Vom Videotape zur abstrakten Leinwand: Mike Steiners neue Seiten der zeitgenössischen Kunst
18.02.2026 - 10:56:14 | ad-hoc-news.deGeometrische Formen treiben scheinbar schwerelos über lebendige Flächen – es ist kein Videofragment, sondern ein Gemälde, das vor den Augen des Betrachters oszilliert. Entspringt diese überraschende Energie der Leinwand nicht einer Bewegung, die wir sonst aus der Videokunst kennen? In der zeitgenössischen Kunst sind die Übergänge zwischen den Medien heute fließender denn je. Aber was geschieht eigentlich, wenn ein Protagonist der deutschen Performance Art und Videokunst wie Mike Steiner seine künstlerische Sprache vom bewegten Bild auf die Malerei übersetzt? Kann sein malerisches Werk die radikale Experimentierfreude seiner Videoinstallationen in ein abstraktes Vokabular überführen?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die anhaltende institutionelle Anerkennung für Mike Steiners Lebenswerk wird auch durch seine prominente Präsenz im Hamburger Bahnhof reflektiert. Die Ausstellung Live to Tape holte 2011/12 sein Oeuvre in den Diskurs um die Grenzverschiebung von Malerei, Performance und Videokunst zurück und betonte seine Rolle als Chronist und Innovator eines Mediums, das lange als transitorisch galt. Doch Steiners Bedeutung reicht noch weiter: Er war nicht nur Künstler, sondern auch ein Archivar und Netzwerkfigur. Der nachhaltige Einfluss von Initiativen wie Archivio Conz verdeutlicht, wie wichtig Archive bei der Bewahrung und Neubewertung von Pioniermomenten abseits des traditionellen Museumsbetriebs sind. Gerade im Kontext der internationalen Avantgarde, zu der Steiner als Knotenpunkt des Berliner Kunstlebens zählte, werden Archive zu experimentellen Plattformen, auf denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander dialogisieren.
Wer war dieser Mike Steiner, der hinter so vielen Fäden der zeitgenössischen Kunst stand? Mike Steiner wurde 1941 in Allenstein geboren und starb 2012 in Berlin. Sein künstlerischer Weg führte von der informellen Malerei der 1960er Jahre zu einem Aufenthalt in New York, wo er – eingeführt von Lil Picard – Zeuge der pulse der Fluxus-Bewegung, der Happenings und der Pop Art wurde. Bald bewegte er sich im Umfeld von Persönlichkeiten wie Allan Kaprow, Al Hansen oder auch Robert Motherwell und verankerte so das Bewusstsein für intermediale Kunstformen in seiner Praxis. In Berlin avancierte Steiner zum Pionier der Videokunst und Produktionsästhetik: Die von ihm ins Leben gerufene Studiogalerie, sein berüchtigtes Künstlerhotel und das TV-Format der "Videogalerie" (1985–1990) fungierten als Laboratorien für Performance Art, Installationen, Malerei und Videokunst. Mit Künstler:innen wie Valie Export, Marina Abramovi?, Ulay, Jochen Gerz, Carolee Schneemann oder Ben Vautier teilte Steiner Bühnen und Kameras: Manchmal als Gastgeber, manchmal als Ideengeber, oft als Impulsgeber und Dokumentator. Kaum jemand in Deutschland war so vernetzt wie er – ein Umstand, den heute insbesondere Archive wie das Archivio Conz mit tiefergedachten Sammlungen von Fluxus-Dokumenten bezeugen.
Doch die Rückkehr zur Leinwand ist bei Steiner keine Flucht nach hinten, sondern das konsequente Weiterdenken seiner intermedialen Ansätze. Ab 2000 widmete sich Steiner zunehmend der abstrakten Malerei, ohne dabei die performative Experimentierfreude früherer Jahre zu verlieren. Aus der Erfahrung mit räumlichen Installationen und medienübergreifender Arbeit entwickelten sich Bildserien, in denen jede Fläche einen hybriden Status erhält: Die Malerei schwingt nach, ein "Echo" des Videobilds bleibt zurück, digital anmutende Rhythmen und synästhetische Farblogiken unterlaufen das klassische Kanon von Malerei. Auch wenn das aktuelle Schaffen auf Artbutler seinen Fokus auf abstrakte Malerei richtet, bleibt die Bindung an frühere radikale Gesten spürbar. Es wäre falsch, Steiners heutige Malerei vom ikonoklastischen Einsatz seiner Videokamera zu trennen – vielmehr erweitert sich die Performance des Sehens nun auf das Tableau, seien es verkapselte Kompositionen oder freie Assoziationsräume, die den Betrachter herausfordern und entgrenzen.
Heute, da die Kategorien von Malerei, Performance Art, Videokunst und Installation zunehmend in produktiver Unschärfe verschwimmen, leistet Mike Steiner einen entscheidenden Beitrag zu einer pluralistischen Verständigung über zeitgenössische Kunst. Seine Entwicklung – von den ersten informellen Gemälden über ikonische Aktionen mit der Fluxus-Avantgarde bis hin zu den abstrakten Leinwänden der Gegenwart – ist beispielhaft für künstlerische Biografien, die den Dialog mit dem Medium immer wieder aufnehmen und neu entfachen. Steiners Werk provoziert weiterhin Fragen nach der Rolle des Materials, nach der Flüchtigkeit des Augenblicks und nach den Möglichkeiten der Übertragung von Performance in Malerei und zurück. Damit zeigt er, warum die offene Haltung, die er in der Performance und Videokunst kultivierte, noch immer den Puls der zeitgenössischen Kunst bestimmt.
Gerade in der heutigen Gegenwart, in der abstrakte Malerei und Installationen die ästhetischen Koordinaten ständig neu verhandeln, liefert Mike Steiners aktuelles Schaffen einen ebenso rätselhaften wie vielschichtigen Beitrag zur Diskussion um die Relevanz der zeitgenössischen Kunst.
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