VDI 2700 Blatt 18: Neue Regeln für den sicheren Transport von Big Bags
01.04.2026 - 08:39:43 | boerse-global.de
Ab heute gelten verschärfte Vorgaben für die Ladungssicherung von flexiblen Schüttgütern. Die neue Richtlinie VDI 2700 Blatt 18 adressiert die besonderen Herausforderungen beim Transport von so genannten Big Bags und soll für mehr Sicherheit auf deutschen Straßen sorgen. Sie gibt der Logistikbranche erstmals einen praxisnahen, umfassenden Rahmen an die Hand, um die oft unberechenbaren Großgebinde sicher zu befördern und Transportschäden zu minimieren.
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Die Dynamik flexibler Schüttgüter im Fokus
Der neue Leitfaden des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) reagiert auf eine lange erkannte Problematik: Im Gegensatz zu starrer Ware sind Flexible Intermediate Bulk Containers (FIBCs), umgangssprachlich Big Bags, dynamisch. Ihr Inhalt kann während der Fahrt verrutschen und sich setzen – und so die Stabilität der gesamten Ladung gefährden. Die Richtlinie berücksichtigt explizit dieses Verhalten, das von den Fließeigenschaften der Ware und dem Setzverhalten der Big Bags auf der Ladehilfe, etwa einer Palette, beeinflusst wird.
Ein zentraler neuer Parameter ist der Mindest-Schüttwinkel von 20 Grad. Er ist entscheidend für die Beurteilung der Fließfähigkeit eines Produkts. Die Regel ist einfach: Je geringer der Schüttwinkel, desto fließfähiger ist das Gut – und desto anspruchsvoller wird seine Sicherung. Zudem betont die Vorgabe die Bedeutung einer stabilen Ladeeinheit. Die Grundfläche des Big Bags und seiner Ladehilfe sollten nahezu identisch sein, um ungewollte Bewegungen von vornherein zu verhindern.
Praktische Sicherungsmethoden und Materialvorgaben
Die Richtlinie konkretisiert bewährte und führt neue Methoden für eine optimale Sicherung ein. Der Einsatz von Rutschhemmungsmatten wird stark empfohlen, um die Reibung zwischen Big Bags und Ladefläche zu erhöhen. Das minimiert das Risiko des Verrutschens auf glatten Böden.
Wo eine lückenlose, formschlüssige Beladung nicht vollständig möglich ist, legt Blatt 18 die korrekte Anwendung von Zurrgurten und -netzen detailliert fest. Sie erlaubt ausdrücklich auch die Nutzung bestimmter Fahrzeugstrukturen zur Ladungssicherung, sofern diese die nötigen Kraftaufnahmekriterien erfüllen. Interessanterweise hält die Richtlinie auch „Getränkeaufbauten“ für zulässig, wenn sie die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Diese detaillierten Vorgaben sollen Speditionen eine Palette geprüfter Techniken an die Hand geben.
Verbindlichkeit und Konsequenzen für die Branche
VDI-Richtlinien sind zwar formal nicht bindende Empfehlungen, gelten jedoch als „anerkannte Regeln der Technik“. Ihre Einhaltung ist oft entscheidend für die Konformität mit gesetzlichen Vorschriften wie § 22 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), der eine vorschriftsmäßige Ladungssicherung vorschreibt. Verstöße können zu hohen Bußgeldern, Fahrverboten und im schlimmsten Fall zu Unfällen mit erheblichem Sach- und Personenschaden führen.
Die neue Richtlinie betrifft eine breite Palette von Akteuren: Hersteller von Schüttgütern, Logistikunternehmen, Speditionen, Fahrzeughalter und Fahrer. Sie unterstreicht die Verantwortung aller Beteiligten in der Transportkette, die Sicherungsmaßnahmen für den Einzelfall richtig zu dimensionieren, zu kombinieren und umzusetzen. Blatt 18 ist Teil der umfassenderen VDI 2700-Novelle 2026, die strengere Anforderungen an Dokumentation, Prüfintervalle für Sicherungsmittel und erweiterte Pflichten in der Logistikkette einführt.
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Analyse: Mehr Präzision für mehr Sicherheit
Die Einführung von Blatt 18 spiegelt einen Branchentrend zu präziserer, wissenschaftlich fundierter Ladungssicherung wider. Ein früherer Entwurf für verbindliche Regeln zu flexibler Verpackung aus dem Jahr 2014 war nach zahlreichen Einwänden zurückgezogen worden. Die beharrliche Arbeit des VDI an Blatt 18 zeigt den Willen, ein praxistaugliches und gut begründetes Regelwerk zu schaffen.
Die Richtlinie wird voraussichtlich die Aus- und Weiterbildung des Personals vorantreiben. Angesichts steigender Transportmengen in Big Bags – befeuert durch E-Commerce und spezialisierte Industrielogistik – ist die Integrität dieser Ladung nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der öffentlichen Sicherheit. Die VDI-Standards setzen hier einen wichtigen Referenzpunkt für rechtliche Auslegungen und Best Practices.
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