Tech-Giganten investieren 680 Milliarden Euro in KI-Wettlauf
13.02.2026 - 15:31:11Die größten Technologiekonzerne der Welt pumpen in diesem Jahr Rekordsummen in den Aufbau ihrer KI-Infrastruktur. Laut einer aktuellen Analyse von S&P Global planen die vier US-Hyperscaler Amazon, Alphabet (Google), Meta und Microsoft gemeinsam Kapitalausgaben von über 680 Milliarden Euro für 2026 – ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese beispiellose Investitionswelle macht deutlich, warum Kapitalausgaben (CapEx) als entscheidender Indikator für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gelten.
Historischer Anstieg der Investitionen
Die Zahlen, die diese Woche für Aufsehen sorgten, sind gewaltig: Allein Amazon plant Kapitalausgaben von rund 200 Milliarden Euro, wie CEO Andy Jassy bekannt gab. Der Großteil fließt in die Cloud-Sparte AWS und KI-Projekte. Alphabet signalisierte ein Budget von etwa 185 Milliarden Euro, Meta liegt mit 115 bis 135 Milliarden Euro im Plan. Microsoft wird voraussichtlich 110 Milliarden Euro investieren.
Doch der Markt reagierte verhalten. Trotz starker Umsatzprognosen sorgten die gewaltigen Ausgabenpläne für Kurseinbrüche. Amazon verlor zeitweise elf Prozent an Wert, Microsoft zwölf Prozent. Diese Volatilität zeigt das Grundprinzip von CapEx: Es handelt sich um massive Vorabinvestitionen, deren langfristiger Ertrag zwar erhofft, aber nicht garantiert ist.
Was sind Kapitalausgaben (CapEx)?
Kapitalausgaben (englisch Capital Expenditure, CapEx) sind Investitionen eines Unternehmens in langfristige Vermögenswerte. Dazu zählen Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Technologie oder Ausrüstung. Im Rechnungswesen werden diese Kosten aktiviert – sie erscheinen also in der Bilanz als Teil des Anlagevermögens und nicht sofort als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Die Kosten werden über die Nutzungsdauer des Assets abgeschrieben (Abschreibung bei materiellen, Amortisation bei immateriellen Gütern). Charakteristisch für CapEx sind der langfristige Nutzen (mehr als ein Jahr), der nicht wiederkehrende Charakter der Ausgabe und die bilanzielle Aktivierung.
Beispiele aus der Wirtschaft
Die aktuelle Nachrichtenlage wird von KI-Investitionen dominiert, doch CapEx findet sich in allen Branchen.
1. Technologie und digitale Infrastruktur
Der aktuelle „KI-Wettlauf“ treibt den Bau von Rechenzentren und den Kauf leistungsstarker Server und Grafikprozessoren (GPUs) voran. Microsofts Investitionen in Datenzentren für OpenAI-Modelle sind ein klassisches Beispiel: Die physischen Assets sollen über Jahre Mehrwert generieren.
2. Telekommunikation und Satelliten
Das Satellitenunternehmen Iridium Communications meldete für 2025 CapEx von 100,3 Millionen US-Dollar. In dieser Branche umfassen die Kapitalausgaben vor allem die Konstruktion und den Start der Satelliten, deren Kosten über ihre operative Lebensdauer im All abgeschrieben werden.
3. Produktion und Schwerindustrie
Bei Automobilherstellern wie Volkswagen oder BMW zählen der Bau neuer Werke oder die Anschaffung robotergestützter Fertigungsstraßen für die E-Auto-Produktion zu den Kapitalausgaben. Die Umrüstung einer Fabrik auf Elektroantriebe ist eine signifikante Investition.
4. Immobilien
Der Kauf einer neuen Filiale durch einen Einzelhändler ist CapEx. Die monatliche Miete hingegen nicht. Auch Modernisierungen, die die Lebensdauer eines Gebäudes verlängern – wie ein neues Dach oder eine Solaranlage – gelten als Kapitalausgaben.
Der strategische Unterschied: CapEx vs. OpEx
Die Unterscheidung zwischen Kapitalausgaben (CapEx) und Betriebsausgaben (OpEx) ist zentral für die Finanzanalyse.
- OpEx (Betriebsausgaben) sind die laufenden Kosten für den Geschäftsbetrieb: Gehälter, Mieten, Strom, Rohmaterial oder Cloud-Abonnements. Sie werden im Jahr des Anfalls vollständig steuerlich geltend gemacht und mindern sofort den Gewinn.
- Das Tauschgeschäft: Unternehmen stehen oft vor der „Kaufen vs. Mieten“-Entscheidung. Ein Serverkauf ist CapEx; gemieteter Cloud-Speicher ist OpEx. Interessant ist der aktuelle Trend: Cloud-Anbieter tätigen selbst riesige CapEx, um ihren Kunden OpEx-Dienste anzubieten.
Analysten weisen darauf hin, dass die Mega-Investitionsbudgets von 2026 den freien Cashflow unter Druck setzen. Da CapEx zwar Cash abfließen lässt, aber den ausgewiesenen Gewinn nicht sofort schmälert, kann ein Unternehmen bilanziell profitabel sein, während es gleichzeitig große Summen für neue Assets ausgibt. Deshalb schauen Investoren derzeit besonders genau auf die Kapitalflussrechnungen der Tech-Riesen.
Für Anleger wird die Schlüsselkennzahl 2026 die Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) sein. Die Effizienz, mit der Amazon, Alphabet & Co. ihre Hunderte Milliarden Euro in neue Umsatzströme verwandeln, wird die Aktienkurse bestimmen.
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Volkswirtschaftlich dürfte die Investitionswelle einen Multiplikatoreffekt auslösen. Hersteller von Spezialausrüstung, Halbleiterfabriken und Bauunternehmen für Rechenzentren profitieren, wenn die Budgets in der Lieferkette ankommen.
Laut S&P Global wird das hohe Investitionsniveau 2026 anhalten. Finanzvorstände müssen sich auf weiterhin volatile Cashflow-Kennzahlen im Tech-Sektor einstellen. Wenn die neuen Assets produktiv werden, werden die steigenden Abschreibungen 2027 und 2028 zudem den ausgewiesenen Nettogewinn belasten – ein Faktor, den Steuerplaner und Buchhalter bereits jetzt im Blick haben müssen.
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