Weckruf, Zeitenwende

Weckruf zur digitalen Zeitenwende: Deutschland soll „Digital Only“ werden

05.02.2026 - 18:22:11

Eine breite Allianz aus Wirtschaft und Politik drängt auf ein gesetzlich verankertes Digital Only-Prinzip, um Deutschlands Bürokratie aus der analogen Spirale zu befreien.

Eine breite Allianz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft fordert einen radikalen Neustart für die digitale Verwaltung. Kern ist ein gesetzlich verankertes „Digital Only“-Prinzip, das digitale Anträge zum Standard macht. Die Initiative aus Bayern will Deutschlands Bürokratie aus der „analogen Spirale“ befreien.

Breites Bündnis für den digitalen Staat

Der Vorstoß kommt zum richtigen Zeitpunkt. Eine repräsentative Bitkom-Studie zeigte im Dezember: Für die Bevölkerung ist die digitale Verwaltung die wichtigste digitale Politikaufgabe. Getragen wird der „Weckruf zur digitalen Zeitenwende“ von Digitalminister Dr. Fabian Mehring (Bayern) und einem starken Bündnis. Zehn namhafte Institutionen – darunter Tech-Unternehmen und Verbände – unterstützen die Forderung. Prominente Fürsprecher sind Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, und Boris Hecker, Bitkom-Landeschef in Bayern. Sie senden ein klares Signal an die Politik: Wirtschaft und Gesellschaft sind bereit für den digitalen Sprung.

Vom Papierkrieg zum digitalen Standard

Das Ziel ist ein Paradigmenwechsel. Bisher sind digitale Dienste oft nur eine Alternative zum Papierweg. Künftig soll die digitale Interaktion mit Behörden der Regelfall sein. „Wir müssen der Digitalisierung in der gesamten Republik Vorfahrt gewähren“, so die Initiatoren. Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Anträge primär digital eingereicht werden. Gleichzeitig sollen persönliche Anlaufstellen erhalten bleiben, um niemanden abzuhängen. Diese Doppelstrategie soll Bürokratie abbauen, Bearbeitungszeiten verkürzen und den Service für Bürger und Unternehmen verbessern.

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Warum ein radikaler Neuanfang nötig ist

Deutschlands Digitalisierung der Verwaltung kommt seit Jahren nur schleppend voran. Trotz Milliardeninvestitionen und Programmen wie dem Onlinezugangsgesetz (OZG) hinkt das Land international hinterher. Die Initiatoren argumentieren: Kleine Schritte reichen nicht mehr. „Eine innovative Verwaltung ist ein harter Standortfaktor im Hier und Jetzt“, betont Minister Mehring. Es brauche einen fundamentalen Kulturwandel in den Behörden. Statt analoge Abläufe nur zu digitalisieren, müssten Prozesse von Grund auf digital gedacht werden. Nur so ließen sich spürbare Fortschritte erzielen.

Der föderale Hürdenlauf beginnt

Die Idee stammt aus Bayern, die Umsetzung muss bundesweit erfolgen. Die Digitalministerkonferenz (DMK) unterstützte den Vorstoß Ende 2025 einstimmig. Doch die Herausforderungen im föderalen System sind enorm. Ein „Digital Only“-Gesetz muss in 16 Ländern mit unterschiedlich digitalisierten Verwaltungen umgesetzt werden. Experten betonen: Der Erfolg hängt von einer starken Koordination des Bundes ab, um Rechtsrahmen und Technikstandards zu vereinheitlichen. Nötig sind massive Investitionen in Infrastruktur, Cybersicherheit und die Fortbildung von Beamten. Der politische und logistische Aufwand für die Modernisierung einer der größten Verwaltungen Europas ist gewaltig.

Was kommt jetzt?

Mit der breiten Unterstützung im Rücken geht der Weckruf nun in die politische Umsetzung. Als nächster Schritt müssen konkrete Gesetzesentwürfe auf Landes- und Bundesebene erarbeitet werden. Ein Zeitplan für die Einführung steht noch nicht fest. In den kommenden Monaten wird es darum gehen, weiteren politischen Rückenwind zu generieren und Bedenken zu Themen wie digitale Teilhabe und Datensicherheit auszuräumen. Gelingt der Wurf, könnte dies der entscheidende Impuls sein, um den digitalen Staat in Deutschland endlich Realität werden zu lassen.

@ boerse-global.de