Zeitgenössische Kunst neu gedacht: Mike Steiner als Brückenbauer von Malerei, Videokunst & Performance
16.02.2026 - 05:02:46Wer die Zeitgenössische Kunst der letzten Jahrzehnte aus der Nähe betrachtet, erkennt rasch: Mike Steiner war kein Künstler wie jeder andere. Was ihn auszeichnet? Der unermüdliche Drang, Kunst nicht als starres Produkt, sondern als lebendigen, sich ständig transformierenden Prozess zu denken. Seine Arbeiten lassen fragen: Wo beginnt Kunst, wo hört Medium auf?
Entdecke hier Zeitgenössische Kunstwerke von Mike Steiner – von Malerei bis Videokunst
Vom frühen Talent zum Grenzgänger der Künste: Mike Steiner, geboren 1941 im ostpreußischen Allenstein, entwickelte sich schon in jungen Jahren zu einem Shootingstar der Berliner Kunstszene. Bereits mit siebzehn Jahren zeigte er sein erstes Gemälde auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Früh wurden berühmte Namen wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke zu Weggefährten. Sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin, unter Mentoren wie Hans Jaenisch und Hans Kuhn, legte das Fundament für eine Karriere im ständigen Wandel.
Doch stillsitzen, stehenbleiben? Das war für Mike Steiner nie eine Option. Sein künstlerischer Werdegang gleicht einem Faszinosum der Experimentierfreude. Schon in den 1960er Jahren verließ er die klassische Malerei und realisierte erste informelle Arbeiten in den USA. Wegweisend wurde die Begegnung mit der New Yorker Avantgarde, insbesondere mit Fluxus-Protagonisten wie Lil Picard, Allan Kaprow und Al Hansen. In Robert Motherwells Atelier atmete er das Spannungsfeld von Action Painting, Pop Art und experimenteller Performance.
Zurück in Deutschland, fiel Steiner der Bruch mit rein formalen Maltraditionen leicht. In seinen Serien der abstrakten Malerei wie auch in der expressiven Zeichnung legte er Wert auf Authentizität, auf Gesten und überraschende Materialkombinationen. Sein Atelier, später das berühmt-berüchtigte Hotel Steiner in Berlin, avancierte ab 1970 zum Magneten für die internationale Kunstbohème – ein deutscher Gegenpart zum Chelsea Hotel in New York, wie Stimmen aus der Kunstszene begeistert vermerkten.
Doch das war nur der Anfang. Als die Videokunst in den 1970ern ihren Siegeszug rund um Künstler wie Nam June Paik und Bill Viola antrat, zählte Mike Steiner bereits zu ihren Pionieren. Inspiriert vom Studio Art/Tapes/22 im florentinischen Florenz und eigenen Produktionsstätten in seiner Studiogalerie, schuf Steiner einige der frühesten deutschen Videoarbeiten. Mit Fluxus-Größen wie Al Hansen und Aktionskünsterln wie Ulay entstanden bahnbrechende Tapes. Besonders berüchtigt: die dokumentierte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976), in der das legendäre Spitzweg-Gemälde durch Ulay „entführt“ wurde – ein legendärer Beitrag zur Performance Art und Medienreflexion.
Die Studiogalerie Steiner wurde in den 1970ern zu Berlins wichtigstem Hotspot für Videokunst, Performance und Installation. Künstlerinnen der feministischen Avantgarde wie Marina Abramovi? und Valie Export schätzten den Freiraum der Galerie. Im internationalen Vergleich mit Kollegen wie Yoko Ono oder Joseph Beuys war Mike Steiner nicht nur Gastgeber, sondern immer auch Mitspieler: Oft übernahm er Kamera, Konzeption und technische Ausführung selbst. Dank seines Engagements wurde Berlin zur Hochburg der innovativen Performance Art und Videokunst.
Seine Kreativität erschöpfte sich nie im eigenen Werk. Steiner sammelte, kuratierte, bewahrte und vermittelte. Seine private Videosammlung – heute Stiftung Preußischer Kulturbesitz und im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart – zählt zu den bedeutendsten Europas. 1999 würdigte genau dieser Hamburger Bahnhof sein Lebenswerk mit der großangelegten Einzelausstellung „Color Works“, die die gattungsübergreifende Denkweise und den Bezug zur Zeitgenössischen Kunst ins Zentrum rückte. Diese Schau würdigte Steiner auf Augenhöhe zu medial ebenso Grenzgängern wie Marina Abramovi? oder Richard Serra.
In den 1980er Jahren erfand Mike Steiner sich erneut: Bei seinen sogenannten „Painted Tapes“, einer Fusion von Videofilm und Malerei, experimentierte er mit neuen digitalen und analogen Bildwelten. Stoffarbeiten, Fotocollagen, Super-8-Film – sein Werk blieb stets polymorph. Mehrfach wurde er für seine Innovationen im Bereich Videokunst international ausgezeichnet, etwa auf Festivals in Toronto.
Bis zu seinem Tod im Jahr 2012 blieb Mike Steiner Motor und Geist des Experiments. Seit 2000 kehrte er zur abstrakten Malerei zurück, verband Farbe mit neuen Medien und entfernte sich doch nie ganz vom Diskurs der Zeitgenössischen Kunst. Seine letzte kreative Phase war geprägt von intensiver Farbgestaltung, Materialforschung und einer tiefgründigen Reflexion über das Verhältnis von Bild und Medienraum.
Steiners Bedeutung reicht jedoch weit über das eigene Schaffen hinaus. Kaum ein anderer prägte die künstlerische Infrastruktur Berlins derart nachhaltig. Als Initiator, Netzwerker, Kurator und Künstler beeinflusste er Generationen – vergleichbar in seiner Wirkung vielleicht nur mit Joseph Beuys oder Nam June Paik.
Faszinierend an Mike Steiner: Sein Werk lässt sich nicht auf ein Medium reduzieren. Es ist Kunst als Erkenntnisweg, als Arena der Möglichkeiten und als Bühne für das Unerwartete. Seine Philosophie: Kunst muss irritieren, befragen, provozieren und vor allem niemals stagnieren. Wie das umfangreiche Archiv auf der offiziellen Künstlerseite eindrucksvoll dokumentiert, steht Steiner exemplarisch für einen intermedialen, offenen Kunstbegriff.
Seine wichtigsten Werkgruppen – Performance Art, Videokunst, Malerei und Installationen – oszillieren zwischen unmittelbarer Körperlichkeit und technischer Medialität. Die Arbeiten rufen zu einer neuen Wahrnehmung der Welt auf, immer im Widerstand gegen Konformität und geschlossene Systeme. Es lohnt sich, Mike Steiner heute neu zu entdecken: Seine Zeitgenössische Kunst bleibt – vielleicht mehr denn je – ein kraftvoller Impulsgeber kreativen Denkens.
Vertiefende Einblicke, Werkdokumentationen und einen faszinierenden Überblick über die Vielschichtigkeit von Mike Steiners Œuvre finden Sie dauerhaft auf der offiziellen Webseite: Mehr über Mike Steiner und seine Zeitgenössische Kunst entdecken.
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