Ferrexpo Aktie: Handel gestoppt bis Kapitalerhöhung kommt
29.05.2026 - 12:37:02 | boerse-global.deDie Aktie des Eisenerzförderers Ferrexpo notiert seit Anfang Mai 2026 an der Londoner Börse nicht mehr. Die Handelsaussetzung auf eigenen Antrieb – bestätigt von der Finanzaufsicht FCA – kam nach einer verpassten Frist: den Jahresbericht bis zum 30. April hatte niemand vorgelegt.
Der Grund ist ein einziger, hartnäckiger Knoten. Die Wirtschaftsprüfer verweigern das Testat, solange sie keine Bestätigung zur Unternehmensfortführung geben können. Und die wiederum hängt an einer kapitalen Finanzspritze: mindestens 100 Millionen Dollar frisches Eigenkapital sollen her. Ohne diese Summe bleibt der Bericht unveröffentlicht. Und der Handel gestoppt.
Eine Frist für die Wiederaufnahme gibt es nicht.
Die VAT-Falle: 90 Millionen Dollar, die fehlen
Das eigentliche Problem ist nicht die Kapitalerhöhung selbst. Es sind die eingefrorenen Steuerforderungen. Die ukrainischen Steuerbehörden verweigern die Rückzahlung von Vorsteuerbeträgen. Per 31. März 2026 summiert sich der offene VAT-Posten auf 90,3 Millionen Dollar.
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Das ukrainische Steuerrecht blockiert die Auszahlung. Artikel 200.4 des Steuergesetzbuchs verbietet VAT-Rückerstattungen an Unternehmen, deren Eigentümerstruktur sanktionierte Personen umfasst. Selbst wenn Gerichte zugunsten von Ferrexpo entscheiden, bleibt das Geld in der Staatskasse hängen. Ein Arbeitsgruppe des Wirtschaftsausschusses der Werchowna Rada befasst sich mit dem Fall, doch bislang ohne Durchbruch.
Schiffsverkauf bringt Zeit – aber nicht genug
Um liquide zu bleiben, veräußerte Ferrexpo seinen letzten verbliebenen Transportvermögenswert: das Transshipment-Schiff "Iron Destiny". Der Nettoerlös: 7,7 Millionen Dollar. Seit Kriegsbeginn hatte das Schiff kaum noch eingesetzt werden können, die Instandhaltungskosten fraßen weiter Geld. Der Verkauf verlängert die Liquiditätsreserve bis etwa Ende August 2026. Danach sind die Kassen leer – wenn nicht vorher die Kapitalerhöhung oder die VAT-Rückzahlung kommt.
Kapitalerhöhung: Investoren zögern
Das Management hält eine Eigenkapitalerhöhung für den einzig gangbaren Weg. Institutionelle Investoren haben unverbindliches Interesse signalisiert. Doch die Konditionen stehen nicht. Die Wirtschaftsprüfer warten genau darauf, um ihr Going-Concern-Urteil zu fällen.
Fremdkapital ist praktisch ausgeschlossen. Banken scheuen das KYC-Risiko, die Sanktionsproblematik um den früheren Eigentümer Zhevago und die laufenden Insolvenzverfahren. Pfändungsanordnungen liegen auf Vermögenswerten, inklusive der Anteile an Ferrexpo AG und ihren ukrainischen Tochtergesellschaften.
Nur noch ein Viertel der Kapazität
Der Krieg zwingt Ferrexpo zu massiven Einschränkungen. Von vier Pelleterzeugungslinien läuft nur eine. Ein Teil der Belegschaft in der Ukraine ist in Kurzarbeit oder beurlaubt. Investitionen und Wartungsprogramme wurden gestoppt, die Beschaffung von Vorleistungen drastisch reduziert. Intermittierende Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur unterbrechen die Produktion immer wieder. Der Export läuft über die eigene Bahnflotte nach Mittel- und Osteuropa. Seehäfen bleiben weitgehend blockiert.
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Mehrere juristische Fronten
Hinzu kommt ein staatlicher Zugriff. Die ukrainische Vermögensverwaltungsbehörde ARMA strebt die Beschlagnahme von 49,3 Prozent der Anteile an der Tochter Ferrexpo Poltava Mining an. Der Vorwurf: illegaler Rohstoffabbau. Ferrexpo bestreitet das und kündigt entschiedenen Widerstand an.
Scheitert die Eigenkapitalerhöhung in den kommenden Wochen, droht spätestens im Spätsommer ein Zahlungsausfall. Bis dahin ist alles blockiert: das Gericht in Kiew, die Prüfer, die Investoren und die Aufsicht. Jeder hält ein Puzzlestück. Ohne Lösung bleibt der Handel ausgesetzt.
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