Transatlantischer, Handelskrieg

Transatlantischer Handelskrieg droht nach US-Gerichtsurteil

22.02.2026 - 19:33:12 | boerse-global.de

Nach einem historischen Urteil des US-Supreme Courts gegen Trump verhängt dieser neue 15-Prozent-Zölle. Das Abkommen von 2025 steht auf der Kippe, europäische Unternehmen sind alarmiert.

Die transatlantischen Handelsbeziehungen stehen am Abgrund. Nach einem historischen Urteil des US-Supreme Courts gegen die Zollpolitik von Präsident Donald Trump hat die Europäische Union eine Krisenbewertung eingeleitet. Trumps prompte Ankündigung neuer, pauschaler Zölle von 15 Prozent stellt das mühsam ausgehandelte Handelsabkommen von 2025 infrage und versetzt europäische Unternehmen in Alarmbereitschaft.

Paukenschlag aus Washington: Supreme Court bremst Trump aus

In einer richtungsweisenden Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof der USA Präsident Trump einen deutlichen Rüffel erteilt. Mit sechs zu drei Stimmen urteilten die Richter am vergangenen Freitag, Trump habe seine Befugnisse überschritten. Das von ihm genutzte Notstandsgesetz berechtige nicht zur Verhängung derart weitreichender Zölle.

Dieses Urteil trifft ins Mark. Es stellt die rechtliche Grundlage für das Handelsabkommen infrage, das Brüssel und Washington im Sommer 2025 geschlossen hatten. Die Vereinbarung sah eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten Zölle vor. Beobachter werten den Spruch als starkes Signal für die Rechtsstaatlichkeit und eine Beschneidung der präsidialen Macht.

Trumps Kehrtwende: Neue Zölle schüren Unsicherheit

Die juristische Niederlage ließ Trump nicht lange ruhen. Nur Stunden nach dem Urteil kündigte er neue, pauschale Zölle an – und setzte den Satz am Folgetag auf die vertraglich vereinbarte Höchstgrenze von 15 Prozent. Als neue Rechtsgrundlage beruft er sich nun auf ein anderes Handelsgesetz aus den 1970er Jahren.

Diese Volte stürzt europäische Exporteure in tiefe Unsicherheit. Welche Produkte sind genau betroffen? Gelten die vereinbarten Ausnahmen noch? US-Finanzminister Scott Bessent bekräftigte indes, man wolle die Zolleinnahmen halten und prüfe weitere rechtliche Wege. Für die EU-Industrie bedeutet das: Planungssicherheit adé.

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Brüssel in die Zwickmühle: Analyse und Gegenwehr

Die Europäische Kommission reagierte zunächst abwartend, aber bestimmt. Ein Sprecher erklärte, man analysiere das Urteil sorgfältig und stehe im Kontakt mit Washington. „Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks brauchen Stabilität“, betonte er. Die Kernforderung aus Brüssel ist klar: Die US-Regierung muss die 15-Prozent-Obergrenze unter allen Umständen einhalten.

Auf politischer Ebene laufen die Vorbereitungen für heiße Wochen. Das EU-Parlament berät bereits am Montag in einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen. Und Bundeskanzler Friedrich Merz wird das Thema bei seinem anstehenden Washington-Besuch höchstpersönlich auf den Tisch bringen. Die Diplomatie läuft auf Hochtouren.

Ein mühsam errungenes Abkommen am seidenen Faden

Das nun gefährdete Abkommen war ein diplomatischer Kraftakt. Monatelange Verhandlungen im Sommer 2025 sollten einen fulminanten Handelskrieg abwenden und die jährlich 1,6 Billionen Euro schweren Wirtschaftsbeziehungen stabilisieren. Kern war der pauschale Höchstzoll von 15 Prozent für EU-Importe – eine Erleichterung für Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Pharma und Halbleiter.

Im Gegenzug senkte die EU Zölle auf US-Industriegüter und erleichterte den Marktzugang für amerikanische Agrarprodukte. Trumps einseitige Neuverhängung gleicher Zölle untergräbt jedoch den Geist dieser Vereinbarung. Aus einem ausgehandelten Kompromiss wird so ein Diktat.

Droht jetzt die Eskalation?

Die kommenden Wochen sind entscheidend. Steuert der transatlantische Handel auf eine neue Eskalationsstufe zu? Die EU muss ihre Strategie finden: Akzeptiert sie die einseitigen Maßnahmen oder zieht sie ihrerseits Vergeltungszölle in Betracht? Brüssel hat durchaus Druckmittel in der Hinterhand, darunter das vorbereitete „Anti-Zwangsinstrument“, eine Art europäische Handelsbazooka.

Für Wirtschaftsverbände ist die aktuelle Unsicherheit das größte Gift für Investitionen. Das Supreme-Court-Urteil hat Trumps ursprünglichen Weg zwar blockiert, doch sein Konfrontationskurs geht unvermindert weiter. Für die EU beginnt eine kritische Phase der Diplomatie, in der es gilt, europäische Wirtschaftsinteressen in einem zunehmend unberechenbaren Umfeld zu verteidigen.

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