Verizon, Handy-Entsperrung

Verizon beendet automatische Handy-Entsperrung nach 60 Tagen

14.01.2026 - 22:16:12

Die US-Aufsicht FCC genehmigte die Abschaffung der automatischen Gerätefreischaltung. Hintergrund ist ein massiver Betrug mit subventionierten Smartphones, der Verizon hohe Verluste brachte.

Verizon schafft eine einzigartige Verbraucherregel ab: Neue Smartphones werden nicht mehr automatisch nach 60 Tagen netzunabhängig. Die US-Aufsichtsbehörde FCC genehmigte den Schritt mit Verweis auf massiven Gerätebetrug. Für Kunden bedeutet das weniger Flexibilität beim Anbieterwechsel oder auf Reisen.

Die Änderung tritt sofort für neu aktivierte Geräte in Kraft. Sie beendet eine verbraucherfreundliche Praxis, die Verizon seit 2008 von der FCC auferlegt wurde. Statt automatischer Freischaltung nach 60 Tagen gilt nun eine obligationsbasierte Sperre. Geräte bleiben gesperrt, bis sie vollständig abbezahlt sind – bei Vertragslaufzeiten von bis zu 36 Monaten. Prepaid-Handys können bis zu ein Jahr gesperrt bleiben.

FCC begründet Entscheidung mit Betrugswelle

Die Aufsichtsbehörde folgte Verizons Argumentation, die alte Regel habe kriminelle Netzwerke begünstigt. Diese hätten subventionierte Smartphones erworben, die automatische Entsperrung abgewartet und die Geräte dann auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft – häufig in Länder wie Russland oder China.

Die Dimensionen sind enorm: Verizon meldete für 2023 einen Verlust von rund 784.000 Geräten durch Betrug. Der finanzielle Schaden belief sich auf Hunderte Millionen Euro. Das Problem verschärfte sich nach der Übernahme des Prepaid-Anbieters TracFone 2021, als die 60-Tage-Regel auf Millionen neuer Kunden ausgedehnt wurde. Die Betrugsfälle stiegen damals um 55 Prozent.

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Vom Automatismus zur manuellen Freigabe

Für Verbraucher bedeutet der Wechsel den Verlust von Flexibilität. Bisher wurden alle Geräte nach 60 Tagen automatisch freigeschaltet – unabhängig vom Zahlungsstatus. Das ermöglichte einfaches Wechseln des Anbieters, Reisen mit lokalen SIM-Karten oder den Weiterverkauf.

Nun orientiert sich Verizon an den freiwilligen Richtlinien des Branchenverbands CTIA. Die neue Praxis gleicht der von Konkurrenten wie AT&T und T-Mobile. Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für Kunden fällt damit weg. Die Regelung gilt nicht rückwirkend: Vor dem 12. Januar 2026 aktivierte Geräte werden weiterhin automatisch nach 60 Tagen entsperrt.

Das Ende einer regulatorischen Ausnahme

Die 60-Tage-Regel war ursprünglich keine freiwillige Kundengabe. Die FCC hatte sie Verizon 2008 als Auflage für den Erwert wertvoller 700MHz-Frequenzen gemacht. Diese waren entscheidend für den Ausbau des 4G LTE-Netzes. Die Bedingung wurde 2021 bei der TracFone-Übernahme bekräftigt.

Jahrelang bot Verizon damit mehr Gerätefreiheit als alle großen Konkurrenten. 2025 beantragte der Konzern die Aufhebung der Auflage. Die Begründung: Aus der Verbraucherregel sei ein Sicherheitsrisiko geworden. Die FCC folgte dieser Argumentation und schafft damit eine einzigartige Marktasymmetrie ab.

Zwischen Sicherheit und Kundenbindung

Kritiker sehen hinter der offiziellen Betrugsbegründung auch geschäftliche Interessen. Verizon verzeichnete 2025 erhebliche Kundenabgänge im Vertragsgeschäft. Die neue Sperrpolitik erschwert den Wechsel zu Konkurrenten erheblich.

Kunden, die ihr Gerät vorzeitig mitnehmen wollen, müssen nun warten, bis es vollständig abbezahlt ist. Das schafft eine Art Lock-in-Effekt über die Vertragslaufzeit. Betroffen sind auch Vielreisende und Nutzer innovativer Dienste wie satellitengestützter Konnektivität, die oft ein entsperrtes Gerät voraussetzen.

Die FCC deutete an, künftig branchenweite Entsperrregeln zu prüfen. Vorerst jedoch setzt sich der Trend zu längeren Sperrfristen durch. Die unmittelbare Folge ist eine Angleichung der US-Mobilfunkbranche – auf Kosten der Verbraucherflexibilität.

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