Verdi, Tarifrunde

Ver.di startet Tarifrunde für 5,2 Millionen Beschäftigte

28.02.2026 - 00:00:17 | boerse-global.de

Die Tarifverhandlungen für den Handel starten mit Forderungen nach überinflationären Löhnen und klaren Arbeitszeitregelungen, die Millionen Beschäftigte betreffen.

Ver.di startet Tarifrunde für 5,2 Millionen Beschäftigte - Foto: über boerse-global.de
Ver.di startet Tarifrunde für 5,2 Millionen Beschäftigte - Foto: über boerse-global.de

Eine der größten Tarifverhandlungen Deutschlands beginnt. Die Gewerkschaft ver.di fordert für den Handel deutliche Lohnsteigerungen und will die Zukunft der Arbeitszeit regeln. Die Ergebnisse werden Millionen Arbeitnehmer und Betriebsräte prägen.

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Kampf um höhere Löhne und bessere Bedingungen

Im Zentrum der Forderungen steht ein Einkommensplus, das deutlich über der Inflation liegen soll. Ver.di will die Lohnlücke zu anderen Branchen schließen. „Die Beschäftigten sind bereit, dafür zu kämpfen“, betont Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer.

Doch es geht um mehr als Geld. Die Gewerkschaft sieht sich mit Arbeitgebern konfrontiert, die auf längere Arbeitszeiten und unbezahlte Krankentage drängen sollen. Die Tarifverhandlungen legen den Rahmen fest, innerhalb dessen später die Betriebsvereinbarungen ausgehandelt werden. Was hier beschlossen wird, bestimmt künftig Schichtpläne, Flexibilität und Überstundenregelungen.

Verhandeln in stürmischen Zeiten

Die Ausgangslage ist schwierig. Nach Gewerkschaftsangaben wenden über 80 Prozent der Handelsunternehmen keinen Tarifvertrag an. Diese Situation sei „unhaltbar“. Der neue Manteltarif soll deshalb als Maßstab dienen – auch für Betriebsräte in nicht tarifgebundenen Unternehmen.

Hinzu kommt die rechtliche Entwicklung. Seit einem Grundsatzuricht des Bundesarbeitsgerichts von September 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Eine konkrete Gesetzesausgestaltung steht zwar noch aus, die Pflicht besteht jedoch bereits. Vertrauensarbeitszeit muss neu geregelt werden – typischerweise in Betriebsvereinbarungen. Der neue Tarifvertrag muss dieser Realität Rechnung tragen.

Nationale Debatte um Arbeitszeitreform

Die Tarifverhandlungen fallen in eine breitere gesetzgeberische Diskussion. Die Bundesregierung erwägt eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Ein Kernvorschlag: Statt einer starren täglichen Höchstarbeitszeit soll ein flexibleres Wochenmaximum treten. Damit würde deutsches Recht an EU-Vorgaben angepasst.

Noch liegt kein Gesetzentwurf vor. Doch die <debatte beeinflusst die Erwartungen beider Seiten. Arbeitgeber erhoffen sich mehr betriebliche Agilität, Gewerkschaften fordern wirksamen Schutz vor Überarbeitung. Die Handelstarifrunde wird zum Praxistest für diesen Interessenausgleich.

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Was kommt auf die Betriebsräte zu?

Für die Betriebsräte beginnt mit Abschluss der Tarifverhandlungen die eigentliche Arbeit. Sie müssen die vereinbarten Rahmenbedingungen in konkrete, durchsetzbare Betriebsvereinbarungen gießen. Die Herausforderung: Mitarbeiterschutz mit der nötigen betrieblichen Flexibilität im Handel der Nach-Pandemie-Ära zu vereinen.

Die formellen Verhandlungen starten im April – in 16 Tarifbezirken für den Einzelhandel und 20 für den Großhandel. Ver.di kündigt Kampfbereitschaft an, um existenzsichernde Löhne und faire Bedingungen durchzusetzen. Die Ergebnisse werden Wellen schlagen und für eine der größten Beschäftigtengruppen Deutschlands neue Standards setzen.

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