Warnstreiks, Dienst

Warnstreiks legen öffentlichen Dienst lahm

11.02.2026 - 17:31:12

Die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder beginnt unter Streikdruck. Gewerkschaften fordern 7% mehr Gehalt, die Arbeitgeber verweisen auf leere Kassen.

Die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder beginnt heute in Potsdam unter massivem Druck. Die Gewerkschaften haben mit bundesweiten Warnstreiks und Großdemonstrationen ihre Forderung nach einer deutlichen Gehaltserhöhung untermauert.

Dritter Anlauf unter Streikdruck

Die Lage ist angespannt, als die Tarifparteien heute in Potsdam zum dritten Verhandlungsmarathon zusammentreten. Am Vortag hatten zehntausende Beschäftigte aus Bildung, Verwaltung und Universitätskliniken die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaften GEW, ver.di und die Polizeigewerkschaft GdP wollen so ein klares Signal setzen: Ohne ein substantielles Angebot der Arbeitgeber wird es keine Einigung geben. Die vorherigen zwei Runden waren ergebnislos geblieben.

Die größte Demonstration mit über 16.000 Teilnehmern fand in Düsseldorf statt. Auch in Hamburg, dem Saarland, Niedersachsen und Bremen kam es zu Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen. In Nordrhein-Westfalen waren neben Schulen und Hochschulen sogar die Leitstellen großer Straßentunnel betroffen.

Forderungen versus leere Kassen

Im Kern fordern die Gewerkschaften für die rund 2,6 Millionen Beschäftigten der Länder eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 300 Euro mehr im Monat. Der Abschluss soll zwölf Monate gelten. Besonders wichtig ist der GEW zudem ein erster Tarifvertrag für studentische Beschäftigte.

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die alle Bundesländer außer Hessen vertritt, hält dagegen. Sie verweist auf angespannte Landeshaushalte und brachte in der letzten Runde nur ein vages „Korridormodell“ ins Spiel: Geringe Erhöhungen knapp über der Inflationsrate – gestreckt bis März 2028. Für die Gewerkschaften ist dieses Angebot inakzeptabel. Es zementiere Reallohnverluste und löse das gravierende Personalproblem nicht.

GEW warnt vor Bildungsnotstand

Die Bildungsgewerkschaft GEW schlägt besonders Alarm. Ein Scheitern der Verhandlungen würde den bereits dramatischen Fachkräftemangel an Schulen und Hochschulen weiter verschärfen. Attraktive Gehälter und gute Arbeitsbedingungen seien existenziell, um Nachwuchs zu gewinnen und Qualität zu sichern.

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Die Andeutung der Arbeitgeber, höhere Gehälter müssten an anderer Stelle im Bildungsetat eingespart werden, wies die GEW als „moralische Erpressung“ zurück. Auch bei der Eingruppierung von Lehrkräften und beim Tarifvertrag für Studierende sieht die Gewerkschaft dringenden Handlungsbedarf, der von der TdL auf die lange Bank geschoben werde.

Showdown mit ungewissem Ausgang

Die Verhandlungen in Potsdam sind ein Ringen um zwei grundverschiedene Positionen. Die Länder sehen ihre finanziellen Spielräume durch Pandemiefolgen und Konjunkturabschwung ausgeschöpft. Personalkosten verschlängen bereits die Hälfte der Steuereinnahmen.

Die Gewerkschaften kontern mit dem Hinweis auf hunderttausende unbesetzte Stellen im öffentlichen Dienst. Ohne konkurrenzfähige Gehälter sei die Funktionsfähigkeit des Staates in Gefahr. Die hohe Inflation der vergangenen Jahre habe zu spürbaren Reallohnverlusten geführt.

Sollte die dritte Runde bis Freitag ohne brauchbares Angebot enden, droht eine weitere Eskalation der Warnstreiks. Die Gewerkschaften haben ihre Mobilisierungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Ob in Potsdam ein Kompromiss gelingt oder der Weg in eine vierte Runde oder sogar zum Scheitern führt, wird die Zukunft des öffentlichen Dienstes in Deutschland maßgeblich prägen.

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