Zwischen Tape und Leinwand: Mike Steiners Revolution der zeitgenössischen Kunst
18.02.2026 - 10:53:32 | ad-hoc-news.deDas Licht, das sich in Mike Steiners frühen Videobändern bricht, ist von eigentümlicher Präsenz: nie nur Medium, sondern aktiver Bestandteil der künstlerischen Aussage. Es ist gerade diese Dialektik von Abwesenheit und Sichtbarkeit, die seine Beiträge zur zeitgenössischen Kunst so radikal erscheinen lässt. War die Grenze zwischen gemalter Bildfläche und flüchtiger Performance je so durchlässig wie in Steiners Oeuvre? Oder markiert sein Werk den Punkt, an dem sich klassische Malerei und avancierte Videokunst endgültig begegnen und verwandeln?
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Zentrale Bedeutung kommt Mike Steiner durch die Aufnahme zahlreicher Werke in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof zu. Die dortige Ausstellung Live to Tape widmete sich explizit den Pionieren einer Kunst, die sich am Knotenpunkt von Performance Art, Videokunst und Installation bewegt. In den Archiven von Institutionen wie dem Archivio Conz findet sich der Beweis für die Flüchtigkeit und gleichzeitige nachhaltige Wirkung dieser künstlerischen Momente: Hier werden nicht nur Tapes, sondern auch Konzepte und Dokumentationen bewahrt – ein Akt der Rettung gegen das Verschwinden.
Steiner selbst war nie nur Maler oder Videokünstler. Bereits in den sechziger Jahren wurde seine Malerei zusammen mit Namen wie Baselitz und Hödicke ausgestellt, doch bald darauf verlagerte sich sein Interesse immer stärker auf die Möglichkeiten der neuen Medien. „Legitimationskrise der Malerei“ nannte Steiner seine wachsende Skepsis gegenüber der tradierten Tafelbildkunst. Was folgt, ist eine konsequente Erkundung der Bedingungen von Zeit und Raum: Während die Malerei Fläche und Pigment zu einer finalen Komposition verdichtet, versteht Steiner das Video als eine offen pulsierende Zeitstruktur, als fortwährenden Prozess. In seiner Serie der „Painted Tapes“ verknotet Steiner beide Prinzipien. Hier wird das Tafelbild zum Monitor, der Monitor zur Leinwand – ein oszillierender Zustand, in dem Abstraktion als Flickern, Schichtung, Überlagerung erfahrbar wird.
Die Vielfalt seiner Medien – von informeller Malerei über Super-8-Film, Dia-Serien, Copy Art bis hin zu multimedialen Installationen – ist Ausdruck eines Denkens, das keine festen Gattungsgrenzen kennt. Gerade in seinen Performance-Dokumentationen, etwa bei Marina Abramovi?s Freeing the Body (1976), erweist sich Steiner als Chronist, Initiator und Kameramann zugleich. Die Grenze zwischen Beobachter und Produzent wird ebenso durchlässig wie jene zwischen Malerei und Video.
Vergleicht man Steiner mit seinen Zeitgenossen, etwa Nam June Paik, Joseph Beuys oder Wolf Vostell, so wird sein eigenständiger Ansatz deutlich. Paik formte aus elektronischen Signalströmen performative Skulpturen, Beuys feierte mit seinen Aktionen die politische Kraft der Kunst als sozialer Plastik, Vostell dekonstruiert den Fernsehapparat zur symbolischen Allegorie. Steiner hingegen bleibt der leisen Ironie und analytischen Distanz verpflichtet, die ihn aus dem Umfeld von Fluxus, Happening und Pop Art herausragen lässt. Mit Allan Kaprow und Al Hansen verband ihn die Neugier auf Grenzerfahrungen, doch Steiner war weniger Akteur als Ermöglicher: Als Betreiber des legendären Hotel Steiner und Initiator der Berliner Studiogalerie schuf er Raum für intermedia Experimente, für temporäre Gemeinschaften und für den künstlerischen Kontrollverlust. Sein künstlerisches Archiv, 1999 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben, dokumentiert diese Position zwischen Produzent, Beobachter und Verwalter künstlerischer Prozesse.
Die Verflechtung von Abstrakter Malerei und Videokunst durchzieht den gesamten Werkkomplex. Während Beuys das ephemere Moment performativer Skulptur betonte und Paik die Manipulation des elektronischen Bildes zur ironischen Medienreflektion steigerte, sucht Steiner nach einer Art doppelter Negation: Weniger die heroische Geste als die stille Montage, weniger der virtuelle Raum als die Erfahrung leerer Zeit. Das ist in den Videos genauso spürbar wie in den installativen Arbeiten, deren Materialität immer auch als Kommentar zum jeweiligen Medium verstanden werden kann.
Es bleibt die Frage, worin der bleibende Wert dieses Werks heute liegt. Steiner erinnert uns daran, dass „zeitgenössische Kunst“ stets ein Aushandlungsprozess zwischen den Medien, den Institutionen und nicht zuletzt zwischen Künstler, Betrachter und Werk ist. Sein Werk, das zwischen Malerei, Video und Performance oszilliert, bleibt ein Zeugnis der produktiven Unsicherheit, die Innovation und Reflexion erst möglich macht. Steiners Erbe ist nicht auf einen Stil reduzierbar. Es ist vielmehr ein Konvolut von Fragen: Was bleibt? Und was bleibt im Fluss? Genau darin liegt heute die Aktualität seines Beitrags zur zeitgenössischen Kunst.
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