WKÖ, EU-Gipfel

WKÖ fordert vor EU-Gipfel radikale Wettbewerbs-Offensive

19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Die Wirtschaftskammer Österreich drängt angesichts geopolitischer Spannungen und hoher Energiepreise auf eine europäische Industriestrategie, um eine Abwanderung von Unternehmen zu verhindern.

WKÖ fordert vor EU-Gipfel radikale Wettbewerbs-Offensive - Foto: über boerse-global.de
WKÖ fordert vor EU-Gipfel radikale Wettbewerbs-Offensive - Foto: über boerse-global.de

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) appelliert dringend an die europäischen Staatschefs. Kurz vor dem EU-Gipfel fordert sie eine rasche Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Hintergrund sind die jüngsten geopolitischen Verwerfungen, die den Industriestandort Europa massiv unter Druck setzen.

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz sieht die Wirtschaft in einem kritischen Spannungsfeld. Globale Risiken, explodierende Kosten und strukturelle Nachteile bedrohen den Standort. Um eine Abwanderung der Industrie zu verhindern, seien nun koordinierte und weitreichende Entscheidungen unerlässlich.

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Geopolitische Eskalation treibt Energiepreise

Die Dringlichkeit hat einen klaren Auslöser: Der Nahost-Konflikt erreichte Ende Februar eine neue Eskalationsstufe. Militärische Auseinandersetzungen und eine de-facto-Blockade der Straße von Hormus brachten die globalen Energiemärkte ins Wanken.

Die Rohölpreise kletterten auf bis zu 98 US-Dollar pro Barrel. Europäische Erdgas-Futures verzeichneten ein Mehrjahreshoch. Diese volatile Lage trifft die energieintensive Industrie in Europa besonders hart.

Als Gegenmaßnahme fordert die WKÖ wettbewerbsfähige Energiepreise. Konkret soll die freie Zuteilung von CO2-Zertifikaten im EU-Emissionshandel über 2034 hinaus verlängert werden. Die Benchmarks dafür will die Kammer auf dem Niveau von 2025 einfrieren. Nur so ließen sich Carbon-Leakage-Effekte – die Abwanderung von Unternehmen – verhindern.

Regierung reagiert mit Spritpreisbremse

Die österreichische Bundesregierung zog am selben Tag mit einem eigenen Paket nach. Bundeskanzler Christian Stocker, Vizekanzler Andreas Babler und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger präsentierten eine Spritpreisbremse.

Sie soll über eine Senkung der Mineralölsteuer und temporäre Margenbegrenzungen entlang der Wertschöpfungskette wirken. Ziel ist es, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Übergewinne zu begrenzen.

Die Reaktion der Wirtschaft fällt gemischt aus. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger begrüßt die Steuersenkungen als ersten Schritt. Die geplanten Margenbegrenzungen kritisiert er jedoch scharf. Solche Eingriffe verzerrten den freien Wettbewerb und könnten die Versorgung langfristig gefährden.

Unterstützung kommt von der Arbeiterkammer (AK). Deren Wirtschaftsbereichsleiter Tobias Schweitzer hält die Preiseingriffe für ökonomisch sinnvoll. Sie sendeten ein wichtiges Signal, dass nicht einzelne Marktteilnehmer überproportional von der Krise profitieren.

WKÖ drängt auf Freihandel und Bürokratieabbau

Neben der akuten Energiepolitik ortet die Wirtschaftskammer auch strukturellen Aufholbedarf. Um mit den USA und China mithalten zu können, fordert sie einen raschen Abschluss neuer Freihandelsabkommen. Ein erweitertes Handelsnetzwerk soll neue Wachstumsmärkte für Exporteure erschließen.

Gleichzeitig brauche es eine Vertiefung des Binnenmarktes und einen radikalen Bürokratieabbau. Die WKÖ unterstützt daher den auf EU-Ebene forcierten „Industrial Accelerator Act“. Dieses Vorhaben will den Anteil der Industrie am europäischen BIP bis 2035 auf 20 Prozent steigern.

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Generalsekretär Danninger und Industrie-Obmann Sigi Menz sehen in beschleunigten Genehmigungsverfahren und strategischer öffentlicher Vergabe entscheidende Hebel. Nur so ließen sich die technologische Souveränität und die Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Europa droht zwischen USA und China aufgerieben zu werden

Experten beobachten die Lage mit großer Sorge. Der geopolitische Risikoindex erreichte im März Werte, die zuletzt nach den Terroranschlägen von 2001 gemessen wurden. In diesem unsicheren Umfeld droht Europa, zwischen den subventionierten Wirtschaftsblöcken der USA und Chinas aufgerieben zu werden.

Die Forderungen der WKÖ spiegeln die Frustration der Industrie über langsame Entscheidungsprozesse in Brüssel wider. Sigi Menz verweist auf klare Standortnachteile. Bei einem wettbewerbsfähigen Industriestrompreis oder der Strompreiskompensation falle Europa international zurück.

Die Rufe nach einer echten europäischen Industriestrategie werden lauter. Darin müssten nicht nur regulatorische Vorgaben, sondern gleichwertig die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Betriebe im Fokus stehen.

Hohe Erwartungen an den EU-Gipfel

Die Erwartungen der Wirtschaft an den kommenden EU-Gipfel sind entsprechend hoch. Von den Staats- und Regierungschefs fordert die WKÖ ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Europa. Analysten erwarten, dass Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise und der Schutz kritischer Infrastruktur zentrale Themen sein werden.

Auch Bundeskanzler Stocker kündigte an, sich auf europäischer Ebene für fairen Wettbewerb einzusetzen. Sein Ziel: Preisdiskriminierungen in kleineren Märkten, der sogenannte Österreichaufschlag, sollen der Vergangenheit angehören.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die EU ihre Rahmenbedingungen schnell genug an die neue Realität anpassen kann. Bleibt eine spürbare Entlastung der Industrie aus, warnen Branchenvertreter vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Die Zukunft des Standorts Europa steht auf dem Spiel.

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