TenneT-Deal: Berlin sichert sich Vetorecht über Stromnetz
08.02.2026 - 10:02:12Die Bundesregierung hat mit einem 25-Prozent-Anteil am Netzbetreiber TenneT Germany strategischen Einfluss auf die Energiewende gesichert. Der milliardenschwere Einstieg beendet jahrelange Verhandlungen mit den Niederlanden und soll den Netzausbau beschleunigen – doch die Kosten bleiben hoch.
Berlin – Deutschlands Energiewende bekommt einen neuen strategischen Kapitän. Die Bundesregierung hat sich mit dem Erwerb einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany ein entscheidendes Mitspracherecht an der Stromautobahn gesichert. Der Deal im Wert von rund 3,3 Milliarden Euro, der diese Woche vom Wirtschaftsministerium bestätigt wurde, beendet ein jahrelanges Gezerre mit dem niederländischen Staat. Für die deutsche Industrie bedeutet das vor allem eines: mehr Planungssicherheit bei den milliardenschweren Netzausbauprojekten.
Durch die Beteiligung, die über die Staatsbank KfW abgewickelt wird, erhält Berlin eine sogenannte Sperrminorität. Das verschafft der Bundesregierung ein Vetorecht bei allen wesentlichen strategischen Entscheidungen des Netzbetreibers. Ein vollständiger Rückkauf, wie er 2024 noch im Raum stand, war am Ende nicht durchsetzbar.
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Hybrid-Modell: Staatliche Kontrolle, privates Kapital
Die Transaktion ist Teil einer umfassenden Kapitalrestrukturierung bei TenneT. Sie ergänzt eine bereits im September 2025 angekündigte Kapitalspritze eines privaten Konsortiums in Höhe von 9,5 Milliarden Euro. An diesem Konsortium sind unter anderem der niederländische Pensionsfonds APG, Singapurs Staatsfonds GIC und Norwegens Norges Bank beteiligt. Sie können sich bis zu 46 Prozent der Anteile sichern.
Der niederländische Staat, der TenneT seit 2010 vollständig besaß, hält nach Abschluss aller Transaktionen noch etwa 28,9 Prozent. Entsteht hier ein neues, europäisches Modell? Die hybride Struktur aus staatlicher Aufsicht und privatem Kapital soll die Effizienz eines privatwirtschaftlichen Unternehmens mit den langfristigen energiepolitischen Zielen der Bundesregierung verbinden.
Für die Industrie ist der staatliche Einstieg ein wichtiges Signal. „Die direkte Beteiligung des Bundes soll sicherstellen, dass der Netzausbau nicht an Finanzierungsengpässen scheitert“, erklärt eine Branchenanalystin. Projekte wie die Stromautobahnen SuedLink und SuedOstLink, die Windstrom von der Nordsee in den Süden transportieren sollen, erhalten damit mehr Verbindlichkeit.
Was bedeutet der Deal für die Stromkosten?
Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Netzentgelte sind für Unternehmen bereits spürbar – dank staatlicher Subventionen. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber hatten im Oktober 2025 eine drastische Senkung der Netzentgelte auf der Höchstspannungsebene um etwa 57 Prozent angekündigt. Für 2026 liegen sie bei nur noch 2,86 Cent pro Kilowattstunde, finanziert durch einen 6,5-Milliarden-Euro-Zuschuss aus dem Klima- und Transformationsfonds.
Langfristig bleibt die Kostenfrage jedoch brisant. Der Netzausbau der nächsten zehn Jahre wird auf über 100 Milliarden Euro geschätzt. Die jetzt eingeworbenen Milliarden dienen vor allem dazu, weitere Kredite für den Bau zu ermöglichen. Die privaten Investoren werden marktübliche Renditen erwarten. Kann der Staat mit seiner Sperrminorität hier ausgleichend wirken und allzu starke Gewinnausschüttungen bremsen, um die Netzentgelte stabil zu halten?
„Die strukturellen Kosten des Netzes werden mittelfristig ein wesentlicher Bestandteil des Energiepreises bleiben“, warnt ein Marktexperte. Für Energieverantwortliche in Unternehmen heißt das: Die niedrigen Entgelte von 2026 sind kein Dauerzustand. Entscheidend wird sein, ob die Netzentgelt-Subvention im Bundeshaushalt 2027 fortgeschrieben wird.
Mehr Energiesouveränität für Deutschland
Hinter dem Deal steckt auch geopolitisches Kalkül. Mit der Beteiligung holt sich Berlin einen Teil der Kontrolle über kritische Infrastruktur zurück, die seit 14 Jahren in niederländischer Hand lag. Das Wirtschaftsministerium betont die gestärkte Kapitalbasis von TenneT Germany, die notwendig sei, um das Netz für die volatile Einspeisung aus Wind und Sonne zu wappnen.
TenneT-Chefin Manon van Beek sieht in der neuen Eigentümerstruktur eine Antwort auf die geopolitische Realität und den gewaltigen Investitionsbedarf. Das Modell ermöglicht es TenneT zudem, rund 3,3 Milliarden Euro an Aktionärskrediten an den niederländischen Staat zurückzuzahlen. Für deutsche Unternehmen verringert sich damit das Risiko, dass die Sicherheit ihrer Energieversorgung von haushaltspolitischen Entscheidungen im Ausland abhängt.
Die Reaktion der Wirtschaft fällt verhalten positiv aus. Industrieverbände, die lange eine Lösung für den TenneT-Streit gefordert hatten, sehen die Planungsunsicherheit für den Netzausbau deutlich reduziert. Der Deal garantiert, dass die Kabel gebaut werden und das Licht an bleibt. Er bestätigt aber auch: Die Kosten der Energiewende bleiben auf absehbare Zeit eine gemeinsame Last von Steuerzahlern und Stromkunden.
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