Tarifkonflikt, Länder

Tarifkonflikt der Länder: Warnstreiks erreichen vor Verhandlungen Höhepunkt

10.02.2026 - 08:15:11

Vor der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam legen massive Warnstreiks Teile der öffentlichen Infrastruktur lahm. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber verweisen auf leere Kassen.

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder steuern auf eine entscheidende Phase zu. Kurz vor der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam haben landesweite Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber massiv erhöht. Sollte keine Einigung gelingen, droht eine weitere Eskalation.

Warnstreiks legen Nordrhein-Westfalen lahm

Am Dienstag erreichten die Proteste einen vorläufigen Höhepunkt. In Nordrhein-Westfalen legten Streiks weite Teile der öffentlichen Infrastruktur lahm. Besonders betroffen waren die sechs großen Universitätskliniken und zahlreiche Landesbehörden. Sogar Autobahntunnels mussten vorübergehend gesperrt werden, weil sich auch Mitarbeiter in den Verkehrsleitzentralen den Arbeitsniederlegungen anschlossen. Für den Mittwoch, den ersten Verhandlungstag in Potsdam, sind weitere Aktionen in Berlin und Brandenburg geplant. Dort sollen Kitas, Schulen und Bezirksämter bestreikt werden.

Sieben Prozent mehr Lohn: Die Forderungen der Gewerkschaften

Im Zentrum des Konflikts steht die Forderung der Gewerkschaften ver.di und des dbb Beamtenbund und Tarifunion. Sie verlangen für die rund 2,6 Millionen Beschäftigten der Bundesländer eine Lohnerhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 300 Euro mehr im Monat. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen. Für Auszubildende und Nachwuchskräfte wird eine monatliche Erhöhung von 200 Euro gefordert.

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Die Gewerkschaften argumentieren, dass diese Erhöhung nötig sei, um die Reallohnverluste durch die hohe Inflation der vergangenen Jahre auszugleichen. Zudem müssten die Berufe im öffentlichen Dienst angesichts des akuten Fachkräftemangels attraktiver werden. Ein Abschluss, der hinter dem Ergebnis für Bund und Kommunen aus dem Vorjahr zurückbleibt, wäre aus ihrer Sicht ein fatales Signal.

Arbeitgeber zögern und verweisen auf leere Kassen

Die Arbeitgeberseite, vertreten durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), hält sich mit einem konkreten Angebot bislang bedeckt. In den ersten beiden Verhandlungsrunden skizzierte sie lediglich einen „Einigungskorridor“. Dieser sieht laut Berichten eine Erhöhung von etwa fünf Prozent vor – gestreckt auf eine Laufzeit von 29 Monaten.

Die TdL verweist auf die angespannte Haushaltslage der Bundesländer und warnt vor einer Überlastung der öffentlichen Kassen. Die Gewerkschaften kontern: Gut funktionierende öffentliche Dienstleistungen in Bildung, Sicherheit und Sozialarbeit seien eine essentielle Investition in die Zukunft. Das aktuelle Zögern der Arbeitgeber werten sie als Missachtung der Beschäftigten.

Mehr als nur Lohn: Ein Konflikt mit Signalwirkung

Der Streit geht über reine Prozentpunkte hinaus. Es ist ein Kräftemessen mit großer Signalwirkung für den gesamten öffentlichen Sektor. Der Fachkräftemangel hat die Verhandlungsposition der Gewerkschaften gestärkt. Gleichzeitig fürchten die Länder finanzielle Engpässe.

Die Gewerkschaften betonen: Eine zu große Lohnlücke zum Tarifabschluss von Bund und Kommunen würde die Personalflucht aus dem Landesdienst weiter beschleunigen. Die Entschlossenheit der Streikenden zeigt, dass die Bereitschaft für einen harten Kampf um faire Bezahlung hoch ist.

Entscheidung in Potsdam: Droht der flächendeckende Streik?

Vom 11. bis 13. Februar verhandeln die Tarifparteien unter hohem Druck in Potsdam. Die Frage ist: Bringt die massive Streikwelle die Arbeitgeber zu einem substanziellen Angebot? Sollte auch diese dritte Runde scheitern, droht eine weitere Eskalation.

Eine Schlichtung ist derzeit nicht vorgesehen. Das könnte den Weg für flächendeckende und unbefristete Streiks ebnen. Das Ergebnis wird nicht nur über die Finanzen von Millionen Beschäftigten entscheiden, sondern auch die Funktionsfähigkeit zentraler öffentlicher Dienstleistungen in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen.

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