US-Staaten, KI-Boom

US-Staaten bremsen KI-Boom mit neuen Datacenter-Gesetzen

22.02.2026 - 18:40:12 | boerse-global.de

Dutzende US-Bundesstaaten stoppen den Bau neuer Rechenzentren oder erlassen schärfere Gesetze, da der enorme Energiebedarf der KI die Stromnetze überlastet und die Kostenfrage neu stellt.

Die USA erleben eine dramatische Kehrtwende: Statt Rechenzentren mit Steuergeschenken zu locken, bremsen jetzt Dutzende Bundesstaaten den Bau neuer Anlagen. Grund ist der explodierende Strombedarf der Künstlichen Intelligenz, der die Netze an ihre Grenzen bringt.

Seit Jahresbeginn wurden in über 30 Bundesstaaten mehr als 300 Gesetzesvorlagen eingebracht. Sie signalisieren das Ende einer Ära. Bisher buhlten die Regionen um Investitionen von Tech-Giganten. Jetzt fürchten sie Blackouts und steigende Strompreise für Privathaushalte. Die Politik will verhindern, dass die Allgemeinheit die Stromrechnung des KI-Booms bezahlt.

Vom Lockangebot zum Baustopp: Die neue Realität

Das Motto lautet jetzt: „Wachstum finanziert Wachstum“. Die bisherige Praxis pauschaler Steuernachlässe wird durch ein System der Verantwortung ersetzt. Besonders deutlich zeigt sich das in traditionellen Datacenter-Hochburgen.

In Virginia, wo die weltweit höchste Dichte an Rechenzentren steht, debattieren Politiker über Kürzungen der Steuergutschriften. In New York, South Dakota und Oklahoma liegen Gesetze für komplette Moratorien vor. Sie wollen alle Neubauten stoppen, bis die Auswirkungen auf Stromnetze und Umwelt geprüft sind.

Mindestens 18 Staaten planen zudem eigene Stromtarifklassen für Großverbraucher. Einige Entwürfe verpflichten Betreiber sogar, Netzausbau direkt mitzufinanzieren. Die Botschaft ist klar: Wer extreme Mengen Strom braucht, muss auch für die Infrastruktur aufkommen.

KI frisst Strom: Die Zahlen hinter der Krise

Was treibt diesen regulatorischen Eifer an? Die schiere Größenordnung des Energiehungers. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert: Der globale Stromverbrauch von Rechenzentren wird sich bis 2030 nahezu verdoppeln. Haupttreiber sind KI-Anwendungen.

In den USA sollen Datencenter bis Ende des Jahrzehnts etwa die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs verursachen. Das Problem ist nicht nur die Menge, sondern die Leistungsdichte. KI-optimierte Server-Racks benötigen 30 bis über 100 Kilowatt – das Sechsfache traditioneller Racks.

In Virginia verbrauchten Rechenzentren 2023 bereits 26 Prozent des gesamten Staats-Stroms. US-Experten rechnen bis 2030 mit einem zusätzlichen Spitzenlast-Bedarf von 90 Gigawatt durch neue Anlagen. Das entspricht der Kapazität von etwa 90 großen Kraftwerken.

Tech-Konzerne reagieren: Eigene Kraftwerke und Geothermie

Angesichts mehrjähriger Wartezeiten für Netzanschlüsse und schärferer Gesetze sichern sich Tech-Firmen ihre Energie jetzt selbst. Die Strategie verläuft zweigleisig: durch saubere Großprojekte und durch eigene, oft fossile Kraftwerke.

Ein Vorreiter der grünen Wende ist Google. Das Unternehmen vereinbarte kürzlich mit dem Geothermie-Spezialisten Ormat bis zu 150 Megawatt neue Kapazität für seine Rechenzentren in Nevada. Der Deal nutzt ein innovatives „Clean Transition Tariff“-Modell. Dabei finanzieren Großkunden gemeinsam mit Versorgern neue, grundlastfähige Öko-Energiequellen, ohne andere Stromkunden zu belasten.

Parallel entsteht jedoch ein kontroverses „Schatten-Stromnetz“. Recherchen zufolge planen oder bauen Unternehmen wie Meta und OpenAI Dutzende netzunabhängige Rechenzentren in Texas, Ohio und Pennsylvania. Diese Anlagen betreiben eigene Gaskraftwerke vor Ort. Sie umgehen so das öffentliche Netz – und dessen Regulierung. Kritiker warnen vor steigenden CO₂-Emissionen und Luftschadstoffen.

Analyse: Der digitale Fortschritt stößt an physische Grenzen

Die Entwicklung markiert einen Wendepunkt. Das exponentielle Wachstum der digitalen Welt kollidiert mit den physischen Grenzen der Energieinfrastruktur. Rechenzentren gelten nicht länger als reine Wirtschaftsförderprojekte.

Die Gesetzesflut 2026 zielt darauf ab, die Kostenwahrheit herzustellen. Wenn die Tech-Branche für ihren vollen Strombedarf und die nötigen Netzinvestitionen aufkommt, könnte das die Expansion steuern und die Stabilität des Gesamtsystems sichern.

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Für die Konzerne wird Energiebeschaffung zur Kernkompetenz. Sie investieren milliardenschwer in Kraftwerke und werden de facto zu Energieunternehmen. Die zentrale Frage der kommenden Jahre lautet: Wie lässt sich der historischen Energiehunger der KI so stillen, dass die Netze stabil, die Preise bezahlbar und die Klimaziele erreichbar bleiben? Die Antwort darauf wird die Landkarte der Digitalwirtschaft neu zeichnen.

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