Wohnungsbau-Förderung: Milliarden liegen brach
16.02.2026 - 10:30:12Die staatlichen Milliarden für den Wohnungsbau fließen nicht. Trotz voller Fördertöpfe zögern Investoren und Kommunen, das Geld abzurufen. Besonders das neue Programm für das „Effizienzhaus 55“ startet schleppend.
EH55-Programm: Nur 150 von 800 Millionen Euro gebunden
Die große Hoffnung für mehr bezahlbaren Neubau läuft ins Leere. Von den im Dezember 2025 bereitgestellten 800 Millionen Euro für das „Effizienzhaus 55“-Programm sind bis Ende Januar 2026 erst rund 150 Millionen Euro verplant. Die staatliche KfW verzeichnete lediglich etwa 4.000 Anträge für knapp 15.800 Wohneinheiten.
Experten sehen darin ein klares Signal: Günstige Kredite allein reichen nicht aus. Hohe Materialkosten und der akute Fachkräftemangel bremsen die Bauwirtschaft weiter aus. Für den sozialen Wohnungsbau ist das ein Warnschuss, denn der EH55-Standard galt als pragmatischer Kompromiss zwischen Klimaschutz und bezahlbaren Baukosten.
Drei Fördertöpfe sollen 2026 helfen
Das Bundesbauministerium setzt 2026 auf drei zentrale Programme. Doch jedes hat seine Tücken:
- Klimafreundlicher Neubau (KFN): Mit 1,1 Milliarden Euro ist es das Flaggschiff. Es fördert jedoch hohe Standards (EH40), die die Baukosten in die Höhe treiben. Die Folge sind Mieten, die oft über dem Niveau für sozialen Wohnraum liegen.
- Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment (KNN): Hier stehen 650 Millionen Euro speziell für kleine, günstige Wohnungen bereit. Das Programm gilt als Lackmustest: Schafft es den Spagat zwischen Klimavorgaben und bezahlbarem Bauen? Die Branche kritisiert starre Vorgaben.
- Wohneigentum für Familien (WEF): Mit 250 Millionen Euro unterstützt es Familien beim Kauf. Das entlastet theoretisch den Mietmarkt, löst aber nicht das Kernproblem des Neubaus.
Sozialer Wohnungsbau in der Zwickmühle
Die zögerliche Nachfrage hat direkte Konsequenzen. Das Regierungsziel von 100.000 neuen Sozialwohnungen pro Jahr rückt in weite Ferne. Kommunale Wohnungsunternehmen stehen vor einem unlösbaren Rechenbeispiel: Die aktuellen Baukosten machen Kaltmieten von 6,50 bis 8,00 Euro pro Quadratmeter unmöglich – selbst mit Förderung.
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Hinzu kommt ein bürokratischer Hemmschuh: Die komplexen Antragsverfahren, besonders für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG), überfordern viele kleinere Genossenschaften. Projekte liegen „auf Halte“, weil die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.
Sanierung schlägt Neubau
Ein weiterer Trend verschärft die Lage: Viele Unternehmen investieren ihre Mittel lieber in die energetische Sanierung ihres Bestands. Der Grund ist einfach: Hier müssen gesetzliche Vorgaben erfüllt und hohe CO2-Abgaben vermieden werden. Der Neubau von Sozialwohnungen bleibt dabei zwangsläufig auf der Strecke.
Droht 2026 ein verlorenes Jahr?
Für die kommenden Monate zeichnen sich zwei Szenarien ab. Im Optimistischen führen etablierte Förderkulissen und mögliche Zinssenkungen zu einem Nachholeffekt. Die Programme könnten dann doch noch ausgeschöpft werden.
Das pessimistische Szenario warnt vor anhaltend niedrigen Abrufzahlen. Das würde den Druck auf die Politik massiv erhöhen, die Förderbedingungen nachzujustieren – etwa durch höhere Zuschüsse oder geringere Klima-Anforderungen für Sozialwohnungen.
Für das Bundesbauministerium ist die Lage heikel. Die brachliegenden 650 Millionen Euro sind ein politisches Armutszeugnis: Das Geld ist da, aber es wird nicht verbaut. Für Wohnungssuchende in den Ballungsräumen bedeutet das eine bittere Prognose. Eine spürbare Entlastung am Mietmarkt wird auch 2026 wohl ausbleiben.
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