Ticket-Einkauf, Compliance-Risiko

Ticket-Einkauf wird 2026 zum Compliance-Risiko

14.01.2026 - 14:43:12

Deutsche Unternehmen sehen sich bei Ticketkäufen mit verschärften EU-Regeln, der Fußball-WM als Korruptionsrisiko und neuen Barrierefreiheitspflichten konfrontiert. Lückenlose Dokumentation wird entscheidend.

Für deutsche Unternehmen wird der Ticketkauf für Events zum gefährlichen Spießrutenlauf. Ein Branchen-Brandbrief, neue Barrierefreiheits-Regeln und die Fußball-WM setzen Compliance-Abteilungen unter Druck.

Die Woche begann mit einem Paukenschlag für den Ticketmarkt: Über 130 Vertreter der europäischen Veranstaltungsbranche fordern in einem offenen Brief an EU-Justizkommissar Michael McGrath schärfere Gesetze. Sie wollen den „Digital Fairness Act“ ausweiten, um betrügerische Praktiken und den unautorisierten Zweitmarkt zu bekämpfen. Zu den Unterzeichnern zählen deutsche Schwergewichte wie Rammstein, Die Ärzte und Die Toten Hosen.

Für Firmen hat das direkte Konsequenzen. Werden Tickets für Kunden oder Mitarbeiter über dubiose Plattformen bezogen, drohen nicht nur finanzielle Verluste. Experten warnen: Der Ankauf überteuerter Tickets kann intern als Veruntreuung oder Begünstigung gewertet werden, wenn Herkunft und Preis nicht lückenlos dokumentiert sind. Die Branche will diese Grauzone gesetzlich trockenlegen – Unternehmen müssen ihre Einkaufsquellen daher strenger prüfen denn je.

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Fußball-WM: Das Compliance-Risiko des Sommers

Neben dem politischen Vorstoß wirft ein Großereignis seine Schatten voraus: die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Arbeitsrechtler identifizieren das Turnier bereits jetzt als eines der größten Risikofelder des Jahres. Die enorme Nachfrage mache es zu einer „Hochrisiko-Zone“ für Bestechung und Korruption.

Für deutsche Firmen gelten strenge Grenzen. Die Freigrenze für Geschenke an Geschäftspartner von 50 Euro wird bei WM-Tickets fast immer überschritten. Unternehmen müssen daher klären, ob sie die Pauschalversteuerung nach § 37b EStG anwenden. Ohne diese Pauschalierung müsste der Gast das Ticket als geldwerten Vorteil versteuern – ein Fauxpas, der jede Kundenbeziehung belastet. Zudem müssen Compliance-Richtlinien sicherstellen, dass Einladungen nicht in zeitlicher Nähe zu Vertragsabschlüssen erfolgen.

Barrierefreiheit wird zur technischen Pflicht

Ein weiterer, oft übersehener Aspekt betrifft die Technik. Seit Jahresbeginn 2026 gilt der European Accessibility Act (EAA) vollumfänglich für den E-Commerce. Das betrifft auch interne Buchungsportale und Ticket-Shops von Unternehmen.

Experten betonen: Compliance ist nun auch eine technische Disziplin. Plattformen, über die Mitarbeiter Tickets buchen, müssen den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1 AA) entsprechen. Buchungsprozesse müssen für Menschen mit Behinderungen vollständig zugänglich sein. Werden nicht-konforme Systeme genutzt, riskieren Unternehmen nicht nur Abmahnungen. Sie schließen potenziell Mitarbeitergruppen aus, was gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen könnte.

Dokumentation als oberstes Gebot

Die Gemengelage aus neuen EU-Forderungen, technischen Pflichten und der WM macht lückenlose Dokumentation unabdingbar. In der Praxis bedeutet das:
* Zentrale Erfassung: Jedes Ticket muss namentlich einem Empfänger zugeordnet werden. Die pauschale Verbuchung als „Repräsentationskosten“ reicht nicht aus.
* Genehmigungsprozesse: Hochpreisige Tickets, besonders für Sportevents, sollten einem Vier-Augen-Prinzip unterliegen und durch die Compliance-Abteilung freigegeben werden.
* Quellenprüfung: Der Einkauf darf nur über offizielle Erstmarktplattformen erfolgen.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie die EU-Kommission reagiert. Bis dahin liegt die Verantwortung bei den Unternehmen. Die frühzeitige Anpassung der Reise- und Bewirtungsrichtlinien ist aktiver Risikoschutz. Wer jetzt Budgets und Genehmigungswege definiert, tappt nicht in die Compliance-Falle, wenn im Sommer der Anpfiff ertönt.

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