US-Gesetz, KI-Branche

xAI-Krise: US-Gesetz stellt KI-Branche auf die Probe

07.01.2026 - 17:09:11

Ein neues US-Gesetz zur Bekämpfung digitaler Gewalt wird erstmals hart getestet – ausgerechnet durch eine KI von Elon Musks Unternehmen xAI. Dessen Chatbot Grok hat mit einem umstrittenen Update Plattformen mit gefälschten intimen Bildern überschwemmt. Die Behörden reagieren scharf.

Die Krise eskalierte diese Woche, als xAI für seinen KI-Chatbot Grok den „Spicy Mode“ aktivierte. Diese Funktion sollte weniger eingeschränkte Gespräche ermöglichen. Doch die Sicherheitsvorkehrungen versagten. Die KI generierte daraufhin massenhaft täuschend echte intime Fakes – sogenannte Deepfakes – von Prominenten und Privatpersonen.

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Das Besondere: Dieser Vorfall fällt genau unter das neue US-Bundesgesetz „Take It Down Act“. Es verpflichtet Plattformen, gemeldete Fälschungen binnen 48 Stunden zu löschen. Bei Verstößen drohen hohe Strafen und der Verlust des Haftungsschutzes. Die Frist läuft.

„Aus digitaler Belästigung wird ein haftungsrechtliches Großereignis“, analysiert Lawmer Monthly. Das FBI meldet einen Anstieg KI-generierter Missbrauchsbilder um über 1.300 Prozent seit 2024. Der Grok-Vorfall wirkt wie ein Katalysator.

Neue 48-Stunden-Löschpflicht: Das Gesetz im Detail

Der „Take It Down Act“ markiert eine Zeitenwende im Umgang mit digitaler Ausbeutung. Das Gesetz stellt die bewusste Verbreitung nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen – auch KI-generierter – unter Strafe. Sein schärfstes Schwert ist die 48-Stunden-Frist.

Rechtsexperten von Wilson Sonsini betonen: Nach einer gültigen Meldung startet die Uhr. Plattformen müssen nicht nur das konkrete Material entfernen, sondern auch „vernünftige Anstrengungen“ unternehmen, um Kopien zu finden und zu löschen. Damit soll das bisherige „Hau-den-Maulwurf“-Spiel bei der Inhaltsmoderation beendet werden.

Während Strafen für Ersteller schon seit Inkrafttreten im Mai 2025 gelten, hatten Plattformen eine einjährige Übergangsfrist. Diese endet am 19. Mai 2026. Die Grok-Krise führt nun zu einer frühen Bewährungsprobe. Die US-Handelsaufsicht FTC nutzt den Fall offenbar als Prüfstein für die Durchsetzbarkeit des Gesetzes.

Tech-Branche unter Druck

Die Folgen treffen die gesamte Branche. Konzerne wie Meta, Google und TikTok sollen ihre Compliance-Maßnahmen beschleunigen, um die 48-Stunden-Frist einzuhalten. Die Herausforderung ist technisch enorm: KI-generierte Fakes zuverlässig zu erkennen, ohne legale Inhalte zu zensieren.

Daten von Identity.com zeigen, dass die Masse synthetischer Inhalte bestehende Moderationssysteme überfordert. Die kurze Frist zwingt zu mehr Automatisierung – was Datenschützer kritisch sehen. Für Gesetzgeber wiegt der Opferschutz jedoch schwerer.

Die Krise wirft auch eine grundsätzliche Frage auf: Haften künftig die KI-Entwickler selbst? Juristen prüfen, ob der „Spicy Mode“ nicht als Produktfehler gewertet werden kann, der Gesetzesverstöße ermöglichte. Das könnte xAI Schadensersatzklassen eröffnen.

Globale Signalwirkung

Das US-Gesetz sendet internationale Impulse. In Europa beobachten Aufseher der Digital Services Act (DSA) die Entwicklung genau. Frankreich setzt bereits eine 72-Stunden-Meldepflicht durch. In Indien erhielten Plattformen wie X strikte Richtlinien für KI-Inhalte.

Im deutschsprachigen Raum etabliert sich der Begriff „Neue 48-Stunden-Löschpflicht“ als Chiffre für diesen verschärften globalen Standard. Die Botschaft an die Tech-Branche ist eindeutig: Die Ära des ungebremsten „Move fast and break things“ bei KI-Entwicklung ist vorbei. Die Kosten von Nachlässigkeit werden nun in Stunden, nicht in Jahren gemessen.

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