Verano Holdings, CA92338D1015

Verano Holdings: US-Cannabiswert zwischen Turnaround-Hoffnung und Kursfrust

30.01.2026 - 15:28:22

Die Aktie von Verano Holdings bleibt trotz operativer Fortschritte unter Druck. Warum das Papier zwischen regulatorischen Hoffnungen, Schuldenlast und vorsichtigen Analysten-Einschätzungen hängt – und was Anleger jetzt beachten müssen.

Die Story klingt nach klassischem Turnaround-Kandidaten: Verano Holdings, einer der größeren vertikal integrierten Cannabisbetreiber in den USA, steigert Umsatz und Ergebnis, reduziert Schulden – und doch tritt die Aktie weitgehend auf der Stelle. Während sich die Stimmung im US-Cannabissektor angesichts möglicher regulatorischer Lockerungen leicht aufgehellt hat, bleibt das Wertpapier von Verano an der Börse weit von früheren Höchstständen entfernt. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob hier ein unterschätzter Nachzügler schlummert – oder ob der Markt die Risiken schlicht nüchtern eingepreist hat.

Zum jüngsten Handelsschluss wurde Verano an der kanadischen Cboe Canada (ehemals Neo Exchange) unter dem Kürzel "VRNO" mit rund 7,70 bis 7,80 kanadischen Dollar bewertet. Daten von Yahoo Finance und Reuters zeigen übereinstimmend, dass sich die Aktie in den vergangenen fünf Handelstagen eher seitwärts bis leicht schwächer entwickelte, nach einem vorangegangenen Anstieg. Auf Sicht von drei Monaten liegt das Papier jedoch noch deutlich im Plus, nachdem es zuvor von sehr gedrückten Niveaus nach oben drehen konnte. Das 52-Wochen-Tief wurde in der Zone um 3,70 CAD markiert, das 52-Wochen-Hoch knapp unterhalb von 9 CAD. Damit notiert die Aktie aktuell eher im oberen Mittelfeld ihrer Jahres-Spanne, aber klar unter dem Hoch.

Das kurzfristige Sentiment wirkt damit verhalten positiv, aber nicht euphorisch: Technisch befindet sich die Aktie nach dem starken Rebound im Herbst in einer Konsolidierungsphase. Fundamentale Treiber wie wachsende Umsätze in Schlüsselmärkten (insbesondere Florida, New Jersey und Illinois) und Fortschritte beim Schuldenabbau treffen auf einen Sektor, der nach wie vor von regulatorischer Unsicherheit und erhöhter Risikoaversion geprägt ist.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr bei Verano eingestiegen ist, blickt heute auf eine gemischte Bilanz – mit deutlich positiven Vorzeichen. Der damalige Schlusskurs lag nach übereinstimmenden Kursdaten von Yahoo Finance und MarketWatch in einer Spanne von rund 4,50 bis 4,60 CAD. Ausgehend von einem aktuellen Niveau um etwa 7,70 CAD ergibt sich damit auf Sicht von zwölf Monaten ein Kursplus von in der Größenordnung von 65 bis 70 Prozent.

Mit anderen Worten: Frühzeitige Anleger, die die schwache Stimmung im Cannabissektor im vergangenen Jahr als Einstiegschance genutzt haben, können sich heute über einen deutlichen Buchgewinn freuen – trotz aller zwischenzeitlichen Schwankungen. Gleichzeitig bleibt das Papier weit von früheren Niveaus entfernt; historisch betrachtet war Verano bereits deutlich höher bewertet, bevor der gesamte US-Cannabismarkt in eine langanhaltende Korrektur überging. Für Langfristinvestoren, die schon seit den Boomzeiten engagiert sind, ist die Performance daher weiterhin ernüchternd.

