Huawei, Aktie

Huawei Aktie: Das Ende von Moores Gesetz?

29.05.2026 - 12:09:05 | boerse-global.de

Huawei präsentiert mit dem Tau-Skalierungsgesetz einen eigenen Weg in der Chipentwicklung, der auf Signalverzögerung statt Transistorgröße setzt.

Huawei Aktie: Das Ende von Moores Gesetz? - Foto: über boerse-global.de
Huawei Aktie: Das Ende von Moores Gesetz? - Foto: über boerse-global.de

Jahrzehntelang war die Halbleiterindustrie von einem einzigen Prinzip getrieben: Transistoren kleiner machen, Rechenleistung steigern. Huawei verabschiedet sich von dieser Logik — und präsentiert einen eigenen Weg.

Das „Gesetz von He"

Auf dem IEEE International Symposium on Circuits and Systems in Shanghai stellte He Tingbo, Präsidentin von Huaweis Halbleiterabteilung, das sogenannte Tau-Skalierungsgesetz vor. Der Kern: Statt Transistoren geometrisch zu verkleinern, rückt die Signalausbreitungsverzögerung — die Zeit, die ein Signal innerhalb eines Chips benötigt — in den Mittelpunkt. Wer diese Verzögerung reduziert, gewinnt Leistung und Energieeffizienz, ohne auf die modernsten Fertigungsanlagen angewiesen zu sein.

Das ist kein akademisches Gedankenspiel. Seit 2019 ist China vom Import hochmoderner Lithografiemaschinen des niederländischen ASML-Konzerns abgeschnitten. Damit fehlt der Zugang zu den feinsten Prozesstechnologien, auf die westliche Chipdesigner selbstverständlich bauen. Das Tau-Skalierungsgesetz ist Huaweis Antwort auf genau diese Lücke.

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Konkrete Technologie, konkrete Zeitpläne

Huawei hat das neue Framework bereits in der Praxis erprobt. In den vergangenen sechs Jahren entstanden demnach 381 Chips auf Basis dieses Ansatzes — für Smartphones ebenso wie für KI-Anwendungen. Zu den Kernkomponenten gehören die LogicFolding-Architektur, die kritische Signalpfade innerhalb von Chip-Layouts verkürzt, sowie das UnifiedBus-Protokoll für großskalige KI-Rechensysteme.

Die nächste Stufe soll im Herbst 2026 sichtbar werden: Die dann erscheinenden Kirin-Prozessoren sollen als erste Chips LogicFolding kommerziell nutzen. Längerfristig gibt Huawei ein ambitioniertes Ziel aus — bis 2031 will das Unternehmen mit diesem Ansatz Transistordichten erreichen, die einer 1,4-Nanometer-Prozesstechnologie entsprechen.

Branchenherausforderung als Strategie

He Tingbo betonte, dass kein einzelnes Unternehmen die Herausforderungen der Chipentwicklung allein lösen könne. Der Aufruf zur Zusammenarbeit klingt kooperativ — ist aber auch strategisch. Wer ein neues Paradigma etabliert, bestimmt die Spielregeln. Gelingt Huawei der Nachweis, dass Zeitskalierung geometrischer Skalierung ebenbürtig ist, verschiebt sich das Kräfteverhältnis in der globalen Halbleiterindustrie merklich. Der Herbst 2026 wird zeigen, ob die Kirin-Chips diesen Beweis liefern.

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