Zoho-Gründer, KI-Wende

Zoho-Gründer fordert strategische KI-Wende für Indien

08.02.2026 - 16:33:12

Der Zoho-Chefwissenschaftler rät Indien vom kostspieligen Wettlauf um riesige KI-Systeme ab und plädiert für spezialisierte, ressourcenschonende Ansätze. Diese Position findet Unterstützung in offiziellen Regierungsanalysen.

Indiens Tech-Branche sollte den globalen Wettlauf um riesige KI-Modelle meiden und stattdessen auf kleinere, effizientere Systeme setzen. Das fordert Zoho-Gründer Sridhar Vembu kurz vor dem wichtigen India AI Impact Summit. Seine Argumente könnten die nationale KI-Strategie maßgeblich beeinflussen.

Der Appell gegen den Billionen-Wettlauf

Sridhar Vembu rät seiner Heimat eindringlich vom direkten Wettbewerb mit „Big Tech“ bei riesigen KI-Sprachmodellen ab. Die Kosten schätzt der Chief Scientist von Zoho auf 50 bis 100 Milliarden Euro – eine für Indien prohibitive Summe. Hinzu kommen praktische Hürden: knappe und teure Grafikprozessoren (GPUs) sowie ein immenser Energiebedarf. „Die explodierenden Strompreise in den USA sind eine Warnung“, so Vembu. Indien solle bewusst einen Schritt hinter der Spitze der Großmodell-Entwicklung bleiben. So vermeide das Land einen ressourcenfressenden Wettbewerb und könne sich auf nachhaltigere Innovation konzentrieren.

Geistige statt finanzielle Ressourcen nutzen

Kern von Vembus Argument ist ein Paradigmenwechsel: Indien solle seine intellektuellen Ressourcen – die „Gehirnleistung“ – über knappe Finanzmittel und Energie stellen. Der Fokus müsse auf der Erforschung alternativer, effizienterer KI-Ansätze jenseits der Großsprachmodelle liegen. Zoho selbst erforscht bereits solche energieeffizienteren Wege, darunter kleinere, spezialisierte Modelle.

Diese strategische Ausrichtung findet Rückhalt in offiziellen Analysen. Der jüngste Economic Survey der Regierung kam zu einem ähnlichen Schluss: Indiens begrenzter Zugang zu Hochleistungsrechnern und Kapital mache große „Foundation Models“ zu einem „herausfordernden“ Kernstück einer nationalen KI-Strategie. Der Bericht empfiehlt stattdessen einen Bottom-up-Ansatz – genau das, wofür Vembu plädiert. Priorität sollten praktische, domänenspezifische Lösungen für Indiens einzigartige Wirtschafts- und Soziallandschaft haben.

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KI als Katalysator für industriellen Wandel

Vembu sieht in der KI mehr als nur ein Technologierennen. Für ihn ist sie eine disruptive Kraft, die einen längst überfälligen Konsolidierungsprozess in der SaaS-Branche beschleunigt. Diese habe lange von Venture-Kapital getragen ein unnachhaltiges Modell verfolgt. Seine jüngsten Äußerungen zur Arbeitskraft schlugen hohe Wellen: Die steigende Produktivität durch KI-Codetools bedeute, dass Programmierer gelassen über „alternative Lebensgrundlagen“ nachdenken sollten. Diese Perspektive unterstreicht seine Überzeugung: KI wird Industrien grundlegend verändern. Die nationale Antwort darauf muss strategisch und durchdacht sein, nicht reaktiv.

Spannungsfeld der nationalen KI-Strategie

Vembus Forderung trifft auf eine aktive Regierungsstrategie. Die IndiaAI Mission, 2024 mit umgerechnet etwa 1,1 Milliarden Euro für fünf Jahre beschlossen, zielt darauf ab, heimische KI-Kapazitäten zu stärken. Der Fokus liegt auf „KI-Diffusion“ – der breiten Anwendung in verschiedenen Sektoren, um spezifisch indische Probleme zu lösen. Geplant sind zwölf einheimische KI-Modelle, und Start-ups sollen subventionierten Zugang zu Rechenleistung erhalten. Firmen wie Sarvam AI bauen bereits Foundation-Modelle für indische Sprachen.

Hier entsteht ein potenzielles Spannungsfeld, aber auch Synergie: Die offizielle Strategie unterstützt zwar große Modelle, betont aber ebenso reale Anwendungsfälle. Dies könnte sich mit Vembus Fokus auf kleinere, spezialisierte Systeme verbinden lassen.

Die Gretchenfrage der KI-Führerschaft

Die Debatte zwischen großen, allgemeinen und kleinen, effizienten KI-Modellen ist entscheidend für jede Nation mit KI-Ambitionen. Großmodelle bieten breite Fähigkeiten, verbrauchen aber immense Ressourcen. Kleine Modelle sind wirtschaftlicher, lassen sich an Sprachen und Geschäftsprozesse anpassen und benötigen weniger Hardware-Leistung. Gerade für Indiens Millionen von kleinen und mittleren Unternehmen könnten sie der zugänglichere Weg sein.

Der bevorstehende India AI Impact Summit wird ein zentrales Forum für diese Weichenstellung sein. Die einflussreiche Stimme von Sridhar Vembu unterstreicht die Chance auf eine spezifisch indische Strategie – eine, w die intellektuelle Kreativität und zielgerichtete Innovation über die direkte Konfrontation im kostspieligen Arena der KI-Giganten stellt.

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