UKL startet Kampagne gegen unnötige Einmalhandschuhe
06.02.2026 - 11:01:12Leipzig/Berlin – Deutschlands Kliniken stellen den routinemäßigen Einsatz von Einmalhandschuhen auf den Prüfstand. Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) startete diese Woche die Kampagne „Mit oder ohne?“, um den Verbrauch bis Jahresende um zehn Prozent zu senken. Gleichzeitig fordert der Medizintechnik-Verband BVMed ein nachhaltigeres Beschaffungswesen.
Bewussterer Umgang mit Schutzausrüstung
Im Fokus steht die Frage: Wann sind Handschuhe wirklich nötig? Laut einer Studie von 2022 war ihr Einsatz in etwa einem Drittel der beobachteten Situationen nicht indiziert. Die Initiative des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin (KliMeG) will das ändern.
„Es geht darum, notwendigen von gewohnheitsmäßigem Gebrauch zu unterscheiden“, erklärt Dr. Susanne Kolbe-Busch, Leiterin des Instituts für Hygiene am UKL. Bei fehlendem Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder nicht intakter Haut sei eine gründliche Händedesinfektion oft die bessere Wahl – sowohl für die Patientensicherheit als auch für den Hautschutz des Personals.
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Denn der dauerhafte Tragekomfort hat seinen Preis: Übermäßiger Handschuhgebrauch begünstigt Hautirritationen und berufsbedingte Ekzeme. Die geplante Reduktion soll daher nicht nur die Klimabilanz verbessern, sondern auch die Gesundheit der Beschäftigten schützen.
BVMed fordert „wertbasierte“ Beschaffung
Parallel zum klinischen Umdenken verlangt die Industrie strukturelle Reformen. Der Branchenverband BVMed kritisiert, dass im öffentlichen Einkauf zu oft der niedrigste Preis den Zuschlag erhalte.
„Das Prinzip ‚billig kauft teuer‘ gilt auch im Gesundheitswesen“, so BVMed-Direktor Dr. Marc-Pierre Möll. Sein Verband setzt sich für eine Modernisierung der EU-Vergaberichtlinien ein. Künftig sollen Kriterien wie Qualität, Innovationsgrad, Lieferfähigkeit und Ökobilanz stärker gewichtet werden.
Eine nachhaltige Beschaffungspolitik wird zur Voraussetzung, um die Umweltziele der Kliniken zu erreichen. Können Hersteller mit reinen Billigprodukten noch punkten, wenn Krankenhäuser ihren CO₂-Fußabdruck senken müssen?
Hautschutz nach dem STOP-Prinzip
Die Kampagne folgt dem etablierten STOP-Prinzip im Arbeitsschutz. Statt pauschal auf persönliche Schutzausrüstung zu setzen, priorisiert sie organisatorische Maßnahmen – konkret: bessere Schulungen.
Mitarbeiter sollen befähigt werden, situationsgerecht zu entscheiden. Wann schützt der Handschuh wirklich? Wann ist er überflüssig? Diese aktive Entscheidungskompetenz soll durch Schulungen und visuelle Hilfen im Klinikalltag verankert werden.
Ein Paradigmenwechsel mit Signalwirkung: Wenn eine große Einrichtung wie das UKL das Zehn-Prozent-Ziel erreicht, dürften viele Häuser nachziehen. Für Hersteller bedeutet der Trend hin zu nachhaltigerer PSA eine neue Herausforderung. Die reine Stückzahl zählt künftig weniger als der ökologische Gesamtnutzen eines Produkts.
Die Debatte wird sich 2026 weiter zuspitzen. Auf der Fachmesse „Arbeitsschutz Aktuell“ im Oktober in Stuttgart werden nachhaltige Schutzausrüstung und klimaresiliente Medizin zentrale Themen sein. Die Frage „Mit oder ohne?“ könnte dann zum neuen Standard in deutschen Kliniken werden.
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