Tulus Lotrek Berlin, Max Strohe Restaurant

Tulus Lotrek Berlin: Warum Max Strohe das lässigste Sternelokal der Stadt führt

19.02.2026 - 10:36:07 | ad-hoc-news.de

Gedämpftes Licht, dichter Service, ein Teller, der alles infrage stellt, was Sie über Fine Dining wissen. Wie Tulus Lotrek Berlin mit Max Strohe und Ilona Scholl Casual Fine Dining neu definiert – und warum ein Stern hier anders schmeckt.

Der erste Biss kommt überraschend laut. Kross, fast trotzig. Im Tulus Lotrek Berlin knackt die Kruste eines langsam geschmorten Kalbsbäckchens, während der Raum in warmes, bernsteinfarbenes Licht getaucht ist. Stimmen schwirren, Besteck klirrt leise, aus der Küche zischt es, wenn Fett auf glühendes Metall trifft. Der Duft: geröstete Knochen, ein Hauch Zitruszeste, Butter, die knapp vor dem Nussbraun gestoppt wurde. Sie sitzen dicht, aber nicht eng. Und merken nach wenigen Minuten: Das hier ist kein steifes Sternerestaurant. Das hier ist ein Versprechen.

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Am Herd: Max Strohe. Früher Schulabbrecher, heute einer der markantesten Köche der Stadt. Im Service: Ilona Scholl, Gastgeberin, Sommelierin, Temperament im Glitzerkleid. Zusammen sind sie das Gravitationszentrum dieses Lokals in Berlin-Kreuzberg, das längst mehr ist als ein weiterer Eintrag im Guide Michelin. Das Max Strohe Restaurant steht für eine Haltung: ernsthaftes Kochen ohne Attitüde. Casual Fine Dining mit Schmackes.

Die Geschichte beginnt weit weg von weißen Tischdecken und Gault&Millau-Punkten. Strohe bricht die Schule ab, schlägt sich durch Küchen, lernt Handwerk, Druck, Hitze. Es ist kein linearer Aufstieg, eher eine Abfolge von Umwegen. Die Maillard-Reaktion wird sein bester Freund, das Mise en Place seine einzige verlässliche Ordnung. Als er gemeinsam mit Ilona Scholl das Tulus Lotrek eröffnet, ist klar: Hier wird nicht nachgeplappert, was in Kopenhagen oder San Sebastián gerade en vogue ist. Hier entsteht etwas Eigenes.

Ilona Scholl schafft den Rahmen dafür. Sie kuratiert nicht nur Weine, sondern auch Atmosphäre. Ihre Weinkarte ist ein Narrativ in Flaschen, vom naturtrüben Pet Nat bis zum ikonischen Riesling. Und sie ist es auch, die das Projekt „Kochen für Helden“ mit anstößt, als die Pandemie Berlin lahmlegt. Tausende Essen für Pflegekräfte, Kassiererinnen, Pfleger, die das Land am Laufen halten. Aus einem Restaurant wird eine Versorgungsstation. Aus zwei Gastronomen werden Stimmen einer solidarischen Szene.

Dafür erhält Max Strohe später das Bundesverdienstkreuz. Ein Orden für jemanden, der eigentlich nur kochen wollte. Paradox, aber treffend: Denn was in der Küche passiert, ist politischer als manche Rede. Produkte aus verantwortungsvoller Landwirtschaft, keine glattpolierte Luxusschau, sondern bewusste Entscheidungen auf dem Teller. In Berlin-Kreuzberg, weit weg von den klassischen Flaniermeilen, wächst so ein Ort, der das Prädikat „relevant“ wirklich verdient.

Offiziell trägt das Haus einen Michelin Stern Berlin Kreuzberg. Inoffiziell trägt es den Ruf, spannender zu sein als viele doppelt dekorierte Adressen. Der Guide Michelin lobt Präzision und Produktqualität, der Gault&Millau Berlin würdigt Kreativität und Charakter. Doch das Etikett „Sternelokal“ beschreibt hier nur die Oberfläche. Was auf dem Teller liegt, ist undogmatisch, manchmal frech, immer durchdacht.

