Qualcomm Aktie: Dragonfly C1000 kommt 2028
30.06.2026 - 00:58:27 | boerse-global.de
Qualcomm hat Analysten begeistert — und trotzdem fällt die Aktie. Nach dem Investor Day vom 24. Juni hagelt es Kurszielerhöhungen auf breiter Front. Nur das Rating bleibt mehrheitlich bei Hold. Das ist kein Widerspruch, sondern das eigentliche Problem.
Mizuho und Benchmark: Zwei Lager, ein Ergebnis
Mizuho hat sein Kursziel von 170 auf 210 Dollar angehoben — und behält dennoch die neutrale Einstufung. Die Bank sieht das Potenzial: Bis zum Geschäftsjahr 2029 soll das Rechenzentrumsgeschäft mehr als 15 Milliarden Dollar einbringen. Das wäre ein Anstieg um das rund 50-Fache gegenüber dem heutigen Niveau. Mizuho erwartet außerdem, dass der Anteil des Smartphone-Geschäfts am Umsatz unter ein Drittel sinkt.
Benchmark ist deutlich optimistischer. Das Haus hält an einem Kursziel von 300 Dollar fest und lädt für den 30. Juni zu einem virtuellen Investorendialog ein. Das Kursziel hatte Benchmark bereits unmittelbar nach dem Investor Day von 225 auf 300 Dollar erhöht.
Breite Kurszielerhöhungen, schmale Überzeugung
Die Analystenlandschaft nach dem Investor Day ist eindeutig — und doch gespalten. Fast alle haben ihre Kursziele angehoben, kaum jemand hat die Einstufung verbessert.
Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore ist eine Ausnahme. Er stufte Qualcomm von Underweight auf Equal Weight hoch und erhöhte sein Ziel von 146 auf 231 Dollar. Seine Begründung war ungewöhnlich direkt: „Wir lagen falsch mit unserer Skepsis." Moore sieht Qualcomm mit dem Ziel von 5 Milliarden Dollar KI-Rechenzentrumserlösen bis 2027 klar im Lager der KI-Profiteure.
Rosenblatt sprach von einem „definitiven Wendepunkt" und hob das Ziel von 190 auf 265 Dollar an. Wells Fargo zog auf 265 Dollar nach und verwies auf eine Auftragspipeline im Automobilbereich von 65 Milliarden Dollar sowie einen möglichen Gewinn je Aktie von mehr als 18 Dollar.
Die Skeptiker blieben skeptisch. Barclays erhöhte das Ziel von 150 auf 245 Dollar — und behielt Underweight. Die Bank nennt Qualcomm eine „Show-me-Story in einem hart umkämpften Markt." Bernstein hob auf 235 Dollar an (Market Perform), Cantor Fitzgerald auf 220 Dollar (Neutral), Citi auf 198 Dollar (Neutral) mit Verweis auf schwächelnde Smartphone-Nachfrage 2026. DZ-Bank-Analyst Ingo Wermann stufte Qualcomm am 26. Juni auf Buy hoch und setzt 265 Dollar als Zwölfmonatsziel.
Dragonfly C1000: Versprechen mit Lieferdatum 2028
Der Auslöser der Analysten-Welle ist konkret. Qualcomm stellte den Dragonfly C1000 vor — einen Rechenzentrum-Prozessor für KI-Workloads. Der Chip nutzt eigens entwickelte Oryon-Kerne und kommt auf mehr als 250 Kerne in einem Chiplet-Design. Qualcomm verspricht doppelt so viel Rechenleistung pro Watt wie bestehende Server-CPUs.
Meta plant den Einsatz des C1000 im Rahmen einer Mehrgenerationen-Vereinbarung. Microsoft will Qualcomms HBC-basierte KI-Beschleuniger nutzen. Der Haken: Kommerziell verfügbar wird der Chip erst 2028.
Genau das hält die Bären im Spiel. Die Aktie notiert bei 165 Euro — mehr als 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 222,90 Euro. Allein in den vergangenen 30 Tagen hat sie knapp ein Viertel ihres Werts verloren. Hinzu kommt eine rund 4 Milliarden Dollar schwere Akquisition, die kurzfristig auf die Marge drückt.
Offen ist auch, ob Meta Qualcomm als alleinigen CPU-Lieferanten einsetzt oder als einen von mehreren — zumal AMD seine eigene Partnerschaft mit Meta zuletzt ausgebaut hat. Qualcomms eigenes EPS-Ziel von mehr als 18 Dollar für 2029 lag zum Zeitpunkt des Investor Days deutlich über dem Analystenkonsens von 15,26 Dollar.
Am 29. Juli legt Qualcomm seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Das wird der erste echte Datenpunkt seit dem strategischen Schwenk — und zeigt, ob die Rechenzentrumsgeschichte mehr ist als ein Versprechen auf Papier.
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