Nvidia Aktie: Vera-CPU an OpenAI und Anthropic ausgeliefert
27.05.2026 - 04:16:45 | boerse-global.deNvidia liefert keine GPUs mehr — zumindest nicht nur. Der Konzern hat begonnen, seinen ersten eigenen CPU namens Vera an führende KI-Labore auszuliefern. Das ist mehr als ein Produktlaunch: Es ist der Eintritt in einen Markt, den Intel und AMD bislang unter sich aufgeteilt haben.
Vera: Handgeliefert an die KI-Elite
Nvidias Vice President Ian Buck brachte die ersten Vera-Systeme persönlich zu Anthropic in San Francisco, OpenAI in Mission Bay, SpaceXAI in Palo Alto und Oracle Cloud Infrastructure in Santa Clara. CEO Jensen Huang bezeichnete den Chip als „weltweit erste CPU, die speziell für agentische KI entwickelt wurde."
Technisch bringt Vera 88 eigene Olympus-Kerne mit. Der Speicherdurchsatz liegt bei 1,2 TB/s, die Leistung pro Kern unter Volllast ist 50 Prozent höher als bei herkömmlichen Designs. Der Chip zielt auf Workloads, bei denen KI-Systeme nicht nur Antworten generieren, sondern aktiv Software steuern, Daten abrufen und Prozesse koordinieren.
200 Milliarden Dollar — ein neues Spielfeld
CFO Colette Kress bezifferte den adressierbaren CPU-Markt auf 200 Milliarden Dollar. Nvidia hat diesen Markt bislang komplett ignoriert. Jetzt sieht das Unternehmen bereits in diesem Jahr fast 20 Milliarden Dollar an reinem CPU-Umsatz — und alle großen Hyperscaler und Systemhersteller sind laut Kress mit an Bord.
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Zum Vergleich: AMD schätzte den Server-CPU-Markt im November 2025 auf 26 Milliarden Dollar. Sollte Nvidia sein Ziel von 20 Milliarden erreichen, würde das einem Marktanteil von fast 40 Prozent entsprechen — selbst wenn der Gesamtmarkt bis dahin deutlich gewachsen ist.
Oracle Cloud Infrastructure plant den Einsatz von Hunderttausenden Vera-CPUs im Jahr 2026 und ist der erste Cloud-Anbieter, der Vera im Hyperscale-Betrieb einsetzt. SpaceXAI prüft den Chip für Reinforcement-Learning und Simulationsaufgaben.
Rekordquartal als Rückenwind
Der CPU-Vorstoß kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Nvidia meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bereich Rechenzentren wuchs um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow kletterte auf 48,6 Milliarden Dollar.
Für das zweite Quartal erwartet Nvidia rund 91 Milliarden Dollar Umsatz. Das liegt deutlich über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 86,84 Milliarden Dollar laut LSEG. Bemerkenswert: Diese Prognose schließt China-Umsätze im Rechenzentrumsbereich explizit aus.
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China bleibt offene Flanke
Im ersten Quartal lieferte Nvidia keine Hopper-Chips nach China — nach 4,6 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Huang nahm zwar als Teil der US-Delegation an Trumps Treffen mit Xi Jinping in Peking teil. Ein Durchbruch blieb aus. Peking setzt weiter auf den Aufbau einer eigenen Chipindustrie.
Sollte China den Markt wieder öffnen, wäre das reines Zusatzpotenzial — in Nvidias eigener Guidance ist davon nichts eingepreist. Die Aktie notiert aktuell bei 184,64 Euro und damit rund acht Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 14. Mai. Auf Jahressicht steht ein Plus von gut 54 Prozent. China bleibt der größte ungelöste Hebel für die zweite Jahreshälfte.
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