Zalando, KI-Plattform

Zalando drängt mit KI-Plattform Scayle auf den US-Markt

17.01.2026 - 21:30:12

Der deutsche E-Commerce-Riese Zalando startet eine Offensive in Nordamerika. Kern der Strategie ist die US-Einführung seiner KI-gestützten B2B-Plattform Scayle. Ein erster amerikanischer Kunde steht offenbar kurz vor der Vertragsunterzeichnung – ein strategischer Paukenschlag für das bisher auf Europa fokussierte B2B-Geschäft.

Für Zalando markiert der Schritt eine Zeitenwende. Das Unternehmen diversifiziert damit seine Einnahmequellen jenseits des klassischen Konsumenten-Marktplatzes. Vor-Ort-Teams in den USA sondieren bereits die Bedürfnisse lokaler Marken und Händler. Hinter der Expansion steht der Plan, Zalando als umfassenden E-Commerce-Infrastrukturanbieter zu etablieren. Die dafür nötige Technologie erwarb der Konzern 2025 durch die Übernahme des Konkurrenten About You. Die Ankündigung der ersten US-Deals wird in den kommenden Monaten erwartet und trieb den Zalando-Aktienkurs bereits spürbar nach oben.

Herzstück der Ambitionen ist die hochskalierbare Plattform Scayle. Sie wird als „komponierbares“, API-first und headless System beschrieben. Diese moderne Architektur trennt das Frontend der Kundenoberfläche von den Backend-Prozessen. Das gibt Marken maximale Flexibilität, um maßgeschneiderte Online-Shops, Direct-to-Consumer-Erlebnisse und B2B-Portale über verschiedene Kanäle hinweg zu kreieren.

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Die Enterprise-Lösung ist für hohe Traffic- und Transaktionsvolumen ausgelegt und betreibt bereits über 200 Online-Stores. Ihr Werkzeugkasten umfasst das gesamte Retail-Erlebnis – von digitalem Handel und Order-Management bis zur Expansion auf Marktplätze. Dazu gehören ein ausgefeiltes Product Information Management (PIM), Checkout-Systeme und Order-Management-Systeme (OMS). Integrierte Unterstützung für mehrere Sprachen, Währungen und Steuersysteme macht Scayle zum passenden Kandidaten für den komplexen US-Markt.

Vom Händler zum Technologie-Anbieter

Der US-Vorstoß mit Scayle ist zentral für Zalando’s Langfristvision eines umfassenden „E-Commerce-Betriebssystems“ (ZEOS). Dieses Ökosystem soll Marken alle Werkzeuge für ihr Multi-Channel-Geschäft bieten und Logistik, Software und Services in einer Plattform vereinen. Scayle ergänzt damit bestehende B2B-Dienste wie den Marktplatz-Integrator Tradebyte und Zalando Fulfillment Solutions.

Das Unternehmen sieht im B2B-Segment ein milliardenschweres Wachstumsfeld. Co-CEO David Schröder identifizierte es als potenzielles Multi-Milliarden-Euro-Geschäft. Der US-Markt gilt dabei als eine der größten Chancen für die Scayle-Software. Der Fokus auf profitablere B2B-Dienste kommt auch den Wünschen von Investoren nach nachhaltigerem Wachstum entgegen.

Kampf mit den Riesen: SAP und Salesforce im Visier

Mit dem Eintritt in den US-B2B-Markt begibt sich Zalando in direkte Konkurrenz zu etablierten Plattform-Anbietern. Scayle positioniert sich als Alternative zu Enterprise-Lösungen von Unternehmen wie SAP und Salesforce. Seine Trumpfkarte: Die headless, komponierbare Architektur und die Herkunft aus einem großen Fashion-Händler, die ein tiefes, praktisches Branchenverständnis mitbringt.

Unterstützt wird die Expansion durch ein wachsendes Partner-Ökosystem, darunter US-Agenturen wie Americaneagle.com. Sie helfen bei der Implementierung und Integration der Plattform in bestehende ERP- und CRM-Systeme der Kunden. Dieses Partnernetzwerk ist entscheidend, um die Komplexität des amerikanischen Marktes zu meistern.

Ausblick: Der Weg zum globalen Tech-Konzern

Eine erfolgreiche US-Landung von Scayle könnte Zalando’s Geschäftsprofil grundlegend verändern – vom europäischen Handelsriesen zum globalen E-Commerce-Technologieanbieter. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Software-Komponente ihres B2B-Geschäfts Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe generieren wird.

Branchenbeobachter fiebern der Ankündigung der ersten US-Referenzkunden entgegen. Deren Erfolg wird ein Schlüsselindikator für die Akzeptanz in Nordamerika sein. Wenn Zalando im März den Jahresabschluss vorlegt, werden Investoren auf eine klare Strategie für profitableres Wachstum und Details zur US-Expansion drängen. Der Vorstoß ist ein kalkulierter und ambitionierter Schritt, um sich ein Stück des lukrativen amerikanischen E-Commerce-Technologiemarkts zu sichern.

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