Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur abstrakten Leinwand
22.05.2026 - 11:11:59 | ad-hoc-news.de
Ein Energiestrom aus Linien und Flächen – das ist der erste Eindruck, wenn man heute auf die abstrakten Malereien von Mike Steiner trifft. Mike Steiner Malerei & Videokunst zeigt sich auf den ersten Blick als Synthese aus Kontrolle und Impuls, als sichtbares Nachdenken über das, was zwischen Bewegung und Stillstand liegt. Kann ein Gemälde in seiner Stille das gleiche Unmittelbare provozieren wie ein Videostill? Oder ist es gerade diese Grenze, die Steiner zu seinem Lebensthema erhoben hat?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Nach Jahrzehnten, in denen Mike Steiner als Pionier der Videokunst gefeiert wurde, steht heute seine Malerei im Zentrum einer neuen Werk-Betrachtung. Der Fokus auf seine aktuellen, abstrakten Arbeiten in Berlin vollzieht dabei eine überraschende Wendung, die jedoch folgerichtig wirkt. Die Präsentation seiner Gemälde verortet ihn weiterhin im Hamburger Bahnhof neben den großen Namen der deutschen Nachkriegsavantgarde, doch gerade die Ausstellung Live to Tape machte deutlich: Das Archiv- und Sammlungserbe Steiners bleibt untrennbar mit seiner künstlerischen Praxis verwoben. Werke, Archive und Zeitdokumente, wie sie die Archivio Conz beispielhaft dokumentiert, sind keine bloßen Zeugen einer Epoche, sondern Teil eines lebendigen Netzes, das sich bis in die Gegenwart fortschreibt.
Die Biografie von Mike Steiner liest sich wie das Who's Who der progressiven Künste seit den 1960er Jahren: Geboren 1941 in Allenstein, geprägt von den Umbrüchen der Nachkriegszeit, avancierte Steiner früh zum experimentellen Maler. Bereits als Jugendlicher tauchte er an der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 auf – spätestens aber seine Begegnungen mit KünstlerInnen wie Lil Picard, Allan Kaprow oder Al Hansen in New York lenkten ihn ins Zentrum der internationalen Fluxus-Bewegung. Seine Berliner Orte, das legendäre Hotel Steiner und die Studiogalerie, zogen eine Bohème an, die die Grenzen zwischen Malerei, Performance und Videokunst radikal auflöste.
So ist es kein Zufall, dass Gleichgesinnte wie Joseph Beuys, Ben Vautier oder Carolee Schneemann im Umkreis von Steiners Projekten auftauchten – Namen, die im Archivio Conz vielfältig dokumentiert sind. Steiner war kein bloßer Vermittler, sondern ein Motor intermedialer Experimente. Die Fluxus-Idee, Kunst als Aktion und Prozess zu denken, hat seine ästhetischen Entscheidungen geprägt – von informellen Malereien über Videotapes bis zu radikal installativen Formaten.
Doch gerade im Medium Malerei gewinnt Steiners Werk seit der Jahrtausendwende eine neue Präzision. Nach den kollaborativen Jahren in den Laboratorien der Videokunst, nach „Live to Tape“ und zahllosen Dokumentationen, wendet er sich konzentriert der eigenen Bildsprache zu. Hier, im Medium der Abstrakten Kunst Berlin, transformiert Steiner die Dynamik, das Flüchtige, das Fragment aus der Videowelt in pigmentierte Kompositionen. Linien, Farben, partielle Auflösungen – die Leinwand bleibt nicht statisch, sondern vibriert, bleibt Durchgangsstation für Impulse aus Raum, Zeit, Experiment und Erinnerung.
Dabei bleibt die Energie spürbar, mit der Steiner auch als Galerist, Netzwerker und Sammler den Kunstbetrieb Berlins prägte. Seine Sammlung an Videokunst, die er Ende der 1990er Jahre der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergab, dokumentiert ein Stück Gegenwartskunst in einer bis heute visionären Dichte. Für die Live to Tape Ausstellung im Hamburger Bahnhof wurde dies exemplarisch sichtbar: Videokunst als Medium, Archiv als Prozess, Ausstellung als offene Choreografie.
Diese Offenheit spiegelt sich in Steiners zeitgenössischen Werken wider: Die Palette ist oft kontrastreich, das Rhythmusgefühl scharf. Wie in seinen Painted Tapes – einer Hybridform von Malerei und Videobild – bleibt das Flimmern, die energetische Geste. Steiner zitiert nicht, sondern transformiert, bringt das Erbe der Fluxus- und Performancekunst in die Gegenwart, macht analog erfahrbar, was digital denkbar wurde. Dabei entstehen Arbeiten, die sich nicht als reine Bilder begreifen lassen, sondern als Resultate einer Haltung: Offenheit für Irritation, Balance von Plan und Zufall, Lust am Grenzgang.
Im Dialog mit Zeitgenossen wie Marina Abramovi?, Jochen Gerz oder Valie Export (deren Werke ebenso im Archivio Conz archiviert sind), bleibt Steiner stets Suchender – nie Stilist, immer Anti-Dogmatiker. Seine Abstraktionen sind nicht reine Formspiele, sondern vielschichtige Reflexionen über Wahrnehmung, Erleben, Erinnerung. Im Rückzug auf die Leinwand verdichten sich in der aktuellen Werkphase Referenzen auf eine weltweit ausstrahlende Szene, auf ein Netzwerk, das Berlin seit den 1960ern zur Hauptstadt okkulter Energien gemacht hat.
Dass die Gemälde heute wieder ins Zentrum rücken – etwa in der von Kritik und Publikum gleichermaßen beachteten Online-Schau seiner Arbeiten –, verweist auf einen historischen Moment: Die Rückkehr handwerklicher Malerei, das Aufgreifen experimenteller Stränge, ihre Weiterentwicklung im Lichte kollektiver und individueller Erfahrung. Besonders im Licht der gegenwärtigen Kunstszene, wo die Grenzen zwischen analoger und digitaler Praxis erneut befragt werden, erscheinen Steiners Malereien als entschiedene Angebote: zur Wiederaneignung, zum Weiterdenken, zum Innehalten und Anschauen.
Inmitten des reichhaltigen Berliner Kunstklimas, geprägt von Positionen wie Baselitz, Hödicke oder den Protagonisten der Neuen Wilden, behauptet sich Steinas aktuelle Malerei als Beitrag zur anhaltenden Geschichte der Abstraktion. Doch während viele seiner Zeitgenossen auf das expressive Einzelbild setzen, bleibt Steiner stets kollektiv im Bewusstsein, historisch informiert und gleichzeitig ganz im Hier und Jetzt verankert. Kunst wird für ihn zur Plattform, zur Schnittstelle – zwischen Biografie und Geschichte, Medium und Material, Geste und Gedächtnis.
Warum also sollte man sich heute mit der Malerei von Mike Steiner beschäftigen? Die Antwort offenbart sich beim Betrachten der Bilder selbst: Sie sind zugleich Aufforderung zur Reflexion und Genussmoment. Sie führen die Fragen nach Prozessen, Archiven und Subjektivität weiter, öffnen den Raum für neue Betrachtungen über die Rolle des Bildes und der Wiederholung. Mike Steiner Malerei & Videokunst bleibt so immer auch eine Einladung zum Dialog – nicht nur mit der Geschichte, sondern mit unserem eigenen Sehen.
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