Wachstumschancengesetz, Wirkungskraft

Wachstumschancengesetz: Wirtschaft zweifelt an Wirkungskraft

05.02.2026 - 03:11:12

Das reduzierte Wachstumschancengesetz mit steuerlichen Anreizen und E-Rechnungspflicht stößt auf breite Kritik. Wirtschaftsverbände und Experten bezweifeln, dass es die nötigen Investitionen bis 2026 anstoßen kann.

Trotz Inkrafttretens reißt die Kritik am deutschen Wachstumschancengesetz nicht ab. Experten bezweifeln, dass die verbliebenen Maßnahmen ausreichen, um bis 2026 die nötigen Investitionsimpulse zu setzen. Das Gesetz gilt vielen als zu kleinteilig und bürokratisch.

Vom großen Wurf zum „Gesetzchen“

Ursprünglich mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro geplant, schrumpfte das Vorhaben nach zähem Ringen im Vermittlungsausschuss auf etwa 3,2 Milliarden Euro. Der im März 2024 beschlossene Kompromiss ließ zentrale Bausteine wie die geplante Klimaschutz-Investitionsprämie ersatzlos streichen. Übrig blieb ein Bündel von Einzelmaßnahmen, das von Kritikern schon bald als wirkungsloses „Gesetzchen“ abgetan wurde.

Die Kernmaßnahmen im Detail

Im Zentrum stehen steuerliche Anreize. Dazu zählt die befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter für Anschaffungen zwischen April und Dezember 2024. Für neue Wohngebäude gilt eine degressive Abschreibung von fünf Prozent.

Weitere Punkte sind eine verbesserte Sonderabschreibung nach § 7g EStG mit erhöhter Investitionssumme und höhere Grenzen für die Buchführungspflicht, die vor allem KMU entlasten sollen. Die Schwelle für die Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer wurde von 600.000 auf 800.000 Euro Jahresumsatz angehoben. Ein Digitalisierungstreiber ist die schrittweise E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich ab 2025.

Anzeige

Unternehmer verschenken oft hohe Steuervorteile, weil sie Abschreibungsregeln nicht konkret anwenden — gerade seit dem Wachstumschancengesetz mit befristeter degressiver AfA (April–Dezember 2024) und angepassten Sonderabschreibungen. Der 19-seitige PDF-Leitfaden „Abschreibung von A–Z“ erklärt praxisnah, wie Sie degressive AfA, §7g-Sonderabschreibungen und weitere Änderungen nutzen, um Liquidität zu verbessern und Investitionen steuerlich zu optimieren. Jetzt Abschreibungs-Report sichern

Wirtschaftsverbände: „Entlastung kommt nicht an“

Die Resonanz aus der Wirtschaft ist verhalten bis ablehnend. Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) sprach kurz nach der Verabschiedung von nur „winzigen Entlastungen“. Der große Befreiungsschlag für den Standort bleibe aus.

Kritiker monieren, dass wirkungsvolle Vorhaben wie die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 800 auf 1.000 Euro gestrichen wurden. Das Paket adressiere die fundamentalen Probleme – hohe Energiekosten, Bürokratie und Fachkräftemangel – nicht. Die Maßnahmen seien zu zaghaft, um die Investitionstätigkeit nachhaltig zu stärken.

Politischer Kompromiss als Bremsklotz

Die finale Form ist das Ergebnis eines politischen Tauziehens. Der ursprüngliche Entwurf scheiterte im Bundesrat am Widerstand unionsgeführter Länder, die Steuerausfälle für ihre Haushalte fürchteten. Der gefundene Kompromiss stellt zwar eine Einigung dar, verfehlt aber nach allgemeiner Einschätzung sein Kernziel: die grundlegende Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Besonders schmerzhaft ist der Wegfall der Klimaschutz-Investitionsprämie. Sie sollte die Transformation zur Klimaneutralität beschleunigen und steuerliche Anreize für saubere Technologien setzen. Ihr Fehlen schwächt die Innovationsförderung erheblich.

Reichen die Impulse für 2026?

Die Zweifel sind groß. Die zeitlich eng befristeten steuerlichen Anreize könnten eher kurzfristige Mitnahmeeffekte auslösen als eine langfristig höhere Investitionsquote. Die schrittweise E-Rechnungspflicht bedeutet für viele KMU zunächst einmal zusätzlichen Aufwand.

Wirtschaftsexperten sehen das Gesetz überwiegend als ersten, aber unzureichenden Schritt. Für eine robuste Wirtschaft bis 2026 seien strukturelle Reformen bei Bürokratie, Energiekosten und Steuerpolitik unumgänglich. Die anhaltende Kritik dürfte die Debatte über weitere, mutigere Maßnahmen in den kommenden Monaten weiter anheizen.

Anzeige

PS: Unsicher, welche Abschreibungs-Regelungen Ihrem Unternehmen jetzt wirklich nützen? Der kostenlose Spezial-Report „Abschreibung von A–Z“ fasst alle relevanten Änderungen des Wachstumschancengesetzes zusammen — inklusive konkreter Beispiele zur degressiven AfA, praktischer Umsetzungstipps für KMU und Checklisten zur sofortigen Anwendung. Perfekt, um Investitionsentscheidungen steuerlich abzusichern. Jetzt kostenlosen Spezial-Report herunterladen

@ boerse-global.de