Aluminiummarkt: 2,5 Millionen Tonnen Kapazität ausgefallen
26.05.2026 - 01:13:36 | boerse-global.deAm Montag fällt der Aluminiumpreis kräftig: Auf 3.628,50 US-Dollar pro Tonne geht es runter – ein Minus von 8,45 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Der kurz zuvor erreichte 52-Wochen-Hoch bei 3.963,50 Dollar scheint erst einmal Geschichte. Trotz des Rückschlags bleibt die fundamentale Lage angespannt.
Der Preisrutsch ist eine technische Korrektur nach einer starken Rally. Seit Jahresanfang notiert Aluminium immer noch 23,5 Prozent im Plus. Und die Märkte sind alles andere als entspannt: Ein massiver Angebotsschock treibt die physische Knappheit.
Produktionsausfälle am Persischen Golf
Schätzungsweise 2,5 Millionen Tonnen globale Kapazität sind im Nahen Osten ausgefallen. Militärische Auseinandersetzungen treffen Anlagen von Produzenten wie Qatalum und Aluminium Bahrain. Die Folge: Die Exportmengen aus der Golfregion brechen ein.
Rio Tinto und Alcoa reagieren prompt. Beide Konzerne fahren ihre australischen Standorte hoch. Rio Tinto investiert in die Energieinfrastruktur des Boyne-Smelters in Queensland, unterstützt durch staatliche Förderpakete. Alcoa nimmt derweil Potlines im Portland-Smelter in Victoria wieder in Betrieb. Die Australier nutzen die Gunst der Stunde, um Marktanteile zurückzugewinnen, die zuvor durch Überangebot und hohe Energiekosten verloren gingen.
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LME gibt verzerrtes Bild
Die offiziellen Lagerbestände an der London Metal Exchange liegen bei rund 339.475 Tonnen – stabil auf dem Papier. Der Haken: Die sogenannten "Cancelled Warrants" nehmen zu. Dabei handelt es sich um Metall, das zur Auslieferung vorgemerkt ist und dem freien Handel nicht mehr zur Verfügung steht.
Die Knappheit treibt den Markt in eine Backwardation. Der Kassapreis liegt mit rund 59 US-Dollar Aufschlag über dem Drei-Monats-Kontrakt. Verarbeiter sichern ihre Bestände – ein klares Zeichen für akute Lieferengpässe.
Strukturelles Defizit für 2026
Marktbeobachter von der Weltbank bis Wood Mackenzie prognostizieren für das laufende Jahr eine Unterversorgung zwischen 140.000 und bis zu 3 Millionen Tonnen. Abhängig davon, wie lange die Produktionsausfälle im Nahen Osten andauern.
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Dazu kommen strukturelle Faktoren: China nähert sich seiner Kapazitätsgrenze von 45 Millionen Tonnen. Steigende Energiekosten belasten die Rentabilität westlicher Schmelzen. Auf der Nachfrageseite stützen Netzausbau, Photovoltaik und Leichtbau im Auto den Verbrauch – trotz schwächelnder Baukonjunktur.
Die Marktteilnehmer warten nun auf die Quartalszahlen der Bergbaukonzerne. Die entscheidende Frage: Wie schnell lassen sich die Ersatzkapazitäten in Australien hochfahren? Bis dahin bleibt Aluminium trotz des heutigen Rückschlags ein knappes Gut.
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