Bemerkenswert ist die Struktur dieser Ein-Jahres-Performance: Ein Großteil der Erholung fiel in Phasen, in denen der Markt auf Fortschritte bei der möglichen Herabstufung von Cannabis auf Bundesebene in den USA sowie auf eine mögliche Reform der Bankenregulierung (Stichwort: Zugang zu regulären Finanzdienstleistungen für Cannabisunternehmen) spekulierte. Die Aktie reagierte dabei stark auf politische Schlagzeilen, während zwischenzeitliche operative Verbesserungen am Markt weniger Beachtung fanden.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

Anfang der Woche sorgten neue Unternehmenszahlen und ein strategischer Update für Aufmerksamkeit. Verano meldete solide Umsatzzuwächse, getragen vor allem von der starken Präsenz in medizinisch wie auch freizeitrechtlich liberalisierten Kernmärkten. Insbesondere Florida, wo Verano ein breites Netz an Apotheken und Anbaustandorten unterhält, bleibt ein Wachstumsmotor. Gleichzeitig berichtete das Management über weiter sinkende laufende Kosten je produzierte Einheit und Fortschritte beim Working Capital-Management. Die Bruttomargen konnten stabilisiert, teils sogar leicht verbessert werden – trotz Preisdruck in einigen gesättigten Märkten.

Vor wenigen Tagen rückte zudem die Bilanzstruktur in den Fokus. Verano nutzte die vergleichsweise bessere Stimmung an den Märkten, um einzelne Schuldtitel zu refinanzieren und Fälligkeiten weiter in die Zukunft zu verschieben. Laut übereinstimmenden Berichten von Reuters und Branchenportalen wurde ein Teil der vorrangigen Schulden zu etwas günstigeren Konditionen prolongiert, während gleichzeitig keine signifikante Verwässerung durch neue Aktienemissionen stattfand. Das kommt besonders gut bei institutionellen Investoren an, die in den vergangenen Jahren wiederholt Verwässerungswellen in der Branche hinnehmen mussten.

Ein weiterer Impuls kommt aus der politischen Sphäre: In Washington mehren sich Gerüchte, dass die Drug Enforcement Administration (DEA) die von der Gesundheitsbehörde HHS vorgeschlagene Herabstufung von Cannabis in die Schedule-III-Kategorie weiter prüft. Zwar gibt es noch keinen finalen Beschluss, doch allein die Aussicht auf eine steuerliche Entlastung (insbesondere in Bezug auf den berüchtigten Paragraphen 280E des US-Steuerrechts) sorgt bei Multi-State-Operatoren wie Verano für Fantasie. Analysten kalkulieren, dass eine Umsetzung die effektive Steuerlast signifikant drücken und damit die freien Cashflows deutlich erhöhen könnte.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die Einschätzung der Wall Street bleibt insgesamt wohlwollend, aber vorsichtig. Nach Auswertung der in den vergangenen Wochen veröffentlichten Analystenkommentare über Plattformen wie TipRanks, Yahoo Finance und Berichten von Branchenhäusern ergibt sich ein klares Übergewicht von Kaufempfehlungen. Mehrere kleinere, auf Cannabis spezialisierte Investmentbanken führen Verano mit einem Rating im Bereich "Kaufen" bis "Outperform".

So bestätigte etwa ein auf nordamerikanische Cannabiswerte fokussiertes Researchhaus seine Kaufempfehlung und verwies auf die im Branchenvergleich solide Rentabilität und die starke Marktposition in regulierten Ostküstenstaaten. Das durchschnittliche Kursziel der erfassten Analysten liegt – je nach Quelle – grob in einer Spanne von 11 bis 13 CAD, was vom aktuellen Niveau aus einem theoretischen Aufwärtspotenzial von 40 bis 70 Prozent entspricht. Einzelne, besonders optimistische Häuser sehen faire Werte sogar noch höher, verweisen aber zugleich auf die hohe Abhängigkeit von regulatorischen Entscheidungen in den USA.

Größere internationale Investmentbanken sind im Sektor meist zurückhaltender engagiert, oft aus Compliance- und Regulierungsgründen. Entsprechend dominieren spezialisierte Broker und kanadische Häuser die Analystenlandschaft rund um Verano. In deren Kommentaren tauchen wiederkehrend drei Kernargumente auf: Erstens die im Vergleich zu einigen Wettbewerbern stärkere Bilanz und der Fokus auf Cashflow-Generierung statt bloßem Flächenwachstum; zweitens die relativ attraktive Bewertung gemessen an Umsatz- und Ertragsmultiplikatoren; drittens die Option auf einen Bewertungsaufschlag, falls sich das regulatorische Umfeld in den USA spürbar verbessert.