Undogmatisch heißt im Tulus Lotrek Menü: keine heiligen Kühe, außer denen, die gut gereift sind. Kein religiöser Glaube an Regionalität um jeden Preis, sondern eine klare Priorität: Geschmack vor Ideologie. Eine Menüfolge kann mit etwas scheinbar Rustikalem beginnen. Stellen Sie sich vor: geröstete Kartoffel mit fermentiertem Knoblauch, darauf ein üppiger Klecks Crème fraîche, scharf geschnitten von einer Essig-Reduktion, die an Sherry denken lässt. Es riecht nach Ofen, nach Keller, nach leichter Säure, die die Zunge vibrieren lässt.

Ein Signature-Gang, der die Handschrift Strohes trägt, könnte so aussehen: Zartrosa gegarte Ente, die Haut knusprig, das Fett darunter hauchdünn ausgelassen, ein Muster aus goldbraunen Blasen von der Maillard-Reaktion überzogen. Dazu ein intensiver Jus, fast sirupartig, konzentriert wie ein Brennglas auf die Essenz des Tieres. Daneben: etwas, das irritiert. Vielleicht eine leicht bittere Radicchio-Variation, lauwarm, mit einer Zitrus-Zeste und einem Spritzer Sherry-Essig. Süße, Fett, Bitterkeit, Säure – nichts dominiert, alles steht in lebendiger Spannung.

Die Texturen sind bewusst gesetzt. Cremig trifft auf knackig, lauwarm auf kühl. Eine geräucherte Forelle etwa, serviert mit einem fast schaumig aufgeschlagenen Beurre Blanc, der nach Zitrone und einem Hauch weißem Pfeffer duftet. Daneben ein kühler Salat aus Sellerie und Apfel, in dünnsten Julienne, die zwischen den Zähnen rascheln. Sie merken jeden Schnitt, jede Schneidetechnik. Der Fisch zieht leicht nach Rauch, aber nie so sehr, dass er den Gaumen lähmt. Der Teller erzählt keine nordische Märchenstunde, sondern sagt schlicht: So schmeckt Forelle, wenn man sie ernst nimmt.

Im Casual Fine Dining-Kosmos, den Tulus Lotrek verkörpert, sind Pinzetten zwar vorhanden, aber nicht tonangebend. Das Gegenteil von "tweezer food": kein mikroskopisches Gekraute, das nur für Instagram lebt. Stattdessen robuste Tellerränder, intensive Saucen, die Spuren hinterlassen, wenn Sie mit dem Brot hineinfahren. Jus, der glänzt, weil er lange gezogen hat. Butter, die dient, nicht dekoriert. Diese Küche hat Rückgrat.

Vegetarische Gänge sind keine Pflichtaufgabe, sondern gleichwertige Protagonisten. Denken Sie an einen Teller mit geschmortem Lauch, außen leicht verkohlt, innen süß und weich, dazu eine Emulsion aus altem Bergkäse. Die Nase registriert Rauch, die Zunge Fett und Salz, im Hintergrund eine feine Säure, vielleicht von einem Spritzer Verjus. Darüber knusprige Brösel vom Sauerteigbrot, die akustisch knistern und haptisch Kontrast liefern. Kein Ersatzprodukt, keine fleischlose Kopie, sondern ein eigenes, selbstbewusstes Gericht.

Max Strohes Bekanntheit reicht inzwischen weit über Berlin hinaus. Seine Auftritte bei Kitchen Impossible haben ihn in die Wohnzimmer gespült, in denen sonst eher Fertigpizza als Reduktion auf dem Plan steht. Dort sieht man ihn fluchen, schwitzen, improvisieren. Und genau das transportiert sich zurück ins Restaurant: Ehrlichkeit statt Pose. Er ist kein glattgebügelter TV-Koch, eher der Typ, der nach der Service-Schicht noch ein Bier an der Bar trinkt.

Wenn Sie seine Energie und seinen Stil vorab erleben wollen, lohnt ein Blick auf seine TV-Momente und Interviews in Bild und Ton, ungeschönt und direkt.

