Zoll, Kommission

Zoll und Kommission: Europas Handel im Umbruch

12.02.2026 - 06:00:11

Deutsche Unternehmen müssen sich auf komplexere Handelsregeln nach dem Auslaufen der PEM-Übergangsphase einstellen, während die EU-Kommission protektionistische Maßnahmen vorantreibt.

Deutsche Unternehmen stehen vor einer doppelten Herausforderung: komplexe Handelsregeln und eine neue „Buy European“-Strategie. Während der deutsche Zoll die technischen Vorgaben verschärft, fordert Kommissionspräsidentin von der Leyen mehr europäischen Protektionismus.

Das neue Regelwerk: Fragmentierung nach der PEM-Übergangsphase

Seit 2026 herrscht Klarheit, aber auch mehr Komplexität. Die Übergangsregeln der Pan-Euro-Mediterranen (PEM) Zone liefen Ende 2025 aus. Exporteure können nicht mehr zwischen alten und neuen Ursprungsregeln wählen. Für jedes Handelsabkommen gilt jetzt nur noch ein einheitlicher Regelkatalog – entweder die modernisierten Vorschriften oder, in Einzelfällen, die alte Konvention.

Diese Fragmentierung bedeutet mehr Aufwand für die Logistik. Unternehmen müssen für jede Lieferung und jedes Partnerland prüfen, welche Regeln gelten. Die EU wendet die neuen Regeln bei den meisten Partnern an. Vorläufigen Informationen der EU-Kommission zufolge gelten für den Handel mit Ländern wie Algerien, Israel und dem Libanon aber noch die alten Vorgaben.

Amtliche Leitlinie: Der aktualisierte Überblick des deutschen Zolls

Als entscheidendes Hilfsmittel für die Compliance veröffentlichte die deutsche Zollverwaltung am 9. Februar 2026 eine aktualisierte Liste aller anwendbaren Präferenzabkommen. Die Einhaltung der korrekten Ursprungsregeln ist existenziell. Ein Fehler kann zur Verweigerung von Zollvergünstigungen, unerwarteten Abgaben und hohen Strafen führen.

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Die definitive Quelle bleibt die regelmäßig aktualisierte „Matrix“ der Europäischen Kommission zu den Möglichkeiten der diagonalen Kumulierung. Sie zeigt, welche Regeln zwischen welchen Ländern gelten. Für Unternehmen heißt das: Die kontinuierliche Prüfung dieser amtlichen Veröffentlichungen muss fester Bestandteil der Compliance werden.

Die politische Dimension: Von der Leyen fordert „Buy European“

Parallel zur technischen Konsolidierung läuft auf höchster politischer Ebene eine strategische Debatte. In einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs vom 10. Februar 2026 plädierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen leidenschaftlich für striktere „Buy European“-Kriterien. Sie verteidigte europäische Präferenzregeln als notwendiges Instrument, um heimische Produktionskapazitäten und lokale Wertschöpfungsketten zu stärken.

Diese Initiative knüpft an Forderungen des französischen EU-Kommissars Stéphane Séjourné nach einem „Made in Europe“-Label und einem „Buy European“-Gesetz an. Kernidee ist es, das massive öffentliche Auftragsvolumen der EU – geschätzt über zwei Billionen Euro jährlich – zu nutzen, um die eigene Industrie zu stützen und Abhängigkeiten von den USA und China zu verringern.

Zwei Präferenz-Begriffe, ein Konfliktpotenzial

Aktuell prallen zwei Konzepte aufeinander: die technischen „Präferenziellen Ursprungsregeln“ aus Freihandelsabkommen und der politische Ruf nach „bevorzugter Behandlung“ europäischer Güter. Diese Dualität birgt Reibung.

Während Unternehmen bereits hohen Aufwand für die PEM-Konvention betreiben, könnte „Buy European“ neue Hürden schaffen. Die Wirtschaft warnt vor handelspolitischen Vergeltungsmaßnahmen und einem bürokratischen Monster beim Nachweis des „europäischen“ Ursprungs global zusammengesetzter Produkte. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erhebt bis zum 13. Februar 2026 in einer Umfrage die Sorgen der Unternehmen vor wachsenden Handelshemmnissen.

Ausblick: Vom Regelwerk zur strategischen Neuausrichtung

Die technischen Regeln für den PEM-Raum scheinen auf absehbare Zeit festzustehen. Die größere Ungewissheit liegt im politischen Vorstoß für eine „Buy European“-Strategie. Die EU-Kommission will bis März 2026 einen „Industrial Accelerator Act“ und eine neue Binnenmarkt-Strategie vorlegen, die solche Präferenzkriterien gesetzlich verankern könnten.

Für die Unternehmen wird es darauf ankommen, agil zu bleiben: Sie müssen die Details der heutigen Handelsabkommen beherrschen und sich gleichzeitig auf eine strategische Neuausrichtung vorbereiten, die neu definiert, was es heißt, als europäisches Unternehmen im globalen Wettbewerb zu bestehen.

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