Verdi-Eskalation: Neue Streikwelle lähmt Verkehr
22.02.2026 - 12:09:12 | boerse-global.deDeutschland steht eine weitere Woche mit massiven Verkehrs- und Infrastruktureinbrüchen bevor. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ihre laufenden Arbeitskämpfe deutlich verschärft und für Montag und Dienstag neue, gezielte Warnstreiks angekündigt. Der Fokus liegt auf der Autobahn GmbH und dem Nahverkehr in Hessen – mit spürbaren Folgen für Millionen Pendler und die Logistikbranche.
Autobahnen im Norden und Westen betroffen
Die folgenreichsten Einschränkungen drohen durch die Streiks bei der Autobahn GmbH, die das deutsche Autobahnnetz verwaltet. Die Gewerkschaft hat koordinierte Arbeitsniederlegungen in allen zehn Niederlassungen und der Berliner Zentrale aufgerufen.
Den Auftakt macht am Montag das Streikzentrum im Elbtunnel auf der A7 in Hamburg. Laut Verdi wird dort je eine von drei Röhren pro Richtung gesperrt, was massive Staus im Norden erwarten lässt. Schwerlasttransporte über die Norderelbbrücke (A1) werden in den Nacht- und Frühschichten von Sonntag bis Dienstag gestoppt – bis zu 25 Spezialtransporte pro Nacht fallen aus.
Am Dienstag weitet sich die Aktion aus: Auch Tunnel-Leitstellen in Nordrhein-Westfalen, etwa in Hamm und Duisburg, sowie das Verkehrsmanagementzentrum in Leverkusen werden bestreikt. Notdienstvereinbarungen sollen die Grundsicherheit gewährleisten, doch die Kapazität des Netzwerks wird deutlich sinken.
Hessens Nahverkehr steht still
Parallel dazu kommt der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in Hessen am Dienstag bundesweit zum Erliegen. Verdi hat einen ganztägigen Warnstreik im gesamten Landesnahverkehr ausgerufen. Das bedeutet: In Städten wie Frankfurt am Main, Wiesbaden, Kassel, Gießen und Marburg fahren voraussichtlich weder Busse noch Straßenbahnen oder U-Bahnen.
Die Strategie der Gewerkschaft ist klar: Durch die Synchronisation der hessischen Nahverkehrs-Streiks mit den bundesweiten Autobahn-Aktionen wird die wirtschaftliche und öffentliche Wirkung maximiert. Sowohl kommunale als auch bundeseigene Arbeitgeber sollen so den operativen Hebel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst spüren.
Worum es im Tarifstreit wirklich geht
Auslöser der Streikwelle ist eine festgefahrene Tarifrunde. Für die rund 15.000 Beschäftigten der Autobahn GmbH endete die zweite Verhandlungsrunde ergebnislos. Die Gewerkschaft lehnte das erste Angebot der Arbeitgeber ab, das einen 29-monatigen Vertrag ohne Mindestschutz für untere Entgeltgruppen vorsah.
Verdi fordert stattdessen eine Lohnerhöhung von sieben Prozent mit einer monatlichen Garantiesumme von mindestens 300 Euro – und das bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten. Für Auszubildende gelten ähnliche Forderungen.
Als Hauptargument führt die Gewerkschaft den eklatanten Personalmangel an. Bei der Autobahn GmbH sind derzeit etwa 1.000 Stellen unbesetzt. Ohne attraktive Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen, so die Gewerkschaft, sei der Personalnotstand nicht zu lösen. Im Nahverkehr fordern die Beschäftigten zudem kürzere Wochenarbeitszeiten, längere Ruhezeiten zwischen Schichten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.
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Wirtschaftliche Folgen und weitere Eskalation
Die Streiks sind Teil einer seit Januar anhaltenden Welle von Arbeitskämpfen im öffentlichen Dienst. Die Strategie der Gewerkschaften ist dabei hochgradig effizient: Durch gezielte Streiks an neuralgischen Punkten wie Tunnel-Leitzentralen oder Verkehrsknotenpunkten wird mit verhältnismäßig wenigen Streikenden eine maximale Wirkung erzielt.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind erheblich. Die Behinderungen im Hamburger Hafengebiet und die erwarteten Staus auf den Nord-Süd-Achsen A1 und A7 werden zu Kettenreaktionen in den europäischen Lieferketten führen. Gleichzeitig dürfte der Nahverkehrsausfall in Hessen Hunderttausende Pendler in ihre Autos treiben – ausgerechnet an Tagen, an denen die Autobahn-Infrastruktur ohnehin geschwächt ist.
Ob es zu weiteren Eskalationen kommt, hängt von der dritten Verhandlungsrunde ab. Sollten die Arbeitgeber keine substanziell verbesserten Angebote vorlegen, die vor allem die Forderungen nach kürzerer Laufzeit und Mindesterhöhungen adressieren, drohen verschärfte Aktionen bis hin zu unbefristeten Streiks. Reisende und Logistikunternehmen sollten sich auf erhebliche Verzögerungen an diesem Montag und Dienstag einstellen.
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