World Labs: Eine Milliarde Euro für die dritte Dimension der KI
20.02.2026 - 11:52:12 | boerse-global.deKI-Startup World Labs erhält Milliardenspritze für räumliche Intelligenz. Das von der renommierten Forscherin Dr. Fei-Fei Li gegründete Unternehmen positioniert sich mit seiner Technologie für 3D-Welten als neuer Hoffnungsträger der Branche. Die Investition unterstreicht den strategischen Schwenk der Industrie weg von rein textbasierter KI.
Die Finanzierungsrunde in Höhe von rund einer Milliarde Euro wurde am Mittwoch bekanntgegeben. Sie vereint eine beeindruckende Allianz aus Technologie- und Finanzgrößen. Neben den Chip-Riesen Nvidia und AMD beteiligten sich auch Fidelity und die Emerson Collective. Besonders bemerkenswert: Der Softwareriese Autodesk steuerte 200 Millionen Euro bei und wird strategischer Berater. Diese Partnerschaft signalisiert großes kommerzielles Interesse daran, generative KI mit Ingenieurs- und Designprozessen zu verbinden.
Eine Milliardenwette auf „Large World Models“
Die Kapitalspritze ist eine der größten im KI-Sektor in diesem Jahr. Sie katapultiert World Labs an die Spitze des Wettlaufs um sogenannte „Large World Models“ (LWMs). Diese KI-Systeme sollen dreidimensionale Umgebungen wahrnehmen, verstehen und mit ihnen interagieren können – eine Schlüsselkompetenz für Robotik, Architektur oder Spieleentwicklung.
Hinter der Investition steht das Vertrauen in die Vision der als „Godmother of AI“ bekannten Dr. Fei-Fei Li. Sie treibt die Idee voran, dass der nächste KI-Sprung ein Verständnis der physikalischen Welt erfordert – und nicht nur die Verarbeitung von Text oder 2D-Bildern. Die vielfältige Investorenliste, die auch den Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz umfasst, deutet darauf hin: Die Technologie wird als grundlegendes Werkzeug für ganze Industrien gesehen.
Flaggschiff „Marble“ beschleunigt die Entwicklung
Herzstück der Strategie ist das Produkt „Marble“. Die Plattform, deren Rollout nun beschleunigt wird, generiert aus einfachen Textbefehlen, Bildern oder Videos hochdetaillierte und beständige 3D-Welten. Der Clou: Im Gegensatz zu herkömmlicher 3D-Modellierung erschafft die KI räumlich konsistente Umgebungen, deren Geometrie und Physik bei der Erkundung erhalten bleiben.
Analysten sehen in Marble einen kritischen Schritt hin zu einer „physische KI“. Aktuelle generative Modelle können zwar fotorealistische Videos erzeugen, ihnen fehlt aber oft ein echtes Verständnis des 3D-Raums. World Labs beansprucht für seine Modelle „Interaktivität“ und „logisches Schlussfolgern“. Eine KI soll begreifen, dass eine Tasse auf einem Tisch ein greifbares Objekt ist – und nicht nur eine Pixelansammlung.
Das frische Kapital soll den Aufbau dieser Weltmodelle beschleunigen, das Engineering-Team erweitern und Marble für Unternehmensanwendungen verfeinern. Die Rolle von Autodesk ist hier zentral: Eine Integration der räumlichen Generierungsfähigkeiten in etablierte Design-Software könnte die Art revolutionieren, wie Architekten, Ingenieure oder Game-Developer digitale Assets erstellen.
Autodesk-Partnerschaft ebnet den Weg in die Industrie
Die strategische Beteiligung von Autodesk unterstreicht die unmittelbare kommerzielle Relevanz. Das Unternehmen, Marktführer in Software für Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen (AEC), will räumliche KI nutzen, um Designprozesse zu automatisieren und zu verbessern.
Die Partnerschaft adressiert einen zentralen Engpass der 3D-Branche: den hohen Aufwand für detaillierte 3D-Assets. Durch die automatisierte Generierung räumlich präziser Umgebungen könnten Produktionszeiten für Videospiele, Architekturvisualisierungen oder Industriesimulationen drastisch sinken. Marktbeobachter werten dies als Beleg für die „Enterprise-Reife“ räumlicher KI. Der lukrative Markt für „Digitale Zwillinge“ – virtuelle Kopien physischer Systeme – steht damit offen.
Wer jetzt an räumlicher KI oder Large World Models arbeitet, sollte die neue EU-KI-Verordnung kennen. Die Regelung legt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und umfangreiche Dokumentationsanforderungen fest – Pflichten, die Entwickler und Anbieter von Weltmodellen direkt betreffen können. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt, welche Pflichten jetzt gelten und wie Unternehmen die Anforderungen praktisch umsetzen. Jetzt kostenlosen KI-Verordnungs-Leitfaden herunterladen
Der nächste KI-Sprung: Von Text zur räumlichen Intelligenz
Die Tech-Branche vollzieht einen grundlegenden Wandel: Der Fokus verschiebt sich von Sprach- hin zu physischer und räumlicher Intelligenz. Chatbots und Coding-Assistenten haben Wissensarbeit verändert, sind aber in ihrer Interaktion mit der realen Welt begrenzt.
Dr. Li betont, dass KI für Robotik und Automation ein räumliches Verständnis benötigt, das der menschlichen Wahrnehmung ähnelt. Es geht nicht nur um Objekterkennung, sondern um das Verständnis von 3D-Strukturen, Objektbeziehungen und physikalischen Gesetzen. World Labs verfolgt dabei einen anderen Ansatz als Konkurrenten wie Google DeepMind: Das Startup zielt auf ein universelles „Large World Model“ ab, das branchenübergreifend eingesetzt werden kann.
Ausblick: Robotik, Content und Wissenschaft
Die Milliardenspritze wird die Kommerzialisierung räumlicher KI vorantreiben. Experten erwarten, dass World Labs in den nächsten 12 bis 18 Monaten drei Kernbereiche vorantreibt:
- Robotik-Integration: Weltmodelle als „Gehirn“ für räumliches Denken, damit Roboter unstrukturierte Umgebungen besser navigieren und manipulieren können.
- Content-Erstellung: Demokratisierung der 3D-Erstellung für Game-Developer und Filmemacher durch schnelle Generierung interaktiver Welten.
- Wissenschaftliche Entdeckung: Nutzung räumlicher Simulationen zur Modellierung komplexer biologischer oder physikalischer Systeme, etwa in der Wirkstoffforschung.
Das Wettrennen um den Standard für 3D-KI ist in vollem Gange. Mit Konkurrenten wie Yann LeCuns AMI Labs wird der Kampf härter. Doch World Labs ist mit seinem milliardenschweren Kriegsbudget, den engen Verbindungen zu Hardware-Größen und der strategischen Partnerschaft mit Autodesk derzeit in einer Führungsposition. Während der Hype um textbasierte KI abflaut, richtet sich der Blick der Branche auf die nächste Dimension. Die Zukunft der KI wird nicht nur geschrieben – sie wird in 3D gebaut.
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