Zoox-Robotaxi nach Unfall mit Verletzten unter Polizeiermittlung
28.01.2026 - 23:05:12Ein selbstfahrendes Taxi von Amazons Tochterunternehmen Zoox ist nach einer Kollision in San Francisco Gegenstand einer Polizeiermittlung. Der Vorfall erhöht den Druck auf das Unternehmen, das gerade seinen öffentlichen Fahrdienst ausbaut.
San Francisco – Bei dem Zwischenfall am 17. Januar wurde die Hand eines Autobesitzers verletzt, als das Robotaxi gegen seine plötzlich geöffnete Fahrertür fuhr. Obwohl der Unfall bereits Wochen zurückliegt, wurde die aktive Ermittlung der Polizei erst jetzt bekannt. Sie wirft neue Fragen zur Alltagstauglichkeit der autonomen Technologie auf.
Unfallhergang im Mission District
Gegen 14 Uhr nahe der Kreuzung Mission/15th Street öffnete Street Ambassador Jamel Durden die Tür seines geparkten Cadillac Coupe DeVille von 1977. In diesem Moment kollidierte das herannahende Zoox-Fahrzeug mit der Tür. Durdens Hand wurde zwischen Tür und Rahmen eingequetscht.
Das Robotaxi erlitt Schäden an seinen Glastüren, auch die Tür des Oldtimers wurde beschädigt. Ein Zoox-Mitarbeiter, der als Passagier im Fahrzeug saß, blieb unverletzt. Der Geschädigte lehnte laut Berichten einen sofortigen Krankenhaustransport ab und ließ stattdessen sein Auto abschleppen. Später suchte er wegen Hand-, Nacken- und Rückenschmerzen medizinische Hilfe.
Autonome Fahrzeuge stehen weltweit unter schärferer Aufsicht, denn KI-Systeme in Hochrisikobereichen unterliegen inzwischen klaren Vorgaben. Wer Robotik- oder Fahrassistenzsysteme entwickelt oder betreibt, muss Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und umfangreiche Dokumentationspflichten beachten. Dieses kostenlose E‑Book erklärt kompakt, welche Anforderungen die EU-KI-Verordnung stellt und wie Sie Ihr System rechtssicher einordnen und dokumentieren. Kostenloses E‑Book zur EU-KI-Verordnung herunterladen
Ermittlungen und Zoox-Stellungnahme
Die Polizei von San Francisco hat eine formelle Untersuchung eingeleitet. Sie wertet Zeugenaussagen, Fahrzeugdaten und Sensorenaufzeichnungen aus. Bislang wurden keine Strafzettel verteilt.
Zoox erklärte, das System habe die sich öffnende Tür erkannt und ein Ausweichmanöver eingeleitet. Die Kollision sei jedoch unvermeidbar gewesen. Das Unternehmen spricht von einem seltenen „Edge Case“ mit unvorhersehbarem menschlichem Verhalten. Man kooperiere voll mit den Behörden, darunter der kalifornischen Verkehrsbehörde DMV. Videomaterial werde den Aufsichtsbehörden, nicht aber der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Kritischer Zeitpunkt für Branchen-Pionier
Die Ermittlungen treffen Zoox in einer sensiblen Phase. Erst im November 2025 startete das Amazon-Unternehmen sein „Zoox Explorer“-Programm mit kostenlosen Testfahrten für die Öffentlichkeit in San Francisco – ein entscheidender Schritt vor der geplanten Kommerzialisierung.
Der Vorfall demonstriert die Gefahr des „Dooring“, bei dem geöffnete Autotüren zur Falle werden. Diese Situation stellt sowohl menschliche Fahrer als auch KI-Systeme vor immense Herausforderungen, da sie in Sekundenbruchteilen reagieren müssen.
Für Zoox ist es ein weiterer Rückschlag. Bereits im Dezember 2025 musste das Unternehmen Fahrzeuge wegen einer Softwarelücke zurückrufen, die ein unsachgemäßes Überqueren der Mittellinie verursachen konnte. Der neue Fall stellt die Leistungsfähigkeit der Technologie und die Sicherheitsprotokolle erneut auf den Prüfstand – ausgerechnet im umkämpften Markt von San Francisco, wo der Konkurrent Waymo bereits etabliert ist.
Härtetest für KI im Stadtverkehr
Der Unfall im Mission District unterstreicht die extreme Komplexität, der sich autonome Fahrzeuge in dichtem Stadtverkehr gegenübersehen. San Francisco mit seinem chaotischen Verkehr, Radfahrern und Fußgängern dient als entscheidendes Reallabor.
Szenarien wie „Dooring“ sind für Künstliche Intelligenz besonders tückisch. Sie erfordern nicht nur die Erkennung einer Gefahr, sondern auch die Vorhersage menschlicher Absichten. Die Einschätzung der Behörden, wie schnell das System reagierte und ob die Reaktion angemessen war, wird entscheidend sein.
Die Branche steht unter scharfer Beobachtung. Noch hallt der Fall des Konkurrenten Cruise nach, dessen Betrieb 2023 nach einem Unfall mit einer eingezogenen Fußgängerin vorübergehend ausgesetzt wurde. Dies führte zu einer generellen Verschärfung der Aufsicht für alle Robotaxi-Betreiber in Kalifornien.
Was die Ermittlung für Zoox bedeutet
Das Ergebnis der polizeilichen Untersuchung könnte erhebliche Konsequenzen haben. Denkbar sind ein einfacher Unfallbericht, Auflagen für Software-Updates oder sogar temporäre Einschränkungen der Testlizenz. Die Sensordaten des Fahrzeugs werden klären, ob das System wie erwartet funktionierte oder ob Fehler in der Wahrnehmungs- oder Entscheidungsalgorithmik vorlagen.
Für die gesamte Robotaxi-Branche ist der Vorfall eine weitere Mahnung: Der Weg zu öffentlichem Vertrauen und regulatorischer Akzeptanz ist lang. Mit zunehmender Verbreitung autonomer Fahrzeuge wird auch die Häufigkeit solcher „Edge Cases“ steigen. Die Fähigkeit der Unternehmen, transparent mit Vorfällen umzugehen, aus Daten zu lernen und ihre Systeme kontinuierlich zu verbessern, wird über ihren langfristigen Erfolg entscheiden.
PS: Für Entwickler, Betreiber und Compliance-Verantwortliche ist ein praxisnaher Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung jetzt besonders wertvoll. Der gratis Leitfaden zeigt konkret, wie Sie Ihr KI-System richtig klassifizieren, notwendige Dokumentationen erstellen und Kennzeichnungspflichten erfüllen — ohne juristische Vorkenntnisse. Ideal für Teams, die Robotik- und Fahrassistenzlösungen betreiben. Jetzt Gratis-Leitfaden zur KI-Verordnung anfordern


