ITM Power Aktie: 14-Prozent-Sprung auf Insider-Kauf
05.07.2026 - 01:52:38 | boerse-global.de
Ein Rolls-Royce-Sanierer investiert eigenes Geld in einen angeschlagenen Wasserstoff-Wert. Das allein wäre schon eine Geschichte. Bemerkenswert wird sie dadurch, dass die Aktie trotz eines Absturzes von über 40 Prozent gegenüber ihrem Jahreshoch plötzlich wieder Fahrt aufnimmt.
ITM Power schloss den Handel am Freitag bei 1,48 Euro, ein Plus von 2,35 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Sprung von 14,01 Prozent zu Buche. Der Kurs bleibt dennoch 42,55 Prozent unter dem Jahreshoch von 2,58 Euro, erreicht Ende Mai.
Ein Director kauft 172.000 Aktien
ITM Power meldete, dass ein Direktor des Unternehmens insgesamt 172.000 Stammaktien erworben hat. Laut Berichten steckt dahinter Sir Warren East, der frühere Chef von Rolls-Royce und ARM. East ist bekannt für erfolgreiche Konzernsanierungen. Ende Juni investierte er rund 197.000 Britische Pfund in die Aktie.
Bemerkenswert: Es ist das einzige Aktienpaket, das der Ex-ARM-Chef bei ITM Power hält. Marktbeobachter werten den Kauf als klares Signal für internes Vertrauen. East griff genau dann zu, als das Papier tief in der Verlustzone notierte.
Die Regulierungsentscheidung bleibt der Knackpunkt
Der Insider-Kauf fällt in eine Phase, in der eine ungeklärte Regulierungsfrage die Stimmung rund um die Aktie bestimmt. Im April sicherte sich ITM Power ein Investitions- und Förderpaket im Volumen von 86,5 Millionen Pfund. Great British Energy steuerte davon 40 Millionen Pfund als Eigenkapital bei und hält nun 10,4 Prozent am Unternehmen.
Die restlichen 46,5 Millionen Pfund sollen als Zuschuss vom Department for Energy Security and Net Zero fließen. Dieser Teil steckt derzeit in der Prüfung durch die Subsidy Advice Unit der britischen Wettbewerbsbehörde CMA fest. Die finale Investitionsentscheidung für die neue automatisierte 1-Gigawatt-Produktionslinie hängt ausdrücklich von dieser Freigabe ab.
Die Beteiligung von Great British Energy liegt inzwischen deutlich im Plus. Der Einstieg erfolgte zu einem viel niedrigeren Kurs als heute. Das zeigt, wie schnell die Stimmung im Wasserstoffsektor auf regulatorische und operative Nachrichten reagieren kann.
Auftragsbestand wächst, Umsetzung bleibt Fragezeichen
Operativ liefert ITM Power ermutigende Zahlen. Der Auftragsbestand kletterte auf 152 Millionen Pfund, der Umsatz im ersten Halbjahr erreichte mit 18 Millionen Pfund einen Firmenrekord. Der Anteil profitabler Verträge im Auftragsbestand stieg von 60 Prozent im April 2025 auf nun 71 Prozent.
Die verbleibenden 29 Prozent sind ältere Projekte. Sie sollen erst in den kommenden 18 Monaten in Umsatz umgewandelt werden. Finanziell sitzt ITM Power auf einem Kassenbestand von 197,8 Millionen Pfund, der sich binnen zwölf Monaten nur um 9,2 Millionen Pfund verringert hat.
Die Analystenstimmung hat sich mit diesen Zahlen spürbar aufgehellt, bleibt aber gespalten. Mindestens eine große Bank hält weiterhin an einer Verkaufsempfehlung fest und verweist auf Ausführungsrisiken im Verhältnis zur aktuellen Bewertung.
Die Schwankungsbreite bleibt extrem
Auch nach der Erholung dieser Woche zeigt sich die Aktie im Jahresverlauf höchst volatil. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 27,40 Prozent, während seit Jahresbeginn ein Plus von 104,14 Prozent zu Buche steht. Über zwölf Monate beträgt das Plus 44,21 Prozent.
Die 52-Wochen-Spanne reicht von einem Tief bei 0,65 Euro im Februar bis zum Hoch bei 2,58 Euro Ende Mai. Diese Schwankung zeigt den binären Charakter der Aktie. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 113 Prozent.
Der RSI notiert mit 46,7 neutral. Die Aktie handelt 15,36 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro, gleichzeitig aber 39,84 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,06 Euro. Das technische Bild bleibt damit richtungslos.
Der nächste konkrete Kurstreiber dürfte die formelle Bestätigung des DESNZ-Zuschusses sein. Dazu kommt der Fortschritt bei der Umwandlung des Auftragsbestands in verbuchten Umsatz. Zusammen mit dem Insider-Kauf von Sir Warren East entscheidet sich daran, ob die jüngste Erholung Bestand hat.
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