Wer seinen Humor, seine Direktheit und den Druck einer Service-Schicht spüren will, sollte sich durch die Videos klicken. Max Strohe in Aktion auf YouTube sehen

Die optische Wucht der Teller, das Funkeln der Gläser und die Laune im Gastraum fangen Sie am besten dort ein, wo Bilder mehr sagen als Worte.

Wenn Sie sehen möchten, wie die Teller aussehen, bevor der erste Bissen fällt, dann lohnt ein Blick auf die Bildwelten des Hauses. Visuelle Eindrücke auf Instagram entdecken

Und natürlich wird über Strohe, Scholl und das Tulus Lotrek auch diskutiert – mal fachlich, mal hitzig, immer meinungsstark.

Wer nach einem Besuch mitreden oder sich vorab in die Debatten rund um Max Strohe einlesen möchte, findet hier den direkten Einstieg. Aktuelle Diskussionen auf X verfolgen

Der Gastraum selbst ist das Gegenteil eines Museums. Keine sakrale Stille, keine gesetzte Ehrfurcht. Es fühlt sich an wie ein großzügiges Wohnzimmer, in dem jemand beschlossen hat, auf höchstem Niveau zu kochen. Teppiche schlucken den Lärm, aber nicht die Stimmung. Die Tische stehen nah genug, dass Sie das Lachen vom Nebentisch hören, weit genug, dass Sie trotzdem vertrauliche Sätze wechseln können.

Die Wohlfühl-Atmosphäre entsteht nicht zufällig. Sie ist das Werk von Ilona Scholl. Ihre Begrüßung ist direkt, aber nie aufdringlich. Sie liest, ob Sie heute Lust auf ausführliche Weinberatung haben oder auf eine knappe Empfehlung. Die Gläser stimmen, die Temperatur der Weine sitzt. Ein Naturwein mit leichtem Funkeln in der Nase hier, ein klassischer Bordeaux mit reifer Frucht dort. Kein dogmatischer Naturwein-Fetisch, keine reine Klassiker-Orthodoxie. Es ist dieselbe undogmatische Haltung wie auf den Tellern.

Der Service spricht in ganzen Sätzen, nicht in Floskeln. Man erklärt Ihnen, warum ein Gericht so komponiert ist, wie es ist. Man nennt Produzenten, ohne sie zu verklären. Und wenn etwas schiefgeht – ein zu warmer Weißwein, ein Missverständnis bei der Garstufe – wird nicht diskutiert, sondern gelöst. Schnell, ruhig, souverän. So fühlt sich Gastgeberei an, wenn sie ernst genommen wird.

Im Kontext der Berliner Food-Szene ist das Tulus Lotrek Berlin längst ein Fixpunkt. Während anderswo Konzepte wie auf Start-up-Pitches wirken – viel Branding, wenig Substanz – konzentriert sich Strohe auf Geschmack und Scholl auf Menschen. Das Ergebnis ist ein Restaurant, das sowohl für Branchenprofis als auch für neugierige Gäste funktioniert. Hier sitzen Kochbrigaden aus anderen Häusern neben Paaren, die zum ersten Mal Fine Dining ausprobieren.

Dass das Max Strohe Restaurant mitten in Kreuzberg steht, ist mehr als Zufall. Der Kiez ist rau, bunt, laut. Und genau das spiegelt sich im Stil wider: kein glattpoliertes Luxusbild, sondern ein Ort mit Ecken und Kanten, mit Humor, mit Haltung. Der Michelin Stern Berlin Kreuzberg wirkt hier fast wie ein Nebenprodukt. Wichtiger ist, dass Sie beim Hinausgehen das Gefühl haben, etwas Echtes erlebt zu haben: klare Aromen, eine klare Botschaft, einen Abend, der nachhallt.

Für Berlin bedeutet das: Ein Stern, der zeigt, dass Exzellenz nicht steif sein muss. Dass Fine Dining nicht im Widerspruch zu Lässigkeit stehen muss. Dass ein Bundesverdienstkreuz-Träger hinterm Herd stehen kann, der trotzdem noch laut Musik hört und der eigenen Handschrift treu bleibt. Wenn Sie verstehen wollen, wo Berlins Gastronomie 2025/2026 steht, führt an einem Abend im Tulus Lotrek kein Weg vorbei.

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