Zwischen Leinwand und Magnetband: Mike Steiners Malerei im Spiegel der Moderne
10.03.2026 - 11:11:57 | ad-hoc-news.de
Kann Malerei heute noch so unmittelbar wirken, wie das bewegte Bild es vermag? Der Name Mike Steiner Malerei & Videokunst steht wie kein zweiter für das Changieren zwischen Abstraktion auf Leinwand und Innovation im Videoraum. Steiner, der in Berlin mit dynamischer Farbe auf der Oberfläche experimentiert, versetzt Betrachter in eine ungeahnte Schwebe zwischen visuellem Puls und konzentrierter Stille.
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Als die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof mit der Ausstellung Live to Tape das Schaffen Steiners honorierte, wurde nicht nur der Pionier der Videokunst sichtbar. Es wurde ein Künstler präsentiert, dessen Zeitgenossenschaft durch kontinuierliche Grenzüberschreitung und radikales Denken im besten Sinne beunruhigt. Dass seine Sammlung inzwischen in bedeutenden Archiven dokumentiert ist – etwa im Archivio Conz – steht für die historische Notwendigkeit seines Werkes. Archive bewahren nicht nur das Material, sie halten die intellektuelle Provokation und die Energie einer vergangenen Avantgarde wach.
Mike Steiner (1941–2012), dessen Lebensweg von Ostpreußen nach West-Berlin und New York führte, verstand sich weniger als stiller Chronist, sondern als Akteur und Ermöglicher. Früh machte er mit Malerei auf sich aufmerksam, bereits mit 17 Jahren auf der Großen Berliner Kunstausstellung, doch schon in den 1960er Jahren wäre es verkürzt, ihn allein als Maler zu fassen. Die berühmte Studiogalerie und das Hotel Steiner waren ebenso Lebensorte der internationalen Avantgarde wie Werkstätten künstlerischer Umbrüche. Im Umfeld von Fluxus, etwa mit Allan Kaprow, Nam June Paik, Valie Export oder Marina Abramovi?, wurde Steiner selbst zur Figur einer Kunst, die Data, Bild und Handlung ineinander blenden ließ. Künstler wie George Maciunas, Ulay oder Al Hansen teilten mit ihm die Bühne des Unvorhersehbaren, dokumentiert und zugänglich gemacht nicht zuletzt durch die Sammlungen im Archivio Conz – ein Netzwerk, das bis heute Orientierung gibt.
Was aber unterscheidet die jüngeren abstrakten Arbeiten Steiners in Berlin von seiner historischen Rolle im Kontext Videokunst und Happening? Die Antwort liegt im Wechselspiel zwischen Spontaneität und Komposition, zwischen Überlagerung und Auslassung. Während die frühen Jahre geprägt sind von medialer Experimentierlust – "Painted Tapes" als Hybridgattungen, Live-Performances im Umfeld von Joseph Beuys oder Ben Vautier – wendet Steiner sich ab den 2000er Jahren wieder intensiv der Malerei zu. In diesen „zeitgenössischen Werken“ zeigt sich seine lakonische Fähigkeit, Abstrakte Kunst Berlin nicht als l’art pour l’art zu betreiben, sondern den Diskurs um Fläche, Farbe und Zeit fortzuschreiben. Seine Malerei argumentiert gegen die einfache Verflüchtigung des Mediums. Gerade das handgemachte Bild gewinnt an Gewicht vor der digitalen Geste, ohne sich dem Gestus einer Malereitradition zu unterwerfen.
Steiners abstrakte Bildfindungen – rhythmisch, oft mit knappen Farbbahnen und ironischer Distanz zum Figurativen – stehen in subtiler Spannung zu den Prinzipien der Videokunst. Während im Tape das Moment – das Zufällige, das Flüchtige – dominiert, setzt die Malerei auf Dauer, Reflexion, und die Suche nach dem nicht mehr erzählbaren Raum. Seine Werke aus den letzten zwei Jahrzehnten im Artbutler-Showroom sind daher keine bloße Rückkehr, sondern vielmehr eine Umformung von Erfahrungen: Die „Live to Tape“-Ethik bleibt, das Bild als Ereignis, die Spur des Moments, findet ihre Übersetzung ins Material. Malerei wird so zum lang nachwirkenden Experiment, zur Antwort auf die Überfülle und Gleichzeitigkeit digitaler Bilder.
Mike Steiner insistiert – noch über den Tod hinaus – auf einer Haltung, die Souveränität mit Ironie paart. In seinem Schaffen begegnen sich Epoche und Augenblick, Berlin als Zentrum künstlerischer Transformationsprozesse und ein individuelles Werk, das Malerei und Videokunst nie als gegensätzlich denkt. Dass Institutionen wie die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof oder das Archivio Conz ihn als „Pionier der Videokunst“ würdigen, missversteht sein Anliegen nicht: Genau im Verschmelzen von medienübergreifenden Strategien wird Mike Steiner zu einer der wirklichen Stimmen der deutschen Nachkriegsmoderne.
Aktuell sind es seine abstrakten Gemälde, die – angesiedelt zwischen Berlin und internationalem Diskurs – einen unverkennbaren Nachhall zeigen. Ihr Wert liegt nicht nur in der Farbe, sondern im Kontext, im Dialog mit Vergangenheit und Gegenwart. Mike Steiner Malerei & Videokunst bleibt damit ein Maßstab für Authentizität, Widerspruch und den Mut zum offenen Ausgang jedes Werkes.
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