Verdi-Warnstreik, Nahverkehr

Verdi-Warnstreik legt Montag den Nahverkehr lahm

31.01.2026 - 10:09:11

Ein bundesweiter Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr führt am 2. Februar zu massiven Behinderungen. Im Fokus steht der Tarifkonflikt um Arbeitsbedingungen und umstrittene Notdienstvereinbarungen.

Deutschlands Pendler müssen sich am Montag auf massive Behinderungen einstellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat für den 2. Februar einen bundesweiten Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr ausgerufen. Während Busse und Bahnen stillstehen, tobt im Hintergrund ein erbitterter Streit um die Notdienstvereinbarungen.

Bundesweiter Stillstand erwartet

Ab Betriebsbeginn am Montagmorgen sollen U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse in fast allen Bundesländern bis zum Schichtende ruhen. Der Streik betrifft nach Gewerkschaftsangaben über 130 kommunale Unternehmen und rund 90.000 Beschäftigte. Schwerpunkte sind die großen Ballungsräume wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Stuttgart.

Im Fokus der Aktion steht die Tarifrunde für den Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N). Verdi fordert bundesweit bessere Arbeitsbedingungen: kürzere Wochenarbeitszeiten, mehr Urlaub und längere Ruhezeiten zwischen den Schichten. In einigen Ländern wie Brandenburg, Saarland und Thüringen geht es auch um deutliche Gehaltserhöhungen.

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Ausgenommen ist lediglich Niedersachsen, wo eine Friedenspflicht gilt. Auch der Fern- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn – einschließlich einiger S-Bahn-Netze – ist nicht bestreikt. Diese Züge werden jedoch extrem überfüllt sein.

Zankapfel Notdienst: Was ist „unverzichtbar“?

Ein zentraler Streitpunkt im Vorfeld sind die Notdienstvereinbarungen. Sie sollen sicherstellen, dass während des Streiks zumindest ein Grundangebot für Schüler oder den Weg zu medizinischen Einrichtungen aufrechterhalten wird. Doch was genau als „unverzichtbar“ gilt, ist häufig umstritten.

In mehreren Kommunen gab es bereits heftige Diskussionen. In Bremen etwa stritten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft über den Umfang des Notfahrplans für die Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Während die Unternehmen die wirtschaftlichen Folgen begrenzen wollen, argumentieren die Gewerkschaften: Ein zu umfangreicher Notdienst untergrabe die Wirkung des Streiks als Druckmittel.

Eine Schlüsselrolle spielen hier die Betriebsräte. Sie müssen einen Balanceakt vollführen: Einerseits das Streikrecht der Kollegen schützen, andererseits ihre Mitbestimmungsrechte bei der Sicherheit und Organisation des Rumpfbetriebs wahrnehmen. Versucht ein Arbeitgeber, einen Notdienst einseitig durchzusetzen, drohen rechtliche Konflikte.

Gewerkschaft: „Druck ist unerträglich“

Verdi-Vize Christine Behle begründete den Streik am Freitag mit der prekären Personalsituation. „Der Druck auf die Beschäftigten ist unerträglich geworden“, so Behle. Der Personalmangel und straffe Fahrpläne trieben die Mitarbeiter aus dem Beruf. Die Arbeitgeber hätten bisher keine konstruktiven Angebote vorgelegt, die diese Arbeitsbedingungen entlasten.

Die kommunalen Arbeitgeberverbände (KAV) halten die Forderungen für finanziell nicht tragbar. Die geforderte Arbeitszeitverkürzung würde Tausende neue Fahrer erfordern, die auf dem angespannten Arbeitsmarkt nicht zu finden seien. Die Folge wären dauerhafte Angebotskürzungen, so die Warnung.

Chaos für Pendler: Alternativen sind rar

Für Montag sollten Pendler frühzeitig auf Alternativen umsteigen. In Frankfurt und Berlin etwa fahren zwar Regionalzüge und die S-Bahn der Deutschen Bahn, doch die Verbünde RMV und VBB warnen vor extremem Gedränge.

Auch der Schülerverkehr ist stark betroffen. In Nordrhein-Westfalen, etwa in Mönchengladbach und Viersen, können Schulbusse nicht garantiert werden. Eltern wurden aufgefordert, den Transport ihrer Kinder selbst zu organisieren.

Droht ein längerer Arbeitskampf?

Der Warnstreik am Montag gilt als scharfe Mahnung vor möglichen unbefristeten Streiks, sollten die nächsten Verhandlungsrunden scheitern. Die Rhetorik beider Seiten hat sich bereits verhärtet.

Sollte es in den kommenden Wochen keine Einigung geben, könnte der Konflikt um die Notdienste eskalieren. Die Gewerkschaften würden dann wohl noch restriktiver bei der Vereinbarung von Notfahrplänen sein. Die Arbeitgeber könnten versuchen, per Eilantrag Mindestdienstgrade durchzusetzen – was weitere Rechtsstreits über das Streikrecht in der Daseinsvorsorge auslösen würde.

Die Folgen des Streiktages werden sich voraussichtlich noch bis in den Dienstagmorgen ziehen, bis der Betrieb wieder normal läuft. Für viele Pendler beginnt die Woche mit einer Geduldsprobe.

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