Dem stehen jedoch deutliche Risikohinweise gegenüber. Mehrere Analysten betonen, dass Verano trotz der Fortschritte eine nicht zu unterschätzende Nettoverschuldung trägt und weiterhin in einem Markt agiert, der von Überkapazitäten, Preiskämpfen und hoher Steuerlast geprägt ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass viele institutionelle Großanleger nach wie vor aus rechtlichen Gründen nicht oder nur sehr eingeschränkt in US-Cannabisunternehmen investieren dürfen – ein struktureller Deckel auf der Bewertungsmultiplikator-Seite.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate zeichnet sich bei Verano ein klares strategisches Muster ab: Disziplin vor Expansion. Das Management hat wiederholt betont, dass der Fokus auf profitables Wachstum, Kostenkontrolle und Schuldenabbau liegt. Größere, teure Zukäufe stehen derzeit nicht im Vordergrund. Stattdessen sollen bestehende Märkte vertieft, die Produktivität der Anbau- und Verarbeitungsanlagen weiter erhöht und das Filialnetz in wachstumsstarken Bundesstaaten selektiv ausgebaut werden.

Operativ dürften insbesondere drei Faktoren über den Erfolg entscheiden: Erstens die Entwicklung der Endkundenpreise in den Kernmärkten, da ein weiterer Preisverfall die Margen unter Druck setzen könnte. Zweitens die Fähigkeit, Premium- und Markenprodukte zu etablieren, um sich vom reinen Rohstoffwettbewerb abzugrenzen. Drittens der Umgang mit regulatorischen Veränderungen auf Bundes- wie auf Bundesstaatenebene. Jede Form von Liberalisierung – etwa ein verbesserter Zugang zu Banken, eine Reform der Bundessteuer oder gar eine weitergehende Legalisierung – könnte die strukturelle Profitabilität spürbar verbessern.

Für Aktionäre bleibt die Aktie damit ein Spiel auf mehreren Ebenen: zum einen auf den eigenen operativen Turnaround von Verano, zum anderen auf einen möglichen strukturellen Re-Rating des gesamten US-Cannabissektors. Wer investiert, setzt faktisch auf die These, dass die aktuelle Bewertung die Risiken eher überzeichnet und die Chance auf positive politische Überraschungen unterschätzt. Wer skeptischer ist, verweist auf die historisch hohe Volatilität der Branche, häufige Rückschläge bei Regulierungsinitiativen und die Tatsache, dass viele Cannabisaktien trotz operativer Verbesserungen in den vergangenen Jahren bestehende Aktionäre enttäuscht haben.

Aus Anlegersicht kann es sinnvoll sein, den Titel eher als Beimischung in einem spekulativen Portfolio zu sehen, nicht als Kerninvestment. Charttechnisch deutet die aktuelle Konsolidierung darauf hin, dass sich ein neuer Gleichgewichtskurs herausbildet: Ein Rücksetzer in Richtung der mittelfristigen Durchschnitte könnte für risikobereite Investoren eine Nachkaufchance sein, während ein Ausbruch über den jüngsten Widerstand im Bereich knapp unterhalb des 52-Wochen-Hochs weiteres Momentum freisetzen könnte. Umgekehrt sollten Stops konsequent gesetzt werden, falls der Gesamtsektor wieder unter Druck gerät.

Fest steht: Verano Holdings ist längst kein wachstumsverliebtes Versprechen mehr, sondern ein Unternehmen, das zunehmend an den harten Kennzahlen Cashflow, Verschuldung und Profitabilität gemessen wird. Ob die Aktie ihre Rolle als Turnaround-Kandidat bestätigt und den Weg zurück zu höheren Bewertungsniveaus findet, hängt damit nicht nur von den eigenen Hausaufgaben ab, sondern auch von politischen Entscheidungen, auf die das Management kaum Einfluss hat. Für Anleger in der D-A-CH-Region, die sich im US-Cannabissektor engagieren wollen, bleibt Verano gleichwohl einer der spannenderen Titel – mit allen Chancen und Risiken, die ein solcher Sektor naturgemäß mit sich bringt.

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