Alphabet, Aktie

Alphabet Aktie: 4,1 Milliarden Euro Strafe

02.07.2026 - 20:08:24 | boerse-global.de

Europäischer Gerichtshof bestätigt 4,1-Milliarden-Euro-Strafe gegen Google. Analysten von Wells Fargo sehen enormes Potenzial im Cloud-Geschäft.

Alphabet Aktie: Kartellstrafe bestätigt, Cloud-Wachstum prognostiziert
Alphabet - Abstrakte Darstellung einer digitalen Regulierungsherausforderung mit einer großen digitalen Struktur und komplexen Datenströmen, die eine Strafe im Technologiesektor andeuten. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein europäisches Gericht bestätigt eine Rekordstrafe gegen Google. Fast zeitgleich rechnet Wells Fargo mit einem gewaltigen Wachstumsschub im Cloud-Geschäft. Die Alphabet-Aktie muss beide Nachrichten an einem Tag verarbeiten.

Am Donnerstag wies der Europäische Gerichtshof die letzte Berufung von Google gegen die Kartellstrafe wegen Android ab. Die Strafe bleibt bei 4,1 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte die EU-Kommission die Strafe 2018 verhängt, 2022 wurde sie leicht reduziert. Google habe seine Marktmacht bei Android missbraucht, urteilten die Richter: Hersteller mussten Google Search und Chrome vorinstallieren, Google zahlte für Exklusivität und blockierte bestimmte nicht zertifizierte Android-Versionen.

Google erklärte, die eigenen Vereinbarungen bereits 2018 an die ursprüngliche Entscheidung angepasst zu haben. Der Konzern konzentriere sich weiter auf Innovation. Im vorbörslichen Handel gab die Aktie um etwa ein Prozent nach.

Wells Fargo sieht Cloud-Wachstum über dem Markt-Konsens

Während das Urteil für Schlagzeilen sorgte, arbeiteten Analysten von Wells Fargo an einer neuen Bewertung. Sie senkten ihr Kursziel für Alphabet von 435 auf 416 US-Dollar. Die Einstufung "Overweight" behalten sie bei.

Der Grund für die Senkung liegt nicht in schwächeren Geschäften. Wells Fargo passt lediglich die Gewinnschätzungen für 2027 und 2028 an höhere Investitionen in künstliche Intelligenz an. Für 2027 rechnet die Bank nun mit einem Gewinn je Aktie von 15,14 US-Dollar, für 2028 mit 18,13 US-Dollar.

Die operativen Aussichten fallen deutlich optimistischer aus. Für das zweite Quartal 2026 erwartet Wells Fargo ein Umsatzwachstum bei Google Search von 17 Prozent im Jahresvergleich. Bei Google Cloud rechnet die Bank sogar mit einem Sprung von 72 Prozent – klar über dem Marktkonsens von 65 Prozent.

Noch spannender wird es laut Wells Fargo in der zweiten Jahreshälfte 2026. Ab dem dritten Quartal könnten externe Verkäufe von Googles eigenen KI-Chips, den Tensor Processing Units, zum echten Wachstumstreiber werden. Die Bank hält ein Umsatzwachstum von rund 150 Prozent im zweiten Halbjahr für möglich. Die Kehrseite: Wells Fargo taxiert die Investitionsausgaben für 2027 auf 290 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als die vom Markt erwarteten rund 250 Milliarden.

Kurs unter Druck, Fundament bleibt intakt

Die Alphabet-Aktie notiert aktuell bei 312,20 Euro und verliert am Tag 1,76 Prozent. Am Mittwoch hatte das Papier noch bei 317,80 Euro geschlossen. Zum Rekordhoch von 350,75 Euro aus Mitte Mai fehlen inzwischen fast elf Prozent.

Der Blick auf die längere Frist relativiert die aktuelle Schwäche. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 3,33 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 16,02 Prozent. Über zwölf Monate hat sich der Kurs mehr als verdoppelt – ein Zuwachs von 106,24 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 48,9 und signalisiert damit weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand.

Der eigentliche Treiber hinter der Kursentwicklung bleibt die KI-Infrastruktur. Alphabet plant für 2026 Investitionen zwischen 180 und 190 Milliarden US-Dollar. Google Cloud sitzt bereits auf einem Auftragsbestand von 460 Milliarden US-Dollar.

Wie ernst es Alphabet mit der Monetarisierung dieser Infrastruktur meint, zeigt ein aktuelles Projekt in Western New York. Der Konzern unterstützt dort ein KI-Rechenzentrum im Volumen von 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Rechenleistung der eigenen TPU-Chips soll künftig an Anthropic vermietet werden – ein Schritt weg vom reinen Eigenbedarf, hin zum Chip-Vermieter für die gesamte Branche.

Die Kartellstrafe aus Brüssel bleibt damit eine Randnotiz im großen Bild. Für den Kurs entscheidender dürfte sein, ob die TPU-Vermietung an Kunden wie Anthropic ab dem dritten Quartal tatsächlich anspringt und das von Wells Fargo skizzierte Wachstumstempo von 150 Prozent erreichbar wird.

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