Vietnam, Handy-Registrierung

Vietnam führt biometrische Handy-Registrierung ein

31.01.2026 - 17:13:12

Ab März 2026 müssen über 100 Millionen Handynutzer in Vietnam ihre SIM-Karten per Gesichtsverifikation registrieren. Die Maßnahme zielt darauf ab, Betrug mit anonymen Karten zu bekämpfen und ist Teil einer umfassenden Digitalisierungsstrategie.

Vietnam verpflichtet über 100 Millionen Mobilfunknutzer zur biometrischen Gesichtsverifikation – ein radikaler Schritt gegen Betrug und unregistrierte SIM-Karten.

Hanoi – Ab März 2026 wird in Vietnam jeder Handyvertrag an einen biometrischen Identitätsnachweis geknüpft. Das Wissenschaftsministerium hat einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, der die Telekommunikation grundlegend verändern soll. Ziel ist es, die wuchernde Betrugswelle durch gefälschte oder anonyme SIM-Karten endgültig zu stoppen.

Vom Einmal-Check zur lückenlosen Überwachung

Bislang reichte in Vietnam eine einmalige Registrierung beim Kauf der SIM-Karte. Diese Lücke nutzten Kriminelle systematisch: Sie kauften legal registrierte Karten in großen Stückzahlen und nutzten sie für Betrug, Spam-Anrufe oder den Diebstahl von Bank-Zugangsdaten.

Die neue Regelung schließt dieses Schlupfloch. Künftig muss sich jeder Nutzer mit Gesichtserkennung erneut authentifizieren, sobald er seine SIM-Karte in ein neues Gerät einlegt. „Das ist ein lebenszyklusbasierter Ansatz, der die Lieferkette für betrügerische SIM-Karten unterbricht“, erklärt ein Cybersicherheitsexperte. Die Identität des Nutzers wird damit fortlaufend überprüft – nicht nur bei der Erstaktivierung.

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Drei Wege zur Verifikation

Die biometrische Prüfung erfolgt über die nationale digitale Identitätsinfrastruktur „Projekt 06“. Die Gesichtsdaten werden mit vier Kerndaten aus dem nationalen Bevölkerungsregister abgeglichen: Personalausweisnummer, vollständiger Name, Geburtsdatum und biometrisches Gesichtsprofil.

Die Regierung bietet drei Verifikationswege an:
1. Online über die nationale VNeID-App
2. Über die Apps oder Webseiten der Mobilfunkanbieter
3. Persönlich in den Servicecentern der Netzbetreiber

Für ältere Menschen oder Bewohner entlegener Regionen ohne Smartphone-Zugang sollen die Netzbetreiber mit der örtlichen Polizei zusammenarbeiten, um Unterstützung vor Ort zu leisten.

Strikte Sicherheitsvorgaben und harte Konsequenzen

Die Technologie muss hohen internationalen Standards genügen und über eine Presentation Attack Detection (PAD) verfügen. Dieses System erkennt und blockiert Spoofing-Angriffe mit Deepfakes, Fotos, Videos oder 3D-Masken. Jede erfolgreiche Verifikation wird zeitgenau protokolliert.

Wer die biometrische Überprüfung verweigert, muss mit drastischen Maßnahmen rechnen: Zuerst wird der Dienst einseitig gesperrt – nur noch eingehende Anrufe und Nachrichten sind möglich. Bleibt die Identität unbestätigt, folgt die vollständige Kündigung des Vertrags, die Deaktivierung der Rufnummer und ihre Rückgabe an den Pool.

Teil einer nationalen Digitalisierungs-Offensive

Die Handy-Verifikation ist nur ein Baustein einer umfassenden Strategie. Bereits im Bankensektor ist die biometrische Authentifizierung für hohe Online-Transaktionen Pflicht. Eine jüngste Richtlinie verlangt zudem die Identitätsprüfung für Social-Media-Nutzer, um anonyme Accounts auszuschalten.

Durch die Verknüpfung von Telekommunikation, Bankwesen und sozialen Medien mit einer zentralen biometrischen Datenbank will Vietnam einen sicheren digitalen Raum schaffen. Die Herausforderung für die Netzbetreiber ist enorm: Sie müssen die Technologie implementieren und sensible biometrische Daten von über 100 Millionen Nutzern sicher verwalten. Ab März 2026 wird sich zeigen, ob dieser ambitionierte Plan die erhoffte Sicherheit bringt.

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