geplante Plastiksteuer
Skeptisch äußerte sich Frei zudem über den Gesetzentwurf von Umweltminister Carsten Schneider und Finanzminister Lars Klingbeil zur Einführung einer Plastiksteuer. „Die Plastiksteuer würde einen enormen bürokratischen Aufwand erfordern, der in keinem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht“, sagte der CDU-Politiker.
„Deswegen werden wir uns sehr genau anschauen, ob das wirklich der richtige Weg ist“, fügte Frei hinzu. Damit stellt er auch dieses Vorhaben der Koalition unter Prüfung.
Unionsfraktionschef fordert weitere Entlastungen
Enttäuscht zeigte sich Frei über den Umfang der von Klingbeil geplanten Einkommensteuerreform. „Wir haben uns auf Maßnahmen bei der Einkommensteuer geeinigt, insbesondere für Familien und Arbeitnehmer“, sagte er.
„Natürlich hätten wir uns weitere Entlastungen gewünscht“, erklärte Frei. Die Debatte über Arbeitszeit und Steuerpolitik verbindet damit Fragen der betrieblichen Flexibilität mit Forderungen nach Entlastung von Familien und Arbeitnehmern.
Anzeige | trading-house Börsenakademie
Kostenlose Trading-Webinare für Privatanleger
Live lernen, live fragen. Erfahrene Trader zeigen Dir ihre Strategien beim Handel mit Aktien, Indizes und Rohstoffen in Echtzeit und beantworten Deine Fragen direkt - zum Beispiel, wie Du Nachrichten wie diese für Deine Entscheidungen an der Börse richtig einordnest. 100 % kostenlos, live und interaktiv, jeden Mittwoch um 15:15 Uhr, von der trading-house Börsenakademie, die Privatanleger seit 28 Jahren ausbildet.
Die Debatte über den Acht-Stunden-Tag berührt den Kern des deutschen Arbeitszeitrechts. Nach dem geltenden Arbeitszeitgesetz darf die werktägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten; eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn im Ausgleichszeitraum der Durchschnitt von acht Stunden eingehalten wird. Der Koalitionsvertrag sieht nach dem dts-Faktenkern eine stärkere Orientierung an einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor.
Eine solche Umstellung würde den Betrieben mehr Spielraum bei der Verteilung der Arbeitszeit geben. Beschäftigte könnten an einzelnen Tagen länger arbeiten und die Arbeitszeit an anderen Tagen verkürzen. Für Familien kann das flexiblere Modelle ermöglichen, zugleich hängt der praktische Nutzen davon ab, wie Dienstpläne, Ruhezeiten, Überstunden und die Kontrolle der Arbeitszeit geregelt werden.
Tarifbindung und Zeiterfassung im Streit
Die von Jusos und weiteren SPD-Gruppierungen genannten Bedingungen zielen auf Schutzmechanismen: Eine Begrenzung auf tarifgebundene Betriebe würde die Reform stärker an kollektiv ausgehandelten Regeln ausrichten. Die geforderte vollständige elektronische Arbeitszeiterfassung soll Transparenz schaffen und unbezahlte oder nicht dokumentierte Mehrarbeit verhindern.
Damit stehen sich zwei politische Ziele gegenüber: mehr Flexibilität für Unternehmen und Beschäftigte auf der einen, verbindliche Kontrollen auf der anderen Seite. Die weiteren Streitpunkte über Plastiksteuer und Einkommensteuerreform zeigen zugleich, dass die Koalition mehrere wirtschafts- und sozialpolitische Vorhaben parallel austarieren muss.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Aus für den Achtstundentag? Was die neue Arbeitszeitreform wirklich bedeutet“ (16.10.2026)
Der Beitrag ordnet die geplante Reform als Vereinbarung von Union und SPD für flexiblere Arbeitszeiten ein. Im Mittelpunkt stehen die praktischen Folgen und die unterschiedlichen Interessen, während die dts-Meldung vor allem den Vorstoß von Thorsten Frei und die Bedingungen aus der SPD beschreibt.
n-tv: „Wischen Plastiksteuer vom Tisch": SPD verärgert über Union (17.10.2026)
Der Artikel beleuchtet Freis Vorbehalte gegen die Plastiksteuer und legt den Schwerpunkt auf den Konflikt innerhalb der Koalition. Damit ergänzt er die dts-Meldung, die neben der Arbeitszeit auch den bürokratischen Aufwand und die geplante Einkommensteuerreform thematisiert.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf innerkoalitionäre Zielkonflikte. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei der arbeitsrechtlichen Reform und bei der Plastiksteuer; offen bleibt, unter welchen konkreten Bedingungen die Vorhaben umgesetzt werden.
