WhatsApp, Verschlüsselung

WhatsApp öffnet sich – und gefährdet seine Verschlüsselung

13.02.2026 - 06:10:12

Der Digital Markets Act zwingt WhatsApp zur Interoperabilität mit anderen Messengern. Dies stellt die legendäre Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor eine historische Bewährungsprobe.

Die als unknackbar geltende Festung von WhatsApp bekommt Risse. Der Grund ist nicht ein Hackerangriff, sondern die Regulierung durch den EU-Digital Markets Act (DMA). Das Gesetz zwingt den Messenger, sein geschlossenes System zu öffnen. Die große Frage: Kann die legendäre Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dabei bestehen bleiben?

Für über zwei Milliarden Nutzer war WhatsApp bisher eine sichere Burg. Jede Nachricht wird automatisch verschlüsselt – selbst der Betreiber Meta kann den Inhalt nicht mitlesen. Doch diese absolute Privatsphäre steht nun auf dem Prüfstand. Die EU will den Wettbewerb fördern und zwingt WhatsApp, Nachrichten von anderen Messengern anzunehmen.

Das Fundament: So funktioniert die WhatsApp-Verschlüsselung

Die Sicherheit des Dienstes basiert auf dem Signal-Protokoll, dem Goldstandard für verschlüsselte Kommunikation. Es arbeitet nach einem simplen, aber effektiven Prinzip:
* Jede Nachricht erhält ein einzigartiges digitales Schloss, bevor sie das Gerät verlässt.
* Nur der vorgesehene Empfänger besitzt den passenden Schlüssel zur Entschlüsselung.
* Dieser Prozess läuft automatisch ab und schützt Texte, Bilder, Videos und Anrufe.

Nutzer können diese Sicherheit sogar überprüfen, indem sie einen QR-Code oder eine 60-stellige Nummer mit ihrem Kontakt abgleichen. Diese Architektur machte WhatsApp zum Synonym für private Kommunikation.

Der DMA: Europas Brechstange für Tech-Giganten

Der Digital Markets Act (DMA) zielt darauf ab, die Macht großer Plattformen wie Meta zu begrenzen. Eine Kernforderung: Messenger-Dienste müssen interoperabel werden. Nutzer sollen also mit Freunden chatten können, ohne dass beide denselben Dienst nutzen müssen.

Für WhatsApp bedeutet das eine technische Revolution. Der Dienst muss Schnittstellen für Drittanbieter schaffen. Meta hat bereits mit der Umsetzung begonnen und arbeitet mit ersten Partnern zusammen. Für Nutzer in der EU wird die Funktion als Opt-in-Lösung eingeführt. Jeder muss aktiv zustimmen, Nachrichten von externen Apps in einem separaten Chat-Bereich empfangen zu wollen.

Der Drahtseilakt: Sicherheit in einem offenen Netzwerk

Die größte Herausforderung ist klar: Wie bleibt eine Nachricht sicher, wenn sie die kontrollierten Grenzen von WhatsApp verlässt? Meta betont, die eigenen Sicherheitsstandards nicht zu schwächen. Die vorgesehene Lösung:
* Drittanbieter müssen das Signal-Protokoll oder einen gleichwertigen Standard nutzen.
* Sie verschlüsseln die Nachrichten, bevor sie an WhatsApp gesendet werden.
* Für Medieninhalte wie Bilder sind die externen Anbieter selbst für die verschlüsselte Speicherung verantwortlich.

Doch Sicherheitsexperten schlagen Alarm. Die Öffnung schaffe neue Einfallstore für Spam und Betrug. Die entscheidende Schwachstelle: WhatsApp hat keine volle Kontrolle über die Sicherheit der fremden Apps. Kann der Nutzer dem Drittanbieter wirklich vertrauen?

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Ein Paradigmenwechsel mit Risiken

Die erzwungene Öffnung markiert einen Wendepunkt für die gesamte Messenger-Branche. Die Ära der geschlossenen „Walled Gardens“ neigt sich dem Ende zu. Während Verbraucherschützer die stärkere Wettbewerbsorientierung begrüßen, fordern sie von der EU-Kommission klare technische Vorgaben. Nur so ließe sich verhindern, dass das Datenschutzniveau insgesamt sinkt.

Meta selbst räumt die Schwierigkeiten ein. Ein offenes Netzwerk im gleichen Tempo weiterzuentwickeln und abzusichern wie ein geschlossenes, sei eine enorme Aufgabe. Die Verantwortung für die Sicherheit der Kommunikation wird nun geteilt – ein Präzedenzfall, der auch andere Tech-Giganten betreffen könnte.

Was kommt auf die Nutzer zu?

Die Interoperabilität wird schrittweise eingeführt. Nutzer in Europa erhalten in den kommenden Monaten Benachrichtigungen in der App. Zunächst wird die Funktion auf Einzelchats beschränkt sein und Text, Bilder, Videos und Dateien umfassen. Gruppenchats sollen später folgen.

Gleichzeitig arbeitet WhatsApp an neuen Sicherheitstools. Getestet wird etwa eine „Strict Account Security“-Option, mit der Nutzer die strengsten Datenschutzeinstellungen per Klick aktivieren können. Für die Nutzer beginnt eine neue Ära: Sie gewinnen mehr Wahlfreiheit, müssen sich aber auch bewusster mit den Sicherheitseinstellungen und den Unterschieden zwischen internen und externen Chats auseinandersetzen.

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