Thüringen wird dritter Pilotstaat für digitale Verwaltung
13.02.2026 - 02:30:12Thüringen schließt sich als dritter Bundesstaat der Digitalisierungsoffensive von Bund und Ländern an. Das Abkommen soll den Weg für bundesweit einheitliche Online-Dienste ebnen.
Die Partnerschaft zwischen dem Freistaat und der Bundesregierung wurde am 11. Februar 2026 bekannt gegeben. Thüringen folgt damit Bayern und Hessen, die bereits seit Herbst 2025 als Pilotregionen fungieren. Ziel ist es, skalierbare digitale Lösungen zu entwickeln, die später in ganz Deutschland eingesetzt werden können.
Im Fokus stehen alltägliche Verwaltungsdienstleistungen. Thüringen wird als „Erprobungsraum“ für vollständig digitale Abläufe dienen. Dazu zählen etwa die Ummeldung von Fahrzeugen, Passanträge, Bauanträge oder Vorschüsse für Unterhaltszahlungen.
Ein Kernziel ist die praktische Umsetzung des „Once-Only“-Prinzips. Bürger und Unternehmen sollen ihre Daten nur noch einmal an die Verwaltung übermitteln müssen. Berechtigte Behörden können diese Informationen dann sicher untereinander austauschen. Das soll Doppelarbeit und persönliche Behördengänge überflüssig machen.
„Die meisten Kontakte der Bürger mit dem Staat finden auf Landes- und kommunaler Ebene statt“, betonte Digitalstaatssekretär Philipp Amthor. Die Zusammenarbeit aller Verwaltungsebenen sei daher entscheidend. Das Motto lautet: Daten sollen zwischen Behörden fließen, nicht Bürger zwischen Ämtern.
Vom Pilotprojekt zum Deutschland-Stack
Die Strategie des Bundes setzt auf erprobte Vorreiter. In Bayern und Hessen laufen bereits seit Monaten Pilotprojekte. Die dort entwickelten und getesteten Technologien und Prozesse sollen später allen anderen Ländern und Kommunen zur Verfügung gestellt werden.
Dieser kooperative Ansatz reagiert auf frühere Probleme. Oft hatten einzelne Gemeinden eigene, isolierte Lösungen entwickelt, die nicht kompatibel waren und Ressourcen verschwendeten. Jetzt sollen einheitliche Standards und wiederverwendbare digitale Bausteine – der sogenannte „Deutschland-Stack“ – geschaffen werden.
Erkenntnisse aus den ersten Projekten werden ab Sommer 2026 mit anderen Regionen geteilt. Das soll einen schnelleren und koordinierten Rollout in ganz Deutschland ermöglichen.
Die Schlüsselaufgabe: Registermodernisierung
Die Grundlage für all diese Fortschritte ist ein Mammutprojekt: die Modernisierung der öffentlichen Register. Hunderte verstreute Datenbanken von Bund, Ländern und Kommunen müssen verbunden werden. Darin liegen zentrale Daten zu Personen und Unternehmen – vom Familienstand über den Wohnsitz bis zu Fahrzeug- und Gewerbeanmeldungen.
Erst diese vernetzte Infrastruktur macht das „Once-Only“-Prinzip wirklich möglich. Sie soll einen sicheren Datenaustausch zwischen Behörden mit Einwilligung der Nutzer ermöglichen.
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Die Registermodernisierung gilt als einer der größten und wichtigsten Bausteine der deutschen Verwaltungsdigitalisierung.
Strategiewechsel nach OZG-Rückschlag
Der Fokus auf Pilotstaaten markiert einen strategischen Kurswechsel. Der ursprüngliche, umfassende Ansatz des Onlinezugangsgesetzes (OZG) hatte seine Ziele verfehlt. Es sah vor, bis 2022 fast 600 Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Die Komplexität des Föderalismus und fehlende Standards verhinderten dies.
Laut einer Bitkom-Analyse ist ein Großteil dieser Dienste bundesweit immer noch nicht digital verfügbar. Die neue Partnerschaftsstrategie erscheint als pragmatischere Antwort. Sie konzentriert Ressourcen und fördert Innovation in einem kontrollierten Umfeld.
Erfolgreiche Blaupausen aus Thüringen, Bayern und Hessen sollen die Hürden für andere senken. Dieser Ansatz akzeptiert die politischen und technischen Realitäten des Föderalismus – und schafft gleichzeitig sichtbare Fortschritte für die Bürger.
2026 als Schicksalsjahr für die Digitalisierung
Mit Thüringen gewinnt die Digitalisierungsoffensive an kritischer Masse. Die Erkenntnisse aus den drei Pilotstaaten werden die bundesweite Strategie der kommenden Jahre prägen. Ab Mitte 2026 sollen andere Länder und Kommunen die erprobten Lösungen übernehmen.
Das Jahr 2026 gilt als entscheidend für die deutsche Digitalpolitik. Der Erfolg dieser Partnerschaften wird maßgeblich darüber entscheiden, ob der Staat sein Versprechen einer modernen, effizienten und bürgerfreundlichen Verwaltung einlösen kann. Die langfristige Vision hängt am Gelingen von Grundlagenprojekten wie dem Nationalen Once-Only-Technischesystem (NOOTS) und der fortschreitenden Registermodernisierung. Sie bilden das technische Rückgrat für eine wirklich digitale deutsche Verwaltung.
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