Tensor Robocar: Erster Level-4-Autonomie-Wagen für Privatbesitzer
08.01.2026 - 00:13:12Ein Silicon-Valley-Startup stellt auf der CES 2026 ein Serienfahrzeug vor, das sich komplett ohne Fahrer steuern soll – und das nicht als Taxi, sondern für die eigene Garage. Die Tensor Robocar genannte Limousine soll noch 2026 ausgeliefert werden und kostet rund 200.000 Euro.
Während die CES in Las Vegas oft von Prototypen und Zukunftsvisionen dominiert wird, präsentiert das KI-Unternehmen Tensor ein fertiges Produkt. Der Clou: Das Fahrzeug ist nach Firmenangaben das erste kaufbereite Level-4-autonome Auto weltweit, das explizit für Privatkunden und nicht für Flottenbetreiber entwickelt wurde. Die Auslieferung ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
Ein faltbares Lenkrad als Symbol des Wandels
Der spektakulärste Technologie-Beweis auf der Messe ist ein gemeinsam mit dem Sicherheitsspezialisten Autoliv entwickeltes, faltbares Lenkrad. Im autonomen Modus soll es sich komplett ins Armaturenbrett zurückziehen – ebenso wie die Pedale. Der Fahrerplatz verwandelt sich so in einen Lounge-Bereich. Diese radikale Design-Entscheidung unterstreicht das Vertrauen des Herstellers in seine eigene Technik.
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„Es ist nicht einfach ein Auto, es ist ein verkörpertes persönliches Werkzeug“, so die Kernbotschaft des Unternehmens. Anders als traditionelle Hersteller, die Autonomie-Funktionen nachrüsten, wurde der Robocar von Grund auf für den fahrerlosen Betrieb konstruiert. Herzstück ist das „Tensor Foundation Model“, ein KI-System, das komplexe Verkehrssituationen eigenständig bewerten und lösen soll – ohne ständige Cloud-Anbindung. Das soll auch den Datenschutz erhöhen, da alle Informationen im Fahrzeug bleiben.
Die Hardware-Ausstattung ist gewaltig: 37 Kameras, fünf spezielle LiDAR-Sensoren und elf Radare sorgen für eine redundante Umfelderkennung. Dieser Sensorik-Mix übertrifft bei weitem die Ausstattung aktueller Serienfahrzeuge und soll den Betrieb ohne menschlichen Sicherheitsfahrer in bestimmten, vorab kartierten Gebieten ermöglichen.
Die Produktion ist gesichert, der Preis hoch
Tensor setzt auf eine schnelle Markteinführung durch eine etablierte Partnerschaft. Die Serienfertigung wird vom vietnamesischen Automobilhersteller VinFast in dessen Werk in Hai Phong übernommen. Diese Strategie soll die typischen „Produktionshöllen“ vermeiden, unter denen viele Auto-Startups leiden.
Vermarktet werden soll das Luxusgefährt in den USA, Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Preis von etwa 200.000 Euro positioniert es im Ultra-Luxus-Segment. Tensor setzt damit auf ein völlig anderes Geschäftsmodell als Konkurrenten wie Waymo oder Tesla, die auf Robotaxi-Flotten setzen. Das Startup wettet, dass wohlhabende Kunden einen Aufpreis für die Privatautonomie zahlen.
Besitzer sollen das Auto als autonomen Assistenten nutzen können: Es könnte eigenständig Besorgungen erledigen, Familienmitglieder abholen oder sich selbstständig an eine Ladestation begeben – während der Eigentümer woanders ist.
Skepsis in der Branche bleibt
Die Ankündigung stößt in der Branche auf ein gemischtes Echo. Die Versprechen sind gewaltig: Level 4 bedeutet, dass das Fahrzeug in seinem definierten Betriebsbereich komplett ohne menschliches Eingreifen auskommt – ein Meilenstein, der der gesamten Autoindustrie bislang entgangen ist.
Experten äußern jedoch erhebliche Zweifel am ambitionierten Zeitplan. „Die breite Verfügbarkeit von Level-4-Autonomie für Privatbesitzer ist trotz Tensor’s Roadmap wohl noch Jahre entfernt“, sagte Marc Amblard von Orsay Consulting gegenüber Space Daily. Die Technologie möge reifen, doch die regulatorischen und haftungsrechtlichen Hürden für den Privatbesitz solcher Fahrzeuge seien enorm.
Auch Shawn DuBravac vom Avrio Institute bezeichnete das Lieferziel 2026 als „ambitioniert“. Die Sicherheitsanforderungen an ein Privatfahrzeug seien ungleich höher als bei gewarteten Flottenfahrzeugen, die regelmäßig in eine Zentrale zurückkehren.
Dennoch hat Tensor mit seiner CES-Präsenz Glaubwürdigkeit erlangt. Anders als bei reinen Konzept-Showcars („Vaporware“) sind funktionierende Hardware wie das Autoliv-Lenksystem und demonstrierte Sensor-Reinigungstechnologien zu sehen.
Der steinige Weg zur Zulassung
Der größte Stolperstein bleibt die Regulierung. Tensor verfügt zwar über Testgenehmigungen in Kalifornien. Der Verkauf eines Fahrzeugs ohne permanentes Lenkrad erfordert jedoch umfangreiche Freigaben von Behörden wie der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA und ihren europäischen Pendants.
Die Partnerschaft mit Autoliv ist ein strategischer Schachzug, um Sicherheitsbedenken zu begegnen. Die Zusammenarbeit mit einem etablierten Zulieferer signalisiert den Willen, hohe Sicherheitsstandards zu erfüllen. Auf der Messe wurde etwa ein duales Airbag-System präsentiert, das sich je nach Stellung des Lenkrads aus unterschiedlichen Positionen entfaltet.
Gelingt Tensor der angekündigte Marktstart, würde das Startup etablierte Autokonzerne und Tech-Giganten ausstechen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Vision des „Roboters, der Sie fährt“ tatsächlich serienreif wird.
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