Wirtschaftsbund-Chefin Schultz entmachtet fünf Vizepräsidenten
04.04.2026 - 05:30:29 | boerse-global.deMartha Schultz reduziert die Führungsspitze des ÖVP-Wirtschaftsbundes radikal. Nur Tage vor ihrer offiziellen Wahl zur Präsidentin ersetzt sie das fünfköpfige Vizepräsidium durch ein Duo. Dieser Paukenschlag markiert den Start ihres harten Reformkurses.
Die geschäftsführende Chefin schafft vollendete Tatsachen vor der vorgezogenen Generalversammlung am 17. April. Statt fünf Stellvertreter wird künftig nur noch ein verschlanktes Duo an ihrer Seite regieren. Branchenkenner deuten dies als Signal: Schultz duldet keine Übergangsphase und will ihren Kurs mit maximalem Tempo durchsetzen.
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Fünf Landeschefs verlieren ihren Spitzenposten
Betroffen von der Entmachtung sind einige der mächtigsten Köpfe der Wirtschaftskammer-Landschaft. Per E-Mail informierte Schultz den Wiener Kammerpräsidenten Walter Ruck, Josef Herk (Steiermark), Peter Buchmüller (Salzburg), Doris Hummer (Oberösterreich) und Wolfgang Ecker (Niederösterreich) über ihre Abberufung.
Mit diesem Schritt bricht Schultz die Macht der Landesorganisationen auf Bundesebene. Die bisherige Struktur galt intern als schwerfällig und nicht mehr zeitgemäß. Vor allem um Walter Ruck hatten sich zuletzt mediale Debatten über interne Karrierewege gedreht.
Ziel der Schlankheitskur ist eine agilere Entscheidungsfindung. Sie soll weniger von regionalen Einzelinteressen und stärker von einer einheitlichen Bundespolitik geprägt sein.
Ein neues Team: Staatssekretärin und Kammer-Aufsteiger
An die Stelle der fünf treten zwei Stellvertreter, die Loyalität und Fachkompetenz vereinen sollen. Als „politische Stellvertreterin“ ist Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl vorgesehen. Die Steirerin gilt als enge Vertraute von Schultz und soll den Draht zur Bundesregierung festigen.
Den zweiten Posten soll der burgenländische Wirtschaftsbund-Obmann Andreas Wirth besetzen. Er repräsentiert die Verbindung zur Basis und gilt als Aufsteiger der neuen Generation. Diese Doppelspitze kombiniert Regierungserfahrung mit kammerinterner Verankerung.
Schultz setzt damit klar auf Expertise und Vernetzung – nicht auf den traditionellen Länderproporz.
Sparziel: 4,2 Millionen Euro und die „schwarze Null“
Hinter den Personalentscheidungen steht ein klares wirtschaftliches Kalkül. Schultz will die Finanzen von Wirtschaftskammer und Wirtschaftsbund sanieren. Für 2026 peilt sie Einsparungen von rund 4,2 Millionen Euro an, um mit einer „schwarzen Null“ abzuschließen.
Die Verkleinerung des Vorstands ist nur der erste Schritt eines umfassenden Sparpakets. Experten erwarten, dass Schultz auch bei Sachausgaben und in den Länderkammern weitere Effizienzpotenziale heben wird. Der Reformkurs dient als Blaupause für die gesamte Kammerorganisation.
Bis zum Herbst will Schultz die Strukturreformen final fixieren. Dabei ist sie auf die Kooperation der gerade entmachteten Landesorganisationen angewiesen – eine diplomatische Herausforderung.
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Bruch mit der Ära Mahrer
Die Umstrukturierung markiert den endgültigen Abschied von der Ära Harald Mahrer. Der frühere Präsident hatte im November 2025 seinen Rückzug angekündigt. Während Mahrer für einen komplexen, konsensorientierten Stil stand, setzt Schultz auf Klarheit und Reduktion.
Innerhalb der ÖVP wird der Umbau mit gemischten Gefühlen beobachtet. Reformbefürworter loben die Entschlossenheit, Kritiker warnen vor zu starker Zentralisierung und einer Entfremdung der Landesorganisationen. Der Rückhalt an der Parteispitze scheint jedoch stabil.
Alles steht auf der Generalversammlung
Nun richtet sich der Blick auf den 17. April. Bei der Generalversammlung wird Schultz nicht nur offiziell zur Präsidentin gewählt, sondern muss ihr Reformteam und ihre Strategie zur Abstimmung bringen. Sie wird detaillierte Pläne für die weitere Strukturreform vorlegen müssen.
Der Fokus liegt auf Digitalisierung der Services für Mitglieder und dem Abbau bürokratischer Hürden. Für die österreichische Wirtschaftspolitik beginnt eine phase der Konsolidierung. Kann Schultz die Länder trotz der Entmachtungen hinter einer Vision vereinen? Die kommenden Monate werden es zeigen.
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