Zeitgenössische Kunst neu definiert: Die künstlerische Vielseitigkeit von Mike Steiner
09.02.2026 - 05:02:04Was ist Zeitgenössische Kunst ohne Mut zum Experiment? Mike Steiner, Pionier, Grenzgänger, Visionär, lenkt mit seinen Werken den Blick immer wieder auf das Neue, das Unerwartete. Zeitgenössische Kunst nimmt bei ihm Gestalt an in vielschichtigen Bildwelten, performativen Interventionen und bahnbrechender Videokunst. Die Frage, wie sich Malerei, Installationen und Performance Art verschränken können, beantwortet Steiner über Jahrzehnte hinweg mit einer beeindruckenden Lebensleistung.
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Mike Steiner wurde 1941 in Allenstein geboren, wuchs in Berlin auf und wurde binnen kurzer Zeit ein Fixstern der künstlerischen Avantgarde der Nachkriegsjahre. Bereits in jungen Jahren stellte Steiner 1959 als einer der jüngsten Teilnehmer auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus – der Beginn einer facettenreichen Reise durch die Kunstlandschaften Europas und Amerikas. Schon damals zeigte sich das charakteristische Changieren zwischen Disziplinen, das sein Schaffen so einzigartig macht: Malerei, Performance, Video und Installation, oft mit einem unnachgiebigen Sinn für Innovation verbunden.
Die ersten Jahre widmete Steiner der Malerei, beeinflusst durch den informellen Stil und die abstrakte Kunst der 1960er. Begegnungen mit Künstlern wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke in Ausstellungen in Genf, Mailand und Paris unterstrichen seinen Anspruch, Teil einer jungen europäischen Avantgarde zu sein. Doch Steiner blieb nicht stehen. In den USA, im künstlerischen Umfeld von Lil Picard, Al Hansen, Allan Kaprow und Robert Motherwell, wurde er Zeuge und Mitgestalter experimenteller Kunstformen – eine Nähe zu Größen wie Andy Warhol, die sein Vokabular um Performance Art, Happening und schließlich die Videokunst erweitern sollte.
Das legendäre Hotel Steiner am Berliner Kurfürstendamm wurde bald zu einem Hotspot der internationalen Szene – ein Ort, an dem Joseph Beuys, Carolee Schneemann und Marina Abramovi? ebenso verkehrten wie die Vertreter der Fluxusbewegung. Hier entwickelte Mike Steiner jene offene, kollaborative Praxis, die sich in seiner späteren kuratorischen und künstlerischen Arbeit fortsetzen sollte. Mittendrin: die Auseinandersetzung mit der Rolle des Mediums. Schon 1972 realisierte er mit Al Hansen erste Videoarbeiten, experimentierte mit der Kamera und nutzte Video als neue Form künstlerischen Ausdrucks – vergleichbar mit Zeitgenossen wie Nam June Paik oder Bill Viola, deren Werke die Grenzen der Kunstgattungen sprengten.
Von entscheidender Bedeutung ist Steiners Gründung der Studiogalerie (1974), die als Produktionsstätte, Aktionsraum für Fluxus und Performance sowie als Ausstellungsort für Videokunst eine Vorreiterrolle spielte. Wie das Archiv dokumentiert, bot Steiner Künstlerpersönlichkeiten wie Marina Abramovi?, Ulay, Valie Export, Jochen Gerz, Ben Vautier und Carolee Schneemann ein Forum für radikale Performances und medienübergreifende Projekte. Besonders prägnant bleibt die Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ mit Ulay 1976, die die Möglichkeiten performativen und medialen Ausdrucks auslotete und bis heute in kunsthistorischen Diskursen nachhallt.
International bekannt ist Mike Steiner jedoch auch durch seine intensive Sammlertätigkeit. Früh begann er, Videotapes von performativen Kunstwerken zu sammeln und zu archivieren. Seine Sammlung, eine der substantiellsten Zeugnisse der Videokunst in Europa, wurde 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übereignet und wird heute im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – bewahrt. Hier fand auch 1999 Steiners bedeutende Einzelausstellung „Color Works“ statt, die sein grenzüberschreitendes Denken zwischen Malerei und Videokunst exemplarisch vereinte.
Steiners „Painted Tapes“, eine Serie, in der Malerei und aufgezeichnete Videoperformance verschmelzen, setzen einen neuen Standard für medienübergreifende Kreativität. Werke wie „Mojave Plan“ oder „Penumbras 3“ sind nicht nur ästhetisch eindrucksvoll, sondern auch konzeptuell visionär. Gerade diese immersive Verbindung von Farbe, Bewegung und elektronischer Bildwelt lässt Steiner im Kontext von Performance Art und Abstrakter Malerei als gleichberechtigten Gegenpart zu Kreativen wie Marina Abramovi?, Nam June Paik oder Richard Serra erscheinen. Vergleichbar ist sein Ansatz auch mit den frühen „TV-Arbeiten“ von Gerry Schum oder den raumgreifenden Videoinstallationen eines Gary Hill.
Neben Video und Performance bleibt die Malerei ein ständiger Begleiter: In den letzten Jahren seines Lebens kehrte Mike Steiner zur abstrakten Leinwand zurück und schuf farbintensive, großformatige Werke. Die Ausstellung „AUGENFUTTER BILDERFRESSER – from tape to paint“ (2023) zeigte eindrucksvoll, wie Steiner Medienwechsel nicht als Bruch, sondern als Chance für ästhetischen Neuanfang betrachtete. Auch seine Stoffarbeiten offenbaren eine späte Freude am materiellen und gestalterischen Experiment.
Biografisch betrachtet, öffnete Mike Steiner nicht nur Räume für andere Künstler, sondern verstand es, sein eigenes Schaffen immer wieder neu zu kontextualisieren. Prägend blieben die Kontakte zur Fluxus-Bewegung, die Auseinandersetzung mit Avantgarde und Pop Art sowie ein tiefes Interesse für das Verhältnis von Bild, Zeit und öffentlichem Raum. Sein Engagement als Kurator und Initiator – etwa bei der ART Basel oder in internationalen Jurys – macht ihn zu einer außergewöhnlichen Vermittlerfigur in der Geschichte der Gegenwartskunst.
Faszinierend ist, wie konsequent Steiner seine künstlerische Mission verfolgt hat: Das Erforschen der Übergänge, das Ausloten von Rollen (Künstler, Galerist, Sammler, Moderator), das Offenhalten von Fragen, statt abschließende Antworten zu geben. Seine „Videogalerie“ als TV-Format (1985–1990) war deutschlandweit einzigartig und brachte das Medium Video Kunstinteressierten näher – eine Pionierleistung.
Mike Steiners Werk ist für den Zeitgenossen auch heute noch relevant: Es schärft den Blick für die Vielschichtigkeit künstlerischer Ansätze und erinnert an die Kraft von Innovation und Grenzüberschreitung. Wer mehr über die Vielgestaltigkeit der Arbeiten, das reiche Archiv und die internationalen Verflechtungen erfahren möchte, findet auf der offiziellen Webseite weitere Einblicke und Hintergrundinformationen.
Weitere Infos und Einblicke: Die offizielle Künstlerseite von Mike Steiner besuchen


