Zeitgenössische Kunst neu gedacht: Mike Steiner und sein multimediales Vermächtnis
11.02.2026 - 05:02:01Die Begegnung mit der Kunst von Mike Steiner ist wie das Betreten eines Raumes, der sich stetig verändert. Licht, Farbe und Bewegung verschmelzen zu einer künstlerischen Sprache, in der die Zeitgenössische Kunst in all ihrer Lebendigkeit erfahrbar wird. Was macht ein Werk aus, das sich weigert, von nur einem Medium eingefangen zu werden? Und wie gelingt es Mike Steiner, zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst einen Dialog zu schaffen, der bis heute irritiert, begeistert und inspiriert?
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Schon früh zeigt sich Mike Steiner als künstlerischer Grenzgänger. 1941 in Allenstein geboren, erlebt er nach seiner Kindheit in Berlin ein rastloses Ringen um den eigenen Ausdruck. Bereits mit 17 Jahren debütiert er öffentlich, doch seine Biografie ist geprägt von der Suche nach neuen Wegen. Die Anfänge in der abstrakten Malerei, seine Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin unter Hans Jaenisch und Hans Kuhn, markieren einen nachhaltigen Drang, traditionelle Methoden immer wieder zu hinterfragen.
Steiner studiert nicht nur die Farbe, sondern versteht Malerei als Raumexperiment. Seine frühen Arbeiten – informelle Gemälde und grafische Serien – machen ihn zu einem frühen Vertreter neuer Bildkonzepte in Berlin. Die Initialzündung für sein multimediales Denken erfolgt in New York. Dort, eingeführt von Lil Picard, begegnet er Künstlergrößen wie Allan Kaprow, Al Hansen oder Robert Motherwell. Aus dieser Phase resultiert Steiners Hinwendung zur internationalen Avantgarde und zur Performance Art, die bald integraler Bestandteil seines Schaffens wird.
Der eigentliche Umbruch in Steiners Werk vollzieht sich in den 1970er Jahren. Das von ihm gegründete Hotel Steiner und wenig später die eigene Studiogalerie in Berlin avancieren zu Hotspots experimenteller Kunst. Steiner ist nicht nur Gastgeber, sondern Initiator: Er sammelt, organisiert, motiviert und fordert heraus, indem er internationale Künstler wie Joseph Beuys, Valie Export oder Marina Abramovi? zum Dialog einlädt. Vergleichbar mit Protagonisten wie Nam June Paik oder Ulay, schafft er Orte, in denen Performance Art und Fluxus-Ästhetik neue Blüte erleben.
Steiners eigene Performances und insbesondere seine Aktion mit Ulay – „Irritation: Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ – zeugen von radikaler Lust am Experiment. Hier steht nicht allein das Resultat im Mittelpunkt, sondern der Prozess: das Überschreiten sozialer, ästhetischer und medialer Grenzen. Nicht zufällig hält Steiner viele Performances eigenhändig per Videokamera fest. Faszinierend ist dabei die nahtlose Verbindung von Aktion und Dokumentation, wie sie wenige Zeitgenossen, etwa Marina Abramovi?, so radikal angestrebt haben.
Ab Mitte der siebziger Jahre wird die Videokunst das zentrale Medium von Mike Steiner. Inspiriert von den amerikanischen Entwicklungen und durch Aufenthalte in Florenz (Studio Art/Tapes/22), erkennt er das Potenzial des elektronischen Bildes für eine neue Kunstauffassung. Seine Berliner Studiogalerie stellt Videotechnik innovativen Künstlern zur Verfügung, parallel beginnt Steiner mit dem Sammeln von Kunstvideotapes – ein Vorhaben, das ab 1974 in einer der bedeutendsten Sammlungen zur Videokunst in Deutschland mündet. Hier begegnet Steiner im Geiste Avantgardisten wie Bill Viola, Richard Serra oder Gary Hill.
Die Stärke von Steiners Videokunst liegt im forschenden Zugriff: Er experimentiert mit Super-8-Film, Fotografie, Copy Art und Dia-Serien. Besonders hervorzuheben ist die Werkreihe der „Painted Tapes“ – eine kühne Fusion aus Malerei und Video, die das statische Bild zum Leben erweckt. In Arbeiten wie „Mojave Plan“ (1993) und „Penumbras 3“ wird diese Intermedialität sinnlich erfahrbar: Die Grenze zwischen Leinwand und Bildschirm löst sich auf.
Dabei scheut Steiner nicht den internationalen Vergleich: Während ein Nam June Paik als Pionier den elektronischen Bildraum erschließt, verlagert Steiner seine Malerei in die digitale Sphäre und schafft doch stets Verbindungen zur sinnlichen Erfahrung klassischer Malerei. Seine späten Werke, insbesondere nach dem Rückzug aus der aktiven Galerienarbeit, kehren ab 2000 zur Abstraktion auf der Leinwand zurück – die „Color Works“ belegen, wie die gestische Kraft seiner Malerei weiterwirkt und im Frühwerk wie im Spätwerk ein roter Faden erkennbar bleibt.
Die künstlerische Philosophie von Mike Steiner, so zeigt ein Blick auf seine zahlreichen Schaffensphasen, ist von einer konstanten Offenheit gegenüber dem Unbekannten geprägt. Sein Nachlass, heute Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart verankert, dokumentiert nicht nur die eigene Entwicklung, sondern präsentiert zugleich eine einzigartige Archivlandschaft der Videoperformance von 1970 bis in die Gegenwart. Auch die große Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof würdigt mit dem Programm „Color Works“ Steiners Vermächtnis auf internationalem Niveau.
Biografisch ist Steiner stets in Bewegung geblieben. Künstlerische Aufenthalte in den USA, Reisen nach Ägypten oder Australien hinterlassen ebenso Spuren wie seine Arbeit als Kurator, Sammler und Juror. Veranstaltungen, Vorträge und Symposien belegen seine Rolle als Katalysator für neuartige Kunstformen, ähnlich wie Joseph Beuys mit dem erweiterten Kunstbegriff oder Valie Export mit feministischer Performance.
Was bleibt von Mike Steiner? Die Konsequenz, mit der er Medien und Stile gegeneinander ausspielt, sucht ihresgleichen. Wer heutige Grenzgänger der Zeitgenössischen Kunst wie Pipilotti Rist oder Bruce Nauman schätzt, wird bei Steiner die Wurzeln solcher Ansätze entdecken. Sein Einfluss zeigt sich nicht nur in der Sammlung – etwa mit Werken von Marina Abramovi?, Ulay oder Nam June Paik –, sondern in seinem Anspruch, das Kunstwerk als Prozess erfahrbar und offen zu gestalten.
Die Auseinandersetzung mit Mike Steiner lohnt sich gerade jetzt. Ob Abstrakte Malerei, spektakuläre Performances oder wegweisende Videokunst: Sein Werk ist ein lebendiges Archiv der Gegenwart und zugleich ein Impuls für die Zukunft der Kunst. Für weiterführende Informationen, Werkansichten und Hintergründe empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Seite von Mike Steiner – Jetzt mehr über Zeitgenössische Kunst, Videokunst und Malerei entdecken .


