YouTube zahlt 30 Millionen Euro nach Kinder-Datenskandal
15.01.2026 - 01:21:12Google muss 30 Millionen Euro zahlen, weil YouTube jahrelang heimlich Daten von Kindern sammelte. Ein US-Gericht bestätigte den Vergleich in einem wegweisenden Datenschutzprozess.
Die Klage zog sich über sechs Jahre hin und betrifft schätzungsweise 35 bis 45 Millionen Minderjährige in den USA. Sie hatten zwischen 2013 und 2020 Inhalte auf YouTube geschaut, die speziell für Kinder ausgerichtet waren – von Cartoons bis zu Spielzeugbewertungen.
Der Kern der Vorwürfe: Die Plattform soll ohne Einwilligung der Eltern sensible Daten erfasst haben. Dazu gehörten IP-Adressen, Geräte-Seriennummern, Standortdaten und dauerhafte Identifikatoren. Diese Informationen nutzte Google laut Klägern, um detaillierte Nutzerprofile von Kindern zu erstellen.
Mit diesen Profilen wurden dann gezielt Werbeanzeigen geschaltet. Diese Praxis verstößt gegen den Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA). Dieses US-Bundesgesetz verlangt ausdrücklich die elterliche Zustimmung, bevor Daten von Unter-13-Jährigen gesammelt werden dürfen.
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So wird der Vergleich umgesetzt
Aus dem 30-Millionen-Euro-Fonds erhalten die betroffenen Familien eine Entschädigung. Nach Abzug von Anwaltskosten und Aufwandsentschädigungen für die Hauptkläger bleiben schätzungsweise 21 Millionen Euro übrig.
Experten rechnen mit etwa einer Million gültiger Anträge. Das würde jede berechtigte Familie mit 20 bis 30 Euro entschädigen. Anträge müssen bis zum 21. Januar 2026 eingereicht werden. Die Auszahlung soll im Frühjahr 2026 erfolgen.
Ein langer Rechtsstreit mit Signalwirkung
Der Vergleich ist nicht der erste Fall dieser Art. Bereits 2019 zahlten Google und YouTube 170 Millionen Euro an US-Behörden – die bis dahin höchste Strafe in einem COPPA-Verfahren. Die private Sammelklage folgte kurz darauf.
Ihr Weg durch die Instanzen war steinig. Zunächst wies ein Gericht die Klage ab. Doch 2023 gab das Berufungsgericht grünes Licht. Es entschied: Das Bundesgesetz schließt Klagen nach Landesrecht nicht aus. Diese Entscheidung schuf einen wichtigen Präzedenzfall.
Was das für die Tech-Branche bedeutet
Der Fall zeigt einen klaren Trend: Private Klagen ergänzen zunehmend behördliche Strafverfahren. Für Tech-Konzerne entsteht so eine doppelte finanzielle Bedrohung. Die Einhaltung von Bundesgesetzen schützt nicht automatisch vor Klagen nach strengeren Landesgesetzen.
Die Branche steht unter wachsendem Druck. Das Geschäftsmodell der zielgerichteten Werbung wird besonders bei Kindern zunehmend infrage gestellt. Unternehmen müssen nun strengere Datenschutzkontrollen und Einwilligungsmechanismen einführen.
Die Zukunft: Strengere Regeln für Kinder im Netz
Dieser Vergleich dürfte weitere Verbraucherklagen beflügeln. Gleichzeitig gewinnen Gesetzesinitiativen an Fahrt. In den USA wird bereits über “COPPA 2.0” diskutiert. Der Entwurf will den Schutz auf Teenager bis 16 Jahre ausweiten und gezielte Werbung weiter einschränken.
Für Google und andere Plattformen bedeutet das: Die Compliance-Anforderungen werden komplexer. Sie müssen nicht nur Bundesvorschriften, sondern auch ein wachsendes Flickenteppich aus Landesgesetzen beachten. Der Druck, den Datenschutz vulnerabler Gruppen über Werbeeinnahmen zu stellen, wächst stetig